Foto: Keffer (DJ Deep)
Zuerst erschienen in Groove 168 (September/Oktober 2017).

Jeder, der etwas von House und Techno versteht, ist wie ich ein großer Fan von Lil’ Louis. Als sein zweites Album Journey With The Lonely 1992 herauskam, hatten Laurent Garnier und ich die Chance, ihn nach Paris in den Rex Club einzuladen. Das war das erste Mal, dass ich ihn getroffen habe. Er kam mit fünf dieser Oldschool-Metall-Plattenkisten an, in denen um die 200 Platten Platz fanden. Als er diese in der Booth abgestellt hatte, war alles komplett zugestellt. Er fragte mich dann, ob er sein Album von mir ausleihen könnte, da er selbst keines dabei hatte.

Er hat es wohl immer noch, denn ich habe mich nie getraut, ihn zu fragen, ob er es mir wieder zurückgibt. Sein Set startete er mit “Love Is The Message” von MFSB. Das Publikum, das extra wegen ihm gekommen war, brauchte erst einen Moment, bis es wusste, was hier abgeht. Über sechs Stunden spielte er House, Techno und alles dazwischen – von James Brown bis Robert Hood. Diese Erfahrung, ihm zum ersten Mal beim Auflegen zuzuhören, war einfach magisch.


Stream: Lil’ Louis @ Haçienda, Manchester (1992)

Ein anderes Lil’-Louis-Erlebnis hatte ich in Portugal. Es muss 1994 gewesen sein, da veröffentlichte The Bucketheads gerade diese eine EP auf Henry Street Music. Er legte im Keller eines kleinen Clubs auf. Als ich nach meinem Gig dort ankam, spielte er gerade “Whew” von dieser Bucketheads-Platte. Er ließ nur den Beat laufen und spielte auf einem dritten Plattenspieler Tiergeräusche ab. Es war wie im Dschungel. Ungefähr 25 Minuten lief die Platte, der ganze Club war wie hypnotisiert. Dann drehten alle komplett durch.

In diesem Jahr habe ich ihn wieder nach Paris eingeladen. Da spielte er alle Stücke von einem seiner neuen Alben. Lil’ Louis zeigte, dass Techno und House nicht zwei separate Genres sind, sondern zusammengehören. Wenn ich meinem siebenjährigen Sohn eines Tages erklären muss, was es mit House und Techno auf sich hat, bringe ich ihn zu einem Set von Lil’ Louis. Weil es genau das ist und ich es ihm nicht besser als mit Lil’ Louis erklären könnte.

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