Gehen wir zurück in die Achtziger. 1984 erschien Night Full Of Tension, dein erstes Soloalbum. In einer Spex-Kritik hieß es, du seist zu einem Bowie-Imitator geworden, den man dringend aus dem Kitsch retten müsste. Wie ist die Platte damals angekommen?
Die war doch ein Hit! Okay, dass ich wie Bowie klinge, sagten viele, aber ich kann meine Stimmlage ja nicht ändern. Der Produzent damals fand das jedenfalls gut und meinte: „Hey, who can sing like Bowie?!“

Das Album muss relativ schnell nach dem DAF-Ende entstanden sein. Du hast in Paris gelebt zu der Zeit, richtig?
Gabi und ich haben uns darauf verständigt, dass jetzt jeder mal machen kann, was er will. Musik machen war ja easy für mich, das beherrsche ich blind. Aber singen und texten war neu, da musste ich mich erst mal zurückziehen, erst nach Paris, dann nach Montpellier. Dann bin ich zurück nach Düsseldorf und habe ein paar Demotracks eingespielt, und einer der Songs war so gut, dass ich ihn gleich umgesetzt habe. Das war „Mit Dir“. Den habe ich schon vor dem Album in einem Düsseldorfer Studio aufgenommen. Das Feedback der Studioleute war so gut, dass ich gleich Daniel Miller von Mute anrief. Habe ich ihm das vielleicht sogar übers Telefon vorgespielt? Oder habe ich ihm eine Kassette geschickt? Ist lange her. Daniel hat jedenfalls nur kurz „Mit Dir“ gehört und ist sofort nach Düsseldorf geflogen und wollte ein Album für Mute haben. Er hat dann alles organisiert, ein Studio in Südengland und Mike Hedges als Producer, der schon mit The Cure und Siouxsie And The Banshees gearbeitet hatte.

Annie Lennox von den Eurythmics begleitet dich auf ein paar Songs. „Mit Dir“ hast du angeblich für sie geschrieben. Seit wann wart ihr denn ein Paar?
Ach, das sind alles Parallelwelten! Annie habe ich schon vor dem Album getroffen und ich war oft bei ihr in London, nachdem ich wieder nach Düsseldorf gezogen war. Annie war da längst in den Startlöchern zu ihrer großen Karriere mit den Eurythmics. Ich habe ihr auch die Texte gezeigt, mir mit meinem Englisch helfen lassen und sie ins Studio nach Südengland eingeladen. Dorthin ließ sie sich natürlich in ihrer Limousine chauffieren.

Du hattest bereits auf dem ersten Eurythmics-Album aus dem Jahr 1981 Schlagzeug gespielt, ebenso wie auf einem anderen Mute-Klassiker, der „Double Heart“-Single von Robert Rental.
Wir kannten uns aus dem Mute-Office, Robert Rental war DAF-Fan und fragte, ob ich den Song spielen will. Eine wundervoll sensible, romantische Nummer. Das mit den Eurythmics lief über Conny Plank, das war noch bevor ich mit Annie zusammen war. Die Eurythmics hießen ja vorher The Tourists und waren auch schon kommerziell erfolgreich. Aber von dieser Radiomucke wollten sie weg und cooler werden. Also sind sie zum Plank und wollten ein neues Konzept. Conny holte sich dann von
Gabi und mir das Einverständnis, dass die Ex-Tourists, also Dave Stewart und Annie, uns zwei Tage im Studio zuschauen dürfen. Da fing es gleich an zu knistern zwischen uns.

Aber es hielt nicht lange?
Ich hab’s verbockt. Ich war noch sehr jung und mir sind viele andere Mädchen über den Weg gelaufen. Annie war auch sehr sensibel und hat mir das nicht verziehen, obwohl ich es ihr gestanden habe. Später habe ich das sehr bereut, bin ihr sogar zu ihren Konzerten hinterhergefahren und wollte noch mal mit ihr reden. Aber sie hat der Security irgendwann sogar die Ansage gegeben, mich gar nicht erst reinzulassen.

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