Foto: Presse (Jules)

„Auf die Residents kann man sich verlassen, persönlich und inhaltlich. Sie kennen den Club, die Gäste, die Anlage, und sie sind ein Grundpfeiler der musikalischen Identität eines Clubs, also ebenso wichtig wie die Architektur, der Raumklang oder die Gestaltung“, sagte einst Nick Höppner in der Groove. Mit unserem zweimonatlichen Resident Podcast wollen wir ihnen den gebührenden Respekt zukommen lassen.

Jules’ Anwesenheit im Groove Resident Podcast ist gleich doppelt gerechtfertigt: Der DJ sollte nicht nur dem Kölner Acephale bekannt sein, welches er hier vertritt, sondern hat auch schon im Düsseldorfer Salon des Amateurs Platten ge- und damit Köpfe verdreht. Und wer Julian Bethmann nicht von dort kennt, wird vielleicht mal auf seine NTS-Show mit dem Namen “Neue Tanz” gestoßen sein.

Und wenn auch die Dancefloors seiner beiden Club-Heimaten genauso wie das Online-Radio-Outlet gar nicht oder zumindest nur im kleinen Rahmen zur Verfügung stehen: Der Beat läuft weiter, kreuz und quer und gegen den Strich, von hier nach da treibend und manchmal wunderbar wohlig introvertiert die Nischen auserkundend. Jules’ Beitrag zum Groove Resident Podcast versammelt überwiegend neue Musik aus dem näheren Umfeld, womit bei einem so einem CV allerdings schon einiges abgesteckt wäre.


Kannst du dich noch an deinen ersten Besuch im Acephale erinnern?

Das muss wohl irgendwann Ende 2015, kurz nach der Eröffnung, gewesen sein. Ich mochte von Anfang an dieses sehr ehrliche, rustikale, nicht aufgesetzte Ambiente im Acephale und den Besitzer Dima Obukhov. (lacht)

Wann hast du bei Acephale als Resident angeheuert und wie kam es dazu?

Ich glaube, das war eher ein schleichender, natürlicher Prozess, deshalb kann ich das nicht wirklich auf ein genaues Datum festmachen. Dima hat mir von Anfang vertraut und mir freie Hand beim Booking gelassen. Das war natürlich enorm befreiend und fühlte sich so unprätentiös losgelöst an. Da habe ich mich sofort wohlgefühlt. Meine erste kuratierte Nacht war 2016 mit Toulouse Low Trax aus dem Salon des Amateurs in Düsseldorf. Das Acephale hat meiner Meinung nach eine Lücke zwischen beiden Städten schließen können, über die ich mich immer gewundert habe. Seit Jahren nun gibt es zwischen dem Salon und dem Acephale einen regen Austausch. Obwohl beide Läden schon sehr unterschiedlich sind, gib’s einfach musikalisch so krasse Überschneidungen. Menschlich sowieso! 

Genau, denn du bist ebenfalls Resident im Salon des Amateurs. Verfolgst du als DJ in den beiden Clubs jeweils verschiedene Ansätze?

Beide Locations sind für mich nicht klassische Clubs im engeren Sinne, sondern zeichnen sich meiner Meinung nach durch viel mehr aus. Das fängt beim Barpersonal an und steht und fällt natürlich mit einem im besten Fall interessierten Publikum, das eben nicht nur die gerade Kick-Drum hören will. Ich sehe das in Köln und Düsseldorf, diese Offenheit für neue Sounds. Musikalisch bin ich in beiden Läden sehr frei. Dieses Nicht-immer-abliefern-Müssen, das mag ich. Beide Orte verbindet das irgendwie.

Gibt es eine besonders denkwürdige Nacht aus deiner Geschichte im Acephale?

Da gibt`s auf jeden Fall eine ganze Menge ganz toller Abende. Hervorzuheben ist beispielsweise der erste Abend mit Detlef Weinrich. Toulouse Low Trax ist für mich einer der visionärsten Produzent*innen des letzten Jahrzehnts. Alle wollen so klingen wie er, niemand kommt aber an seine Qualität heran. Beim Auflegen ist das ähnlich – Detlef spielt kompromisslos – und fordert dich. Die Abende mit Jon K und Ellie aus Manchester habe ich auch sehr schön in Erinnerung. Oder mit Philip Berg. Oder mit OKO DJ, Low Bat und Alex Tackenberg. Das Acephale hat sich in den letzten Jahren zu so einem wichtigen Ort für so viele Menschen entwickelt. Sowas fasziniert und motiviert.

