Philippe „Zdar“ Cerboneschi verstarb gestern Abend in Paris, meldet Le Monde.  

Bei einem Unfall ist der Musiker aus dem hochgelegenen Fenster eines Hauses in Paris gestürzt, sagte sein Manager Sébastien Farran gegenüber Le Monde. Weitere Angaben machte Farran nicht. Zdar wurde fünfzig Jahre alt.

Zdar wuchs in Aix-les-Bains in Savoie als Sohn von Hoteliers auf, später sang er in einer Punkband und war Speedmetal-Drummer.  

Als Jugendlicher erfuhr er, das die Eurythmics in einem Studio in Paris arbeiteten und bewarb sich als Assistent, erklärte er Le Monde, als 2016 das Cassius-Album Ibifornia erschien: „Ich kam am Morgen im Studio Marcadet an. Sie hatten schon einen Assistenten. Der Tontechniker fragt ihn, ob er weiß, wie man die Joints rollt. Er wusste es nicht. Am Abend bot der Tontechniker mir an, zu bleiben.“

Später arbeitete Zdar für Serge Gainsbourg, Etienne Daho oder Vanessa Paradis. 

Mit Hubert „Boom Bass“ Blanc-Francard gründete Zdar zunächst Le Funk Mob. Gemeinsam produzierten sie mit MC Solars „Bouge de là“, einen der ersten französischen HipHop-Hits. 

Wenig später gaben Boom Bass und Zdar Le Funk Mob auf und gründeten Cassius. Als Cassius prägten sie gemeinsam mit Etienne De Crécy, I:Cube und Daft Punk den „French Touch“. Mit ihrem samplelastigen Sound feierten Cassius afroamerikanischen Funk und House, ohne sich zu sehr vor der Musik zu verneigen. Mit ihrer popaffinen, humorvollen Haltung und ihrer Vorliebe für raumgreifende Klangeffekte erschufen sie eine originär europäische und französische Sichtweise auf House.  

In den 2000ern richtete Zdar in Montmartre das Motorbass Studio ein. Dort arbeitete er unter anderem mit den Beastie Boys, The Rapture, Cat Power, Chromeo, Tiga, Franz Ferdinand, Kanye West und Phoenix zusammen. Für die Arbeit an deren Album Wolfgang Amadeus Phoenix erhielt er 2010 einen Grammy. 

Morgen erscheint das neue Cassius-Album Dreems und das neue Hot Chip-Album A Bath Full of Ecstasy, an dessen Produktion Zdar beteiligt war. 

In Groove-Kreisen gilt Motorbass als Zdars herausragendes Projekt. Zusammen mit Etienne De Crécy betrieb er Motorbass zwischen 1996 und 1999. Die Groove wählte das Motorbass-Album Pansoul 2013 auf #12 der Besten elektronischen Alben der letzen 25 Jahre.

Thilo Schneider schrieb damals: „Bereits ein halbes Jahr, bevor dank Daft Punks Homework die ganze Welt nach Paris schaute, kam mit Pansoul ein Album heraus, das für viele der eigentliche Startschuss des sogenannten French Touch war […] Pansoul war ein düster schimmerndes Juwel geheimnisvoller Klänge, die man weder davor noch danach noch einmal derartig clever arrangiert und mit dieser Dringlichkeit präsentiert bekommen hat.“