Fotos: Verena Blok (Intergalactic Gary), Press (Delta Funktionen). 
Zuerst erschienen in Groove 158 (Januar/Februar 2016).

Ich habe früher in den Niederlanden in einem Secondhand-Plattenladen gearbeitet, der Sammlungen kaufte, einmal auch vierhundert Disco- und Italo-Platten von Intergalactic Gary. Natürlich hatte ich schon von ihm gehört, er ist ja auch Niederländer. Gary hatte den Ruf eines Italo-Meisters, also hörte ich mir mal an, was da so dabei war. Früher hätte ich hier wohl i-F gewählt, weil ich ihn schon öfter gehört habe.

Aber Intergalactic Gary und ich sind uns sehr ähnlich: Wir mögen dieselben Platten, obwohl wir unsere Sets anders zusammenstellen. Er stammt ja eher aus einer Oldschool-Generation und wir mixen komplett anders – ich habe das Gefühl, Timing ist für ihn gar nicht so wichtig. Allerdings legen wir viel Wert auf den Mix an sich, was vielleicht sogar ein niederländisches Merkmal beim Auflegen ist: Deutschen DJs geht es oft mehr um den Verlauf eines Sets insgesamt und sie versuchen nicht, so viel mit zwei Platten gleichzeitig zu arbeiten. Wir hingegen vertiefen uns total in den Mix.


Video: Intergalactic Gary @ Sonar By Night, Barcelona (RA Stage)

Gary gilt generell als ein DJ’s DJ, was natürlich an der Plattenauswahl liegt: Er findet in diesem riesigen Stapel von Neuerscheinungen diejenigen, die jeder gerne spielen würde. „Was zum Teufel ist das?“, fragt man sich da und geht sofort auf die Jagd, wenn man ein Set von ihm gehört hat. Damit meine ich vor allem neue Technoplatten – die meisten kennen ihn aufgrund seiner älteren Disco-Sets, obwohl er immer sehr breit gefächert gespielt hat, viel Chicago House und so weiter, und heute baut er auch viel Techno ein.

Das ist interessant, weil er einen Disco- und Italo-Hintergrund hat. Er blickt von einer anderen Position auf Techno als diejenigen, die total damit sozialisiert sind. Wie er das mit anderen Sachen kombiniert, ergibt einen ganz besonderen, warmen Vibe, der dich total einsaugt. Mein alter Chef aus dem Plattenladen hat vor drei Jahren eine Party veranstaltet, wo wir zusammen gespielt und uns ein wenig angefreundet haben. Aber zu Leuten, die ich musikalisch respektiere, halte ich auch immer gerne gebührenden Abstand. Wie heißt es so schön? Never meet your heroes!

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