In diesem Sommer geht Wolfgang Voigts lang aufs Eis gelegte Stoikerprojekt Freiland für alle überraschend in die nächste Runde. Man erinnere sich: Die farbbasierte Freiland-Serie war zum Ende der neunziger Jahre Voigts logische Konsequenz aus der Studio-1-Reihe. Den Veröffentlichungen des Kompakt-Chefs lag der für damalige Zeiten revolutionäre Ansatz zugrunde, durch die Variation eines einzigen Tons ein zugleich minimales und dennoch spannendes Klangerlebnis zu erzeugen, das dennoch den Konventionen einer offenen Tanzfläche gehorchte. Dieses System wird nun mit Freiland Klaviermusik zu seinem kreativ unbestrittenen Höhepunkt geführt. Voigts Klavierspiel befreit das Piano von allen romantisierenden Elementen und nutzt vor allem die mechanische Wiederholung als übergreifendes Stilelement. Neben freien Klaviertonfolgen wie „Mondlicht“ oder „Mecha“ zaubert Voigt gerade aus den beatbasierten Stücken wie „Alleingang“, „Geduld“ oder „Kammer“ eine so nicht für möglich gehaltene Synthese der atonalen Werke von Arnold Schönberg oder Alban Berg mit der Dramaturgie von John Williams’ Jaws-Soundtrack. Ein in seiner Radikalität sprachlos machendes Album, dessen Nachbeben für die Minimaltechno-Szene noch auf Jahre hinaus künstlerische Impulse setzen sollte.