Foto: Press (DGTL Amsterdam)

Nachhaltigkeit bleibt ein Thema, das in der Musik vor allem unter Festivalveranstaltern hoch im Kurs steht. Die Massenansammlungen Musikbegeisterter mit Besucherzahlen, die nicht selten im fünfstelligen Bereich rangieren, haben logischerweise negative Auswirkungen auf die Umwelt. Die niederländischen Organisatoren der weltweiten Eventreihe DGTL streben an, das DGTL Amsterdam perspektivisch zum ersten klimaneutralen Festival weltweit zu machen. Wie das funktionieren soll, erklärte uns Sustainability Manager Xander Kotvis.


Welche nachhaltigen Projekte und Innovationen bietet das DGTL Amsterdam 2019?

In den letzten Jahren haben wir große Fortschritte in Sachen Essen gemacht, indem wir durch’s Kompostieren sämtliche Abfälle zu Ressourcen machen konnten. Dieses Jahr gehen wir den nächsten Schritt: Alle Gerichte auf dem DGTL werden aus überschüssigem und vermeintlich mangelhaftem Gemüse zubereitet, das aufgrund seiner Optik oft nicht verkauft werden kann.

Außerdem verabschieden wir uns 2019 von Mülleimern. Stattdessen gibt es fortan drei zentrale Stellen zur Sammlung des Mülls. Dort kümmern sich unsere Assistenten um das Sortieren, Reinigen und Prozessieren der weggeworfenen Sachen.

Zusätzlich versuchen wir, die Künstler auf möglichst nachhaltige Weise zum Festival zu bringen, stellen umweltfreundliche Toiletten zur Verfügung und verbessern bereits eingeführte Kernmaßnahmen. Da wäre zum Beispiel der Smart Energy Plan, der es uns erlaubt, nur erneuerbare Energien aus dem Stromnetz der Stadt zu nutzen.

Nochmal zurück zum ersten Punkt: Kannst du die Wichtigkeit der Verwendung dieses überschüssigen Essens erklären? Ist es den Leuten nicht etwas unangenehm, Gerichte aus solchen Zutaten zu essen?

Wir müssen unsere Perspektive ändern, wenn es um Essen geht. Jährlich werden 1,3 Milliarden Tonnen quasi umsonst produziert und nicht genutzt. Das ist etwa ein Drittel des gesamten Konsums der Menschheit. Das ist ein akutes Problem und belastet obendrein die Umwelt enorm.

Wir wollen deshalb vermeiden, dass Lebensmittel, die nicht für den Verkauf bestimmt sind, verschwendet werden. Das beinhaltet Früchte und Gemüse, die anders aussehen als das, was wir aus Supermärkten gewöhnt sind. Die Sachen sind natürlich nicht verfault oder über ihr Ablaufdatum hinaus, sie sehen eben nur nicht gewöhnlich aus. Wir wollen betonen, dass unsere Ansprüche viel zu hoch sind, was zu einer massiven Verschwendung führt.

Zum „Smart Energy Plan“: Wie regeln Festivals ihre Energiezufuhr denn normalerweise?

Da sie oft an abgelegenen Orten stattfinden, haben die meisten Festivals keinen Anschluss an Stromnetze. Stattdessen müssen dafür Generatoren herhalten. Strom ist einer der fünf größten Kostenpunkte für Veranstalter und Generatoren verbrauchen große Mengen an Kraftstoff. Deswegen sollte man alle erdenklichen Maßnahmen zur Effektivitätssteigerung schon durchgeführt haben, bevor man an Generatoren denkt.

Immer mehr Festivals greifen deswegen auf Pläne zurück, die den Energieverbrauch drosseln, die Stromzufuhr aus erneuerbaren Energiequellen maximieren und die Kosten reduzieren. Anfangs sieht es so aus, als wären die Investitionen in solche Pläne extrem teuer, tatsächlich spart man sich aber praktisch von heute auf morgen Geld damit.

Welches ist das größte Problem, das noch gelöst werden muss, um bis 2020 ein klimaneutrales Festival zu schaffen?

Wir heißen jedes Jahr Gäste aus über 50 Ländern, Künstler aus der ganzen Welt und Zulieferer aus verschiedensten Regionen willkommen. Wenn wir wirklich das nachhaltigste Festival der Welt sein wollen, führt kein Weg daran vorbei, unseren größten Einfluss auf die Umwelt zu benennen: CO2-Emissionen durch Reisen und Transport. Wir werden bald eine sehr spezielle Initiative vorstellen, die sich damit beschäftigt. Dazu mehr in Kürze!