Was hast du direkt nach eurer Trennung gemacht?
Ich bin ans andere Ende der Welt geflogen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir mit DAF fünf Jahre lang durchgekämpft, ich hatte nie Urlaub. Ich ging also in London in ein Reisebüro und sagte, dass ich mal so eine richtige Auszeit brauche. Die junge Dame da sagte nur: Thailand! Also habe ich drei Wochen Pattaya gebucht. Das Wort möchte ich gar nicht mehr aussprechen, das ist heute die Touristenhölle. Damals war das ganz anders. Als ich 1983 dort ankam, gab es zwei Hotels, ein russisches Restaurant und der Dschungel grenzte noch ans Meer. Das war ein richtiger Kulturschock. Auf einem kleinen Berg lag eine buddhistische Tempelanlage, die ich mir angeschaut habe – frisch aus DAF raus, in meiner übertriebenen Montana-Lederjacke für 3000 Mark. Da musste ich mir zum ersten Mal eingestehen, dass ich irgendwie falsch angezogen bin. Neben den Bettelmönchen fühlte ich mich so richtig materialistisch und weltlich. Aber die meiste Zeit ging ich baden. Das war es erst mal mit Thailand, erst viel später bin ich wieder zurückgekehrt.

Du meinst die Zeit nach deinem schweren Autounfall im Jahr 1989. Du sprichst in dem Zusammenhang immer von einem Buddha-Erlebnis. Was bedeutet das?
Ich hatte Visionen. Nach dem Unfall bin ich aus dem Auto gerobbt und konnte mich nicht mehr bewegen, mein Arm und meine Beine waren kaputt. Als ich da auf dem Eis saß, tat sich über mir alles auf. Meine Schädeldecke ging hoch und ich sah plötzlich Planeten und das ganze Universum vor mir. Dann sah ich da einen Vogel und bildete mir ein, dass der auch aus meinem Kopf geflogen kam. Das fühlte sich sehr angenehm an, obwohl ich eigentlich schon völlig weg war. Im Krankenwagen hatten sie mich fast schon verloren, ich sah mich auch schon von oben da liegen, bis mich eine Spritze wieder runterholte.

Wie hast du das alles mit Buddha verknüpft?
Mein Arm war nur noch Matsch, doch der Chefarzt wollte ihn retten. Nach drei Tagen und einer 12-Stunden-OP erwachte ich aus der Narkose und schrie wie ein Wahnsinniger und ganz laut: „Buddha!“ Ich wusste überhaupt nicht, warum und was das soll, aber ab diesem Punkt hatte ich nur noch Buddha im Kopf. Ich war ja nur einmal in meinem Leben in Thailand und habe Mönche gesehen, aber das war mir in dem Moment nicht bewusst. Und dann sind noch viele andere obskure Sachen passiert. Im Aufwachraum lief im Fernseher tatsächlich eine Sendung über Buddhismus – nicht gerade üblich für die damalige Zeit. In der Reha habe ich an nichts anderes mehr gedacht, Musik hat mich nicht mehr interessiert. Ich wollte zurück nach Thailand. Das habe ich dann auch gemacht, für drei Jahre, und war auch in Nepal, Indien und Bangladesch. Nach Deutschland bin ich nur ab und zu zurückgekehrt, um Geld abzuholen. Die Leute hier dachten, ich bin komplett weg und in einer anderen Welt.

Du wolltest Mönch werden und im Kloster leben. Woran ist das gescheitert?
Ich war in mehreren Klöstern und stand einmal sogar kurz vor der Ordination. Aber ich habe nie ein Kloster gefunden, in dem ich bleiben wollte. Während der drei Jahre spürte ich immer mehr, dass es eigentlich gar nichts zu suchen gibt. Das Kloster, das ich suchte, hatte ich in mir. Da habe ich beschlossen, dass ich auch wieder zurück nach Deutschland gehen kann. Ich war auch nie jemand, der sich in eine Hierarchie einordnet. Dass es diese Strukturen auch in der spirituellen Welt gab, gefiel mir gar nicht. Ich will mich vor niemandem verbeugen.

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