Jeden Tag werden DJ-Mixe ins Netz geladen. Manche sind besser, manche sind schlechter und nur wenige werden uns jahrelang begleiten. Jeden Monat sucht das Groove-Team die fünf besten des vorangegangenen Monats aus, präsentiert in alphabetischer Reihenfolge. Diesen Monat mit Courtesy, Interstellar Funk, Lena Willikens, Not Waving und Traumprinz‘ Rückkehr unter dem Alias Secret Guest. Und wer danach noch nicht genug hat, schaut einfach mal beim Groove-Podcast vorbei.

5. Courtesy – Dekmantel Podcast 166

Courtesy wird gerne – auch von uns – als Newcomerin gehandelt. Dabei ist die in Grönland geborene Najaaraq Vestbirk doch schon seit einer ganzen Weile im Musikbusiness unterwegs – zuerst als Teil des Duos Ung Flugt, danach als Mitglied der Apeiron Crew im Dunstkreis der Kopenhagener Culture Box. Dass Vestbirk sich mittlerweile als Solo-DJ Anerkennung findet, ist insofern längst überfällig.

Wo Courtesy drauf steht, stecken meist Breakbeats, harsche Wave-Elemente oder slammender Techno drin, wie ihn Vestbirk gemeinsam mit Mama Snake über das Label Ectotherm vertreibt. Ihr einstündiger Mix für die Mix-Serie des niederländischen Dekmantel-Imperiums allerdings beginnt mit hart groovendem House, der hier und dort mit Acid-Spritzern abgerundet wird.

Zehn Minuten geht das so, dann kommt der erste Bruch, Electro und Techno tauchen als Referenzrahmen am Horizont auf. Es soll nicht der einzige Moment sind, in dem Vestbirk radikal mit Tempo und Tonalität bricht: Ihr Mix will keine Geschichten erzählen, sondern lädt zu einer rasanten Berg- und Talfahrt ein. Ehrgeizig, bestimmt und doch elegant. Andere DJs würden daran grandios scheitern, aber Courtesy macht den Job ja nicht erst seit gestern. (Kristoffer Cornils)

4. Interstellar Funk – The Artificial Dance Show 02

Der niederländische DJ und Produzent Interstellar Funk kehrte nach erfolgreicher Tour durch Indien in seine Heimat Amsterdam und seinem zweiten Wohnzimmer bei Red Light Radio zurück. Olf van Eden – wie Courtesy ein Hoffnungsträger 2018 für die Groove-Redaktion – ist jedoch nicht nur hinter Plattenspielern und Synthesizern aktiv, er leitet darüber hinaus seit Kurzem sein eigenes Label Artificial Dance, auf dem bereits Singles von Job Sifre und Dr. C. Stein erschienen sind.

In der seinem Label zugehörigen gleichnamigen Show präsentiert der aufstrebende Künstler regelmäßig vielfältige Klangwelten und unübliche Beat-Strukturen. Nach einem als beinahe meditativ zu bezeichnenden Einstieg leitet der zweite Mix über zu Slow Beat und endet mit stimmungsvollen Acid-Schiebern, die zum Tanzen in den eigenen vier Wänden animieren. (Franziska Finkenstein)

3. Lena Willikens – Beats In Space Radio Show #926

Gab es das überhaupt jemals: Einen Beats In Space-Mix, der nicht alles einmal komplett auf den Kopf stellte? Tim Sweeney hat mit seiner Radio-Sendung neu definiert, was in der elektronischen Musik durch den Äther rauschen darf. Für die 926. Ausgabe hat er gleich zwei querköpfelnde Schwergewichte eingeladen: Ben UFO traf auf Lena Willikens.

Die Salon des Amateurs-Resident ist immer noch für mehr als bloße Überraschungen gut. Nicht allein mit ihren Releases für Cómeme oder zuletzt Dekmantel, wo in Kürze ihr eigener Beitrag zur Selectors-Serie erscheinen wird, hat Willikens aus der Tradition einer ihrer zwei Homebases, Düsseldorf und Köln, einen sehr eigenen Sound geschaffen: Electri_City hier, morbide Teutonen-Grooves dort, dazwischen ist noch immer Luft für obskuren Humor.

