Foto: Franz Grünewald (Alex.Do)

Die Automarke AUDI hat Frank Wiedemann von Âme und Howling im Rahmen ihres Zeitgeist-Projekts für einen Soundtrack zu Johannes Schaffs Neuverfilmung des cineastischen Klassikers Berlin: Symphonie der Großstadt ins Boot geholt. Für die einzelnen Kapitel des Films lud Wiedemann Thomas Fehlmann, Modeselektor, Hans-Joachim Roedelius, Samon Kawamura und Alex.Do ins Studio. Am 14. Februar wird der Film zum ersten Mal gezeigt – an einem geheimen Ort in Berlin. Zu dieser Premiere werden sämtliche Musiker ihren Teil des Soundtracks gemeinsam mit Wiedemann live performen. Uns macht der Beitrag von Alex.Do besonders neugierig, denn die filmische Dimension schwingt oft mit in seinen Tracks. Wir wollten von dem Berliner wissen, wie sein erster Soundtrack entstanden ist und was er sich bei dieser Arbeit gedacht hat.

 


 

Was ist dir durch den Kopf gegangen, als Frank Wiedemann dich einlud, mit ihm einen Teil des Soundtracks zur Neuverfilmung von Berlin: Symphonie der Großstadt zu komponieren?
Alex Do: Ich fand das großartig. Ich habe in der Tat ein großes Interesse an Musik, die nicht auf den Dancefloor gerichtet ist. Ein Soundtrack oder etwas Ähnliches ist für mich immer ein Weg gewesen, den ich gerne mal einschlagen wollte. Frank ist auch ein Freund von mir, und es war schön, mal einen Anlass zu haben, sich gemeinsam hinzusetzen und forciert Musik zu machen.

Wie habt ihr mit den Bildern von Regisseur Johannes Schaff gearbeitet?
Alex Do: Wir hatten den fertigen Film noch gar nicht, wir haben den Soundtrack auf den alten Film (Berlin: Symphonie der Großstadt von 1927 von Walter Ruttmann, Anm. d. Autors) geschrieben. Das fand ich cool. Frank ist ja an allen Kapiteln beteiligt, ich habe mit ihm das letzte Kapitel gemacht. Wir haben uns erstmal angekuckt, was schon da ist, wie das alles so klingt. Dann haben wir gebrainstormt, wie man das Ende gestalten könnte: Wie können wir die Leute aus dem Film rausbegleiten in den Abspann? Dann haben wir einfach angefangen zu jammen. Wir haben uns mittags getroffen und saßen abends bis um 23 Uhr da. Dann war das eigentlich im Kasten. Frank hat dann bloß noch einige Dinge editiert, aber more or less war das an einem Tag durchgerockt.

Wie haben dich die Bilder des Stummfilms, der 91 Jahre alt ist, inspiriert?
Alex Do: Mir hat der Film gefallen, ich fand ihn beeindruckend. Am beeindruckendsten fand ich, dass es in dem alten Film so gut wie kein Acting gibt. Es gibt nur so ein paar Szenen, in denen ein Selbstmord dargestellt wird. Da bringt sich eine Frau um. Das ist die einzige Stelle im Film, wo es eine schauspielerische Leistung gibt. Die springt von der Brücke. Sonst sind es einfach nur Aufnahmen von Berlin. Das fand ich geil, dass die Stadt im Stande ist, für sich zu sprechen. Du hältst einfach drauf mit der Kamera und denkst schon: Boah, krass. Das fand ich beeindruckend. Ich bin gespannt, wie sie das bei dem neuen Film gemacht haben.


Video: Berlin – Symphonie einer Großstadt (1927) von Walther Ruttmann

Hast Du für die Session mit Frank Wiedemann Material vorbereitet?
Alex Do: Nein. Wir waren bei Frank im Studio. Er hat eine Armada von Geräten da. Ich habe mich da umgeguckt und gedacht, dass ich gerne etwas mit dem Korg Mono/Poly machen würde, weil ich den zu dem Zeitpunkt selber gerade bekommen hatte und von dem Gerät ziemlich angefixt war. Da haben wir dann eine Tonfolge über den Sequenzer eingespeist und eine Zeitlang aufgenommen. Dann hat Frank angefangen, mit anderen Geräten etwas dazu zu jammen. Später habe ich eine Melodie mit dem Prophet 5 eingespielt, die hat er dann noch fortgesetzt. Das war super free, alles. Das fand ich cool. Ganz krass aus dem Moment raus.

Wie hast du dich der Aufgabe emotional genähert?
Alex Do: Wenn ich Musik mache, steht für mich die Atmosphäre immer ganz stark im Vordergrund. Natürlich kannst du auch Atmosphäre durch reine Rhythmuselemente erzeugen. Das ist auch immer eine Frage der Perspektive. Wenn ich meinen Eltern einen reinen Rhythmustrack zeige, können die da keine Atmosphäre rausziehen, weil die einen ganz anderen oder vielleicht auch gar keinen Bezug zu dieser Musik haben. Ich versuche jedenfalls, mit dem Lied immer eine Atmosphäre zu transportieren – auch wenn es eine reduzierte, minimalistische oder schemenhafte Atmosphäre ist. Oder eben ganz große Emotionen. Letzens habe ich einen Remix für Mind Against gemacht, der ist schon sehr melodiös. Der transportiert sehr viele Emotionen. https://www.youtube.com/watch?v=jgNxKgEcF2w

Deine Tracks ohne Drumming und dein Mix für den Groove-Podcast lassen vermuten, dass du dich für Soundtracks interessierst. Stimmt das?
Alex Do: Ich würde mich durchaus als Cineast bezeichnen. Ich gucke viele Filme abseits von Hollywood – Indie, Arthouse, Animes. Diese Leidenschaft treibt mich schon lange an, so habe ich ein großes Interesse an Ambient und Filmscores entwickelt. Gerade in Filmen, in denen wenig gesprochen wird, ist der Soundtrack ein wichtiges Element. Wenn der sehr minimal ist und auch noch in den richtigen Momenten die richtigen Töne trifft, ist das große Kunst.