Foto: Presse (Ata)

„Auf die Residents kann man sich verlassen, persönlich und inhaltlich. Sie kennen den Club, die Gäste, die Anlage, und sie sind ein Grundpfeiler der musikalischen Identität eines Clubs, also ebenso wichtig wie die Architektur, der Raumklang oder die Gestaltung“, sagte einst Nick Höppner in der Groove. Mit unserem neuen zweimonatlichen Resident Podcast wollen wir ihnen den gebührenden Respekt zukommen lassen. Für die dritte Ausgabe übernimmt der Robert Johnson-Mitbegründer Ata Macias die Decks.

Dass sich dabei allerdings um eher eine Ausnahme handelt, unterstreicht der umtriebige Gastronom und DJ: „Ich bin überhaupt kein Fan davon, Mixe aufzunehmen, da ich es merkwürdig finde, ohne Publikum aufzulegen“, sagt er uns gegenüber. „Das Publikum ist immer ein Leitfaden für mich, wo es hin gehen soll.“ Das beschreibt schon recht gut die Mentalität, mit der Ata und der Rest seines Teams das im Juni 1999 eröffnete Robert Johnson betreiben. Die Tür regelt rigide, wer Eintritt bekommt und auch innerhalb des Clubs ist alles auf ein möglichst störungsfreies Rave-Erlebnis ausgelegt, das nicht nur trotz der Nähe zur früheren Techno-Hochburg Frankfurt mit seiner House-Zentrierung, sondern ebenso seinem lokal rekrutierten Kader von Residents auf Nachhaltigkeit setzt.

Bevor die ausgiebig mit einer 60-stündigen Party vom 28. Juni bis 1. Juli gefeiert wird, liefert er einen seltenen zweistündigen Mix für uns ab. Der fängt langsam an und scheint zuerst die gesamte musikalische DNS der Region um Atas Heimat Frankfurt auszubuchstabieren: die funkigen Töne, der Boogie, Pop geben nur langsam housigen Grooves Raum ein. Spätestens aber zur Halbzeit schummeln sich die Rhythmen ein, die neben dem Floor des Robert Johnsons auch auf dem angeschlossenen Label Live At Robert Johnson die stilistisch weit gefächerte Farbpalette bestimmen. Zwei Stunden entspannte, spannende Musik für 20 Jahre entspannte, spannende Clubkultur in Offenbach. Lang lebe Robert Johnson!

 


 

1999 hatte das Omen bereits geschlossen, das Dorian Gray sollte Ende 2000 folgen. Aus welchem Gedanken heraus habt ihr in dieser Zeit das Robert Johnson gegründet?
Das hatte mit den Schließungen nichts zu tun. Es wurde Zeit für mich, meine Schwangerschaft auszutragen. Den richtigen Club zu bauen, nach meinen Vorstellungen. Nach langjährigen Kelleraufenthalten, Blitzlichtgewitter, Nebel und mittelmässigen Anlagen musste was passieren!

Kannst du dich noch an den Eröffnungsabend erinnern?
Ja, sehr genau. Wir hatten zwei davon. Eine Baustellenparty mit Luke Solomon und Kenny Hawkes (R.I.P.), die offizielle dann mit Dixon und mir.

Trotz seiner bewusst spartanischen Einrichtung hat das Robert Johnson neben dem eigenen Label auch immer viel an der Schnittstelle zur bildenen Kunst getan und mit der Serie Robert Johnson Theorie viel Diskurs betrieben. Warum war es euch immer so wichtig, mehr als nur das musikalische Geschehen abzubilden?
Es ist wichtig zu zeigen, dass wir hier nicht stumpf Techno machen. Viele denken, dass das Publikum in Clubs für elektronische Musik nur Drogen nimmt und dumm feiert. Doch da gibt es einiges mehr und wir haben viel zu erzählen. Wir wollen nicht nur stumpf Bier verkaufen.

Du bist als Gastronom aktiv und hast die musikalische Direktion des Robert Johnson schon vor einiger Zeit abgegeben, spielst dort aber noch regelmäßig. Welchen Stellenwert hat der Club aktuell in deinem Leben?
Er ist meine musikalische Heimat, wo ich regelmäßig nach Hause komme. Bis heute kann ich sagen, dass wir alles richtig gemacht haben. Ich fühle mich extrem wohl, wenn ich im Robert Johnson auflege.

Und was bringt es für dich als Resident mit sich, 20 Jahre lang regelmäßig an denselben Decks zu stehen?
Es ist keine Müdigkeit zu erkennen, es macht immer noch unglaublichen Spaß.

Bei vielen Clubs ist es mittlerweile Usus, Residents auch mal von weit her zu rekrutieren und nach einigen Jahren die Karten neu zu mischen. Bei euch sind sie in der Regel im direkten Umfeld des Clubs aktiv, und das seit langer Zeit. Wie verträgt sich das mit dem Anspruch eines Publikums, das zunehmend gezielter zu internationalen DJs tanzen will?
Ich glaube, dass unsere Residents mit uns und wir mit ihnen groß geworden sind. Wir haben das Glück, dass sie so stark sind, dass wir einen großen Teil unseres Monatsprogramms mit ihnen abdecken können. Gerne machen wir auch mal internationale Gäste, wenn es passt.

„Alle guten Clubs haben eine eiskalte Tür, die dafür sorgt, dass die Lokale heiß bleiben“, hast du vor drei Jahren in einem Interview gesagt. Was macht ein Publikum aber zu einem heißen?
Das ist, ganz einfach, die Mischung. Es ist unglaublich wichtig, an der Tür daran zu arbeiten, dass der Mix stimmt.

Vom 28. Juni bis 1. Juli feiert ihr euer 20-jähriges mit einer 60-stündigen Party. Wie sehen deine und eure Pläne für die Zeit danach aus?
Weitermachen wie bisher und auch die nächsten zehn Jahre für unser Publikum einen guten Job machen!



Stream: Ata – Groove Resident Podcast 3