Der Streit um das Berliner Kreativdorf Holzmarkt erreicht eine neue Eskalationsstufe. Zunächst hieß es, dass bis Ende Juli 2019 eine finale Entscheidung um die Zukunft des Holzmarktes gefällt werden solle. Nun aber der Schock: Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg droht dem Holzmarkt mit der partiellen Schließung bis nächsten Dienstag (11.06.19). In einem Facebook Post der offiziellen Holzmarkt25 Seite äußerten sich diese fassunglos:

„Es liegen – selbst für unsere Verhältnisse – schockierende 72 h hinter uns. Wenn VIER Ämter (Gewerbe-, Ordnungs, Umwelt, und Finanzamt) gleichzeitig, unangekündigt auf unser Gelände kommen und uns mit unmittelbarer Schließung durch das LKA drohen, dann ist eine neue Eskalationsstufe erreicht. Es geht ums Ganze!“

Die Ämter fordern unter anderem, dass der Zugang zum Ufer drastisch eingeschränkt werden soll, keine Getränke ab 21:00 Uhr mehr ausgeschenkt werden dürfen und ab 22:00 Uhr Ruhe herrschen soll. Der Holzmarkt zeigt sich über die Ignoranz und Verhandlungsscheu traurig und wütend. Alle nötigen Maßnahmen, wie Sicherheitsdienst, Müllkonzept und 24/7 Ansprechpartner seien vorhanden. Das Gegenargument des Amtes, eine Anwohnerbeschwerde aus dem Jahr 2018, könne nicht der ausschlaggebende Punkt zur partiellen Schließung des Holzmarktes sein.

In der BVV wurde am Abend ein Dringlichkeitsantrag eingereicht, den mehrere Parteien, darunter Die Linke, SPD und CDU einreichten. Dieser fordert, bis zum 31. Oktober diesen Jahres die Regelungen zum Ausschank und Aufenthalt auf dem Gelände zu annullieren. Der Antrag wurde angenommen.

Seit Langem verhandeln die Besitzer des Holzmarkt-Areals mit Baustadtrat und Bezirksamt. Ursprünglich wollte die Holzmarkt-Genossenschaft das Eckwerk errichten: ein Kreativ-Projekt mit gemeinschaftlichen Wohn-und Arbeitsflächen, welches auch günstigen Wohnraum für Studierende schaffen sollte. Nach ganzen sechs Jahren Wartezeit auf die obligatorischen Planungsrechte traten geplante Partner, wie Baustadtrat Florian Schmidt (Bündnis 90/ Die Grünen), vom Projekt zurück und ließen den Holzmarkt auf sich gestellt.

Auch die Clubcommission Berlin äußerte sich zu den neusten Vorfällen und setzte einen offenen Brief an das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg auf, im Speziellen adressiert an Monika Herrmann (Bündnis 90/Die Grünen), Florian Schmidt (Bündnis 90/Die Grünen) und Andy Hehmke (SPD). Der Bezirk Kreuzberg-Friedrichshain sei ein Ort an dem Kulturschaffenden und Kreative Köpfe jedweder Couleur zusammenkämen und Freiräume zur Entfaltung schaffen. Die Schließung des Holzmarktes würde diese Welt, symbolisch und wortwörtlich gesehen, dem Erdboden gleich machen. Sie fordern das Bezirksamt auf „mutig zu sein, endlich den Bürgerwillen am Spreeufer umzusetzen! Liebe Monika, wir bitten Dich, persönlich den Diskurs mit Deinen Stadträten zu suchen und gemeinsam die Probleme mit dem Holzmarkt zu lösen.“

Mehr Infos zum Streit um den Holzmarkt könnt ihr im GROOVE-Feature vom März und im News Beitrag vom Mai nachlesen.