Wie kam es dazu, dass ihr diesen Sound Ghetto oder Booty House genannt habt?
Ich bin derjenige gewesen, der die Begriffe Ghetto Tracks, Ghetto House, Booty Tracks oder Ghetto Tech geprägt hat. Das waren nämlich alles Song-Titel von mir. Der bislang letzte Genre-Name ist Juke. Den kann ich nicht für mich beanspruchen, aber als Musikstil lässt sich Juke auf den Sound zurückführen, für den ich stand – die 808-Basslines, die Kickdrums, das gab es alles schon auf den Dance Mania-Platten der neunziger Jahre. Also kann man sagen, dass wir damals bereits Juke gemacht haben, bevor irgendjemand auf die Idee kam, diese Musik so zu nennen. Wir haben den Jack-Sound der achtziger Jahre aufgegriffen und darauf basierend unseren Stil erschaffen. Ganz ähnlich ist es nun mit Juke und Footwork gelaufen.

Für meine Ohren unterscheidet sich Juke durchaus von den Ghetto House-Produktionen der neunziger Jahre. Dennoch ist ganz klar, woher diese Musik kommt.
Der Hauptunterschied ist die Geschwindigkeit. Der Ghetto-Sound bewegt sich zwischen 135 und 145 Beats pro Minute, während der Juke-Kram bei 160 Beats pro Minute liegt. Die Tracks sind also ungefähr doppelt so schnell wie Hip-Hop. Das ergibt ganz andere Tanzstile. Ursprünglich lag House-Musik zwischen 120 und 130 Beats pro Minute. Dann kamen wir mit dem Ghetto-Sound und gingen mit dem Tempo nach oben. Doch als die Juke-Jungs noch mal weiter gingen, kam ein ganz anderer Musikstil dabei raus. Die verwenden ja auch nicht die 4/4-Kickdrum, die wir meistens benutzt haben.

Die Ghetto House-Platten wechselten ja auch gerne mal zwischen geraden House-Beats und synkopierten Rhythmus-Patterns.
Ja, das ist richtig. Aber insgesamt ging das bei uns doch eher in die House-Richtung.


Stream: DJ Deeon – 2 B Free

Auch wenn Dance Mania bereits in den achtziger Jahren wichtige Platten veröffentlicht hat, war es doch die Ghetto House-Zeit, in der das Label am prägendsten war. Wie siehst du diese Jahre heute?
Wir haben eine Art von House-Musik produziert, mit denen sich die Teenager damals identifizieren konnten. So wie das heute bei Juke der Fall ist. Mit jeder Generation kommen andere Genres. Doch der Ghetto-Sound von damals funktioniert auch jetzt noch. Er ist simpel, funky, es geht darum, Spaß zu haben. Die Musik funktioniert auch in nicht-englischsprachigen Ländern. Die versauten Texte spielen also gar nicht die Hauptrolle. Hier in den Staaten rümpfen wegen der Texte ja viele die Nase. Aber das ist doch alles nicht ernst gemeint, es geht um Spaß und sonst nichts. Paul Johnson und Robert Armani fingen mit diesen Lyrics an, DJ Deeon und ich griffen es auf, Slugo zunächst gar nicht so. Von der Westside kam Jammin’ Gerald, der war auch richtig groß.

Als vor einigen Jahren über Juke berichtet wurde, sprach man auch immer von den Tanzstilen, speziell von Footwork. Wie war das mit den Tanzstilen in den neunziger Jahren?
Was den meisten Leuten gar nicht klar ist: Die heutigen Tanzstile unterscheiden sich kaum von dem, was jacking in den achtziger Jahren war. Als ich ein Teenager war, hatten wir ganz ähnliche Tanz-Moves. In den Clubs ging es ums Tanzen und um Mädchen. Wer hatte die besten Moves? Wer hatte neue Moves am Start? Das war immer auch ein Wettbewerb, weshalb sich der Tanzstil natürlich weiterentwickelte. Aber die Basis blieb gleich. Und so ist Juke beziehungsweise Footwork lediglich ein Update dessen, was wir damals hatten. Außerdem, was Footwork angeht: Wax Master Maurice hat 1996 einen Track veröffentlicht, der hieß „Footwork“. Also kann doch kein Mensch ernsthaft behaupten, dass Footwork ein neues Ding sei. Die haben unser Ding aufgegriffen.

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