Kele Okereke, im Hauptberuf Sänger bei Bloc Party, hatte es angekündigt: Sein erstes Soloalbum würde ganz im Zeichen von elektronischer Musik und Clubsounds stehen. Und tatsächlich, erst der siebente Song, „Unholy Thoughts“, kommt mit jener Bloc-Party-artigen Postpunk-Zackigkeit daher. The Boxer ist also harte Kost für Indie-kids. Aufgenommen hat der Engländer die zehn Stücke des Albums in Brooklyn, im Studio stand ihm dabei der Produzent XXXChange alias Alex Epton (Spank Rock) zur Seite. Schon mit dem Eröffnungsstück „Walk Tall“ schlägt The Boxer Alarm. Alle Regler sind bis zum Anschlag aufgedreht, es geht um maximale Lautheit. Auf der Produktionsseite sind die Songs einzuordnen zwischen Underworlds „Born Slippy“, Daft Punk, Chemical Brothers, Newschool-Electro im Sinne von Spank Rock, Diplo oder Hollertronix und dem Hochenergie-Mainstream-Dancesound der nuller Jahre. Stellenweise schimmern ein bisschen 2Step-Garage, Hot Chip oder Simian Mobile Disco durch. Dieser Alleingang des Bloc-Party-Frontmanns steht für einen Popentwurf, der auf Zwischentöne pfeift und stattdessen auf übergroße Plakativität setzt. Die tragende Säule ist darin Okerekes bekannt prägnante Stimme. Das knallige Sounddesign mag hier und da seinen Charme haben, doch ein Manko macht es über die Distanz von 41 Minuten nicht wett: Okereke ist kaum ein brauchbarer Song eingefallen. Das im Gesamtkontext verstörend stille „New Rules“ ragt dabei heraus. „Please hang up and try again“, sagt eine gesamplete Ansagestimme in Endlosschleife. Irgendwie mag man genau dies auch dem Protagonisten von The Boxer zurufen.