Kleine Clubs wie das Acephale sind von der aktuellen Krise besonders betroffen. Wie viele andere probiert der Club aber anscheinend neue Konzepte aus. Was kannst du uns zur aktuellen Situation erzählen?

Ja, das Acephale bleibt auf jeden Fall kreativ und es werden neue Formate ausprobiert, wie der Laden als Bar und Raum für Musik innerhalb der Zwänge und Maßnahmen funktionieren kann, die erforderlich sind, um das Wohlbefinden und die Gesundheit aller zu gewährleisten. Neu ist beispielsweise die jeden Sonntag stattfindende bestuhlte Konzertreihe, die auf der „Terrasse“ stattfindet. Bis jetzt werden die Konzerte richtig gut angenommen. Außerdem kommt bald die erste 12“-In-House-Compilation heraus und ein kleines Sommerfest mit einer begrenzten Anzahl an Besucher*innen unter den aktuellen Auflagen ist in Planung, falls die Situation es zulässt.

Du hattest eine eigene Show auf NTS, die nach einem Yellow-Magic-Orchestra-Stück benannt ist: “Neue Tanz”. Warum dieser Name und worauf hast du bei der Programmierung der Reihe wert gelegt?

Nachdem ich die monatliche Show auf NTS fünf Jahre gehostet habe, war dann Ende letzten Jahres der Zeitpunkt für mich gekommen, das Ganze mit einem guten Gefühl abzuschließen. Deshalb habe ich meine Show Anfang diesen Jahres beendet, um mich auf neue Projekte zu konzentrieren. Der Name kam zustande, weil Ich großer YMO-Fan bin und Technodelic eines meiner Lieblingsalben aller Zeiten ist. Ich mag das Naive, offensichtlich nicht korrekt Geschriebene daran – sozusagen eine Hommage an YMO. “Neue Tanz” lässt viel Interpretationsspielraum, das hat mich immer fasziniert. Programmatisch habe ich meist und viel mit Freund*innen und Bekannten zusammengearbeitet, aber auch Leute eingeladen, die „Neue Tanz“ spannend ausgelegt haben.

Eine Ausgabe hast du einem Lokalhelden gewidmet: Wolfgang Voigt. Wie würdest du deine Beziehung zu seiner Musik charakterisieren?

Ich habe viele Jahre bei Kompakt im Bereich Mailorder und Versand gearbeitet, bin in der Booking-Agentur vertreten und dementsprechend noch sehr mit den Leuten von Kompakt verbunden. Wolfgang Voigt war für mich immer eine faszinierende Person, so unnahbar und gleichzeitig macht er die gefühlvollste Musik, z.B. mit seinem GAS-Projekt. In den Neunzigern hat er einfach unglaublich viel Acid, Electro und verschrobenen Techno produziert, dass mich die Idee fasziniert hat, aus den Unmengen an Material ein Special zu machen. Er hat mir dann einen USB-Stick mit 500 Stücken in die Hand gedrückt. Dementsprechend lang war der Prozess für den Mix. (lacht)

Was war die Idee hinter deinem Beitrag für unseren Resident-Podcast?
Ich wollte fast ausschließlich neue, aktuelle Musik für den Mix aufnehmen und jeden Fall ein paar Stücke spielen, die coronabedingt auf meinem Stick verstauben. (lacht) Viele Stücke sind von Freund*innen und Bekannten, und der Mix gibt glaube ich ganz gut wieder, wo ich musikalisch gerade so stehe.

Stream: Jules – Groove Resident Podcast 10

01. The First Minute of a New Day – June 23rd
02. Ben Bondy – Proraso
03. Lurka – Rhythm Hi-Tek
04. EMMA DJ – FILLES DE JACOB
05. Inkasso – Angewandte Dosen
06. PRINS EMANUEL – Gli Ornamenti…
07. Stephen Huss – Intensity
08. Tolouse Low Trax – Jumping Dead Leaves
09. Haruka – 106 (Zadig Remix)
10. O-Wells – Culling Virus
11. Otik – NDE
12. Azu Tiwaline – Tessiture
13. DJ Normal 4 – Pillowed Zamomine
14. Rhythm Invention – Chronoclasm
15. D. Tiffany – Low 
16. SW. – Untitled D3
17. R.Kitt – This Won’t Last