Willikens’ Beats In Space-Mix ist all das und noch viel mehr. Sich endlos windende Grooves lösen sich in beinahe versöhnliche Momente auf, Mensch-Maschinen-Handwerk trifft auf Gefühlswelten, die nicht von dieser Welt zu kommen scheinen. In jedem Sinne eine Bereicherung. (Kristoffer Cornils)

2. Not Waving – NTS Radio 22. Februar 2018

Der italienische Produzent Alessio Natalizia alias Not Waving ist bekannt für seine vielschichtigen Soundtexturen bestehend aus Ambient, Acid und No Wave. Sein letztes, auf Diagonal erschienenes Album Good Luck verbindet Post-Acid und Rave-Strukturen auf abenteuerliche Art und Weise miteinander. Dabei definiert er den Begriff der Tanzbarkeit um und zeigt neue Möglichkeiten auf, wie Clubmusik ebenfalls funktionieren kann.

Der jüngste Mix seiner monatlichen Show auf NTS Radio ist eher ein Mixtape bestehend aus einem wilden Potpourri aus experimentellen Tracks von unter anderem Arthur Russell, Mica Levi und Einzelganger, die mit Feel-Good-Disco-Tunes von Linda di Franco oder Antena kollidieren und von elektronischen Klängen von Susumu Yokota und Jay Glass Dubs abgelöst werden. Not Waving öffnet den Zuhörenden seine Türe und heißt alle open-minded Musik-EnthusiastInnen willkommen. (Franziska Finkenstein)

1. Traumprinz b2b DJ Metatron – Secret Guest – Live At Planet Uterus

DJ-Mixe in denen Produzenten ihre unveröffentlichten Tracks vorstellen erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Letztes Jahr präsentierte Dan Snaith gleich fast 30 neue Stücke in Form eines Fabric-Mixes erstmals der Öffentlichkeit, Leibniz.‘ kürzlich erschienener Groove-Podcast bestand ebenfalls aus unreleasten Stücken und für April hat Efdemin einen Mix/Album-Hybriden angekündigt, der neue Tracks von ihm selbst und befreundeter Künstler beinhalten soll. Für Traumprinz ist dieses Format quasi sein Modus Operandi. Seit 2012 hat der anonyme Musiker unter seinen Prince of Denmark-, Traumprinz- und DJ-Metatron-Aliasen zwei Live At Planet Uterus– und drei Giegling-Mixe veröffentlicht, jeweils nur mit eigenem, unveröffentlichten Material, welches sich dann teils erst Jahre später auf Vinyl wiederfand. Sein neuer Mix Secret Guest – Live at Planet Uterus ist nur in sofern eine Überraschung, weil viele Fans schon nicht mehr mit neuer Musik gerechnet hatten, seitdem der Musiker im Mai letzten Jahres seinen Abschied vom Prince-Of-Denmark-Projekt und seiner Zusammenarbeit mit Giegling bekannt gab.

Auf 90 Minuten und in 14 Tracks bietet Traumprinz Dub Techno, hypnotische Trance-Flächen, melodiösen House, verhallte Vocal-Samples und – im zweiten Teil – Breakbeats: eine hoch emotionale und vertraute Mischung, die auf diese Art dennoch unverwechselbar klingt. Während bei anderen Produzenten der DJ-Mix als Plattform, um neue Tracks vorzustellen, vor allem als willkommene Abwechslung zu herrkömmlichen Veröffentlichungsformaten scheint, hat man bei Traumprinz den Eindruck, als wenn der Mix das eigentliche angemessene Gefäß für seine Musik darstellt. Nicht nur, weil so seine unterschiedlichen stilistischen Spielarten am besten verwoben werden können, sondern auch weil die Art wie hier die Tracks ineinander gemixt werden und der ununterbrochene Fluss, der dadurch entsteht, der Musik etwas hinzufügen, wozu eine EP oder ein Album so nicht im Stande sind. „I know I’m on the right path because I’m back home“ – mit diesem Sample aus einem Whitney Houston-Zitat schließt Traumprinz seinen Mix. Er könnte auch das Mixformat selbst mit diesem „Zuhause“ gemeint haben. (Heiko Hoffmann)

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