Die Rainworks (Music From Memory) des Madriders Suso Saiz führen ihre meteorologische Metapher schon im Titel. Als Chronik einer Stadt, in der länger anhaltender Regen eher selten ist, bis auf eben die zwei Monate im vergangenen Winter, in denen das Album entstanden ist, zeigt Saiz ein feines Sensorium für die nahe Umgebungen und den Stimmungen vom anfänglichen Aufatmen und zur Ruhe kommen bis zum milde melancholischem Überdruß, der einer solchen außergewöhnlichen Regenphase folgt.


Video: Suso Saiz – From Memory And The Sky (Part I And II)

Sound Years (Tapu), die Klang-Collagen des holländischen Soundtrack-Spezialisten Michel Banabila sind deutlich optimistischer, aber noch kleinteiliger, innenräumlicher und spezifischer. Sein Haushalt ist der eines Hoarders: Found Footage, Flohmarktplatten, Field Recordings, Gesprächsfetzen und Instrumente wie Banabilas eigenwillig gespielte gestopfte Trompete definieren Ambient als Musique Concrète aus Big Data.


Stream: Michel Banabila – Sound Years Side A

Die Klänge die Norman Westberg seiner elektrischen Gitarre entlockt definieren Ambient hydrologisch, als Wissenschaft der Ströme nach dem Wirkprinzip von Shoegaze. Was nah an der Klangquelle noch harscher körniger Noise ist, wird im Wirbel der Waschmaschine analoger Delay- und Verzerrungseffekte zu einem ruhig fließenden Klangstrom von überraschender Schönheit. Das erweiterte Reissue seines ersten Soloalbums Jasper Sits Out (Room40) markiert keine emotionale Abkehr vom je-lauter-je-lieber Prinzip seiner Stammband Swans, mit der er in den achtziger Jahren Industrial im Rahmen einer klassischen Rockband neu definiert hat, ist aber von weitaus feinerem Gemüt.


Stream: Norman Westberg – Jasper Sits Out

Die eine Generation jüngere Sarah Lipstate alias Noveller hat eine ähnliche Entwicklung von sägendem E-Gitarren Überwältigungs-Noise zu feinst verwaschenem Postrock-als-Ambient gemacht. Auf ihrem jüngsten Album A Pink Sunset For No One (Fire) präsentiert sie sich als souveräne Herrscherin über eine Armada von Pedaleffektgeräten, die ihre überragende handwerkliche Präzision am Instrument soweit einhegen, dass sie nicht zum Selbstzweck wird. Affekt und Flow statt technischer Protzerei.


Stream: Noveller – Trails and Trials

Der Iraner Shahin Entazami alias Tegh macht üppigen Gebrauch von analogen und digitalen Zerfallsmechanismen die seine feedbacksatten Orgel und Gitarren-Drones zu feinstem Korn zermahlen aber ihren ursprünglichen Druck, ihre inhärente Lautstärke bewahren. So ist Downfall (Midira) hydrodynamischer Lawinen-Ambient. Der Invisible Summer (Midira) des Italieners Paolo Monti alias The Star Pillow ist ein zoologischer der Erholung dienender warmer Drone Ambient. Ein verdöster Frühlingssonntagnachmittag im Tierpark. Hin und wieder ziehen ein paar harmlose Feedback-Wolken durch, die den zurückgelehnten Flow des Tages aber nicht weiter stören.


Stream: The Star Pillow – While You’re Sleeping In July

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