Foto: David Molina (Oscar Mulero)

Am 2. Februar und 2. März wird die Essener Mischanlage zum Schauplatz zweier Events, deren Besetzung aufhorchen lässt: Unter anderem holen die Organisatoren von The Third Room Helena Hauff, Oscar Mulero, Antigone oder Efdemin ins ehemalige Bergwerk und heutige UNESCO Weltkulturerbe. Ahmet Sisman, Mitglied des Kollektivs, äußert sich im Interview über seine Beweggründe, die außergewöhnliche Location und die Kulturlandschaft Ruhrgebiet.

Hi Ahmet, kannst du anfangs etwas über euch erzählen? Seit wann seid ihr als Veranstalter aktiv und was habt ihr bislang schon gemacht?

The Third Room entstand als hauseigene Marke des Studios in Essen und war eine monatliche Partyreihe im Club. Angefangen hat alles im Oktober 2017 mit Matrixxman und Vatican Shadow. In diesen knapp 15 Monaten haben wir Acts wie Ben Klock, Jeff Mills, DVS1, Ellen Allien und viele mehr eingeladen. Zusätzlich zu den Clubnächten haben wir im Sommer 2018 unser erstes Open Air im Landschaftspark Duisburg-Nord veranstaltet. Wir sind aber mehr als nur eine Partyreihe. Wir sind ein Kollektiv aus passionierten Kreativen, die im Bereich Musik, Design und Fotografie aktiv sind. Außerdem kommt in diesem Jahr noch ein Plattenlabel dazu, dessen Fokus auf den drei T3R-Residents liegen wird: Someone Outside, VNNN und mir.

Wie viele weitere Third Room-Events wird es geben und worauf kommt es euch beim Booking an?

Für 2019 wollen wir uns primär auf Off-Events konzentrieren, da das Ruhrgebiet mit seiner ausgeprägten Industrielandschaft und sonstigen unentdeckten Orten sehr spannende Möglichkeiten bietet. Diese Örtlichkeiten schreien quasi nach einem Rave und wir wollen diese Kulissen dementsprechend in Szene setzen. Bei den Bookings greifen wir auf ein jahrelang aufgebautes Netzwerk zurück und buchen grundsätzlich die Künstler, die uns musikalisch ergänzen und mit denen im besten Falle über die Jahre sowas wie eine Freundschaft entstanden ist. Das persönliche Miteinander ist uns sehr wichtig. Von der Außendarstellung bis hin zur Musik wollen wir ein einheitliches und schlüssiges Konzept präsentieren. Neben der Mischanlage haben wir noch andere weitere spannende Orte für uns entdeckt. Dazu will ich aber erst mal nicht mehr verraten.


Foto: Katharina Schäffer (Mischanlage)

Seht ihr euch als kulturelle Förderer in der Region? Solche Acts spielen in Essen ja nicht unbedingt regelmäßig.

Teilweise ja, auch wenn man diese Rolle nicht unbedingt bewusst übernommen hat. Ich kann mich grundsätzlich nur für Sachen begeistern, hinter denen ich zu 100 Prozent stehe. Und The Third Room ist im diesen Sinne eine Herzensangelegenheit. Wir wollen aber weitaus mehr als nur eine Marke für das Ruhrgebiet sein. Wir agieren eben in einer Region, wo die Szene doch recht überschaubar ist. Alle reden immer gerne von der Ruhrmetropole mit seinen mehr als fünf Millionen Einwohnern. Das dazu gehörende Kulturangebot lässt aber zu wünschen übrig. Wenn ich meinen Beitrag dazu leiste, dann freut es mich. Es ist ein Projekt aus dem Pott für den Pott, aber grundsätzlich wollen wir Menschen aus der ganzen Welt erreichen. Die Orte dafür sind vorhanden, sie müssen nur bespielt werden.

Hat die Eventreihe für euch einen symbolischen Charakter? Im Ruhrgebiet wurden schließlich gerade die letzten Zechen geschlossen.

Ja, das Bergwerk Prosper-Haniel hat als letzte aktive Zeche Mitte Dezember 2018 den Betrieb eingestellt. Ich komme ursprünglich nicht aus dem Ruhrgebiet, sondern bin in Istanbul aufgewachsen, verstehe aber die Bedeutung dieser Orte sehr gut und was die Menschen damit verbinden: Ein Stück Heimat und Nostalgie. Der Name „The Third Room“ wurde bewusst ausgewählt, weil er nach der Theorie des Philosophen Homi K. Bhabha einen Ort der Hybride darstellt. Damit sprengt man Grenzen, die einem vorher gar nicht bewusst waren. Ich finde es durchaus spannend, an solch unkonventionellen Orten Raves zu veranstalten, Menschen verschiedener Kulturen zusammenzubringen und eine Art von Musik zu präsentieren, die mit hoher Wahrscheinlichkeit im herkömmlichen Clubkontext im Ruhrgebiet so nicht funktionieren würde.

Was macht die Mischanlage als Veranstaltungsort so speziell?

Die Mischanlage ist meiner Meinung nach die Location in Westeuropa, Sie hat diesen Wow-Effekt. Nicht umsonst ist sie seit den Neunzigern UNESCO Weltkulturerbe. Jeder, der diesen Ort betritt, staunt erstmal und nimmt sein Handy raus. Sogar die Leute vom Berghain waren von diesem Ort mehr als begeistert, als wir 2017 die erste Ostgut Ton-Nacht in NRW veranstaltet haben. Würde man zusammen mit dem Außenareal daraus einen festen Veranstaltungsort jeglicher Art machen, würde dieser Ort ein ganzes Stadtviertel und damit die Stadt Essen beleben. Das ganze Thema ist ein Politikum. Man muss die richtigen Leute erreichen und es als Kulturauftrag sehen. Ich bezweifle aber, dass die Entscheidungsmacher sich ihrer Verantwortung bewusst sind. Wir sind halt nicht Amsterdam oder Berlin, wo die lokale Politik die Szene unterstützt und ihr keine Steine in den Weg legt. Solange sich das nicht ändert, wird das Ruhrgebiet nie sein ganzes Potenzial ausschöpfen können.


Foto: Press (Mischanlage)

Zwei weitere Events in der Mischanlage sind für Ende des Jahres geplant.

Groove präsentiert: The Third Room x Mischanlage
2. Februar und 2. März 2019

Line-up: 2. Februar: Antigone, Colin Benders (live), Speedy J
2. März: Efdemin, Helena Hauff, Oscar Mulero

Mischanlage
45141 Essen