Anfang der 2000er Jahre veröffentlichte das kalifornische Label Fearless unter dem Serientitel „Punk Goes Pop“ eine Reihe von Compilations. Das simple Prinzip – totgenudelter Mega-Mall-Po(m)p wird auf Tony-Hawk-Pro-Skater-Background-Gedudel-Verhältnisse zurechtgezimmert – lebte höchstens vom Witz an sich. Und der war nach spätestens einem Song aufgebraucht. Piano verfolgt ein ähnliches Konzept, welches von Stil vor Talent vorsichtig als „Schnapsidee“ deklariert wird: Hinter dem von Shakespeares oft zitiertem und selten gelesenem Drama geliehenen Projektnamen Hamlet verbergen sich Fran alias Franziska Shohina und der ausgebildete Konzertpianist Oded Kaydar, die auf – auch das darf ja nicht unerwähnt bleiben – einem Steinway-Flügel 14 elektronische Gassenhauer neu interpretieren. Die Tortur erstreckt sich von Kraftwerks „Das Modell“ (Mega-Autsch) über „Sky And Sand“ (Überraschung!), Wankelmut (gruselig) und Ace Of Bases „The Sign“ (hä?) bis hin zu James Blakes „Limit To Your Love“. Der Unique Selling Point dieser Coverstücke ist nicht wie bei „Punk Goes Pop“ post-pubertärer Meta-Humor, sondern ein schwammiges Hyperpathos, das nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass viele dieser Stücke mit einem solch minimalistischen Setup unvergleichlich leer und generisch klingen. Wenn alle Schnapsideen so endeten, dürften bald die ersten Online-Petitionen für die Einführung der Prohibition in Deutschland plädieren.

 


Stream: HamletSaturday Night