Das dritte Phantom/Ghost-Album Three öffnet sich wie ein geheimnisvolles Buch. Und wer darin eintaucht, hat das Gefühl einen verwunschenen Schlossgarten zu betreten, so übervoll ist dieses Wunderwerk mit mystischen Bildern und dunkler Noblesse. Mit derart gespenstischen Songs wie „Relax It’s Only A Ghost“ oder „Tannis Roots“ hat das Duo Phantom/Ghost, bestehend aus Dirk von Lowtzow (Tocotronic) und Thies Mynther (Stella, Superpunk), jedenfalls ein neues Sub-Genre erfunden: den Spooky-Pop. Wie ein sanfter Hauch schweben die neun Tracks vorüber und entfalten eine unheimliche Spannung, die sich im Laufe des Albums immer mehr verdichtet und wie ein guter Gothic-Roman immer neue Ebenen offenlegt. Dank eines ungeheuer dichten Soundgewands und den stimmungsvollen Klangcollagen ist Three vor allem ein großes Hörerlebnis geworden: irgendwo knackt ein Feuer, ein Rabe kräht, eine Frauenstimme ruft aus der Ferne. Bei aller motivischen Geschlossenheit ist Phantom/Ghost mit Three ganz nebenbei auch ein nahezu lupenreines Folk-Elektronik-Album gelungen, in dem immer wieder traurig-schöne Akzente zwischen düsterem Ambient und sanfter Kunstliedhaftigkeit gesetzt werden. Mit „All Is Hell“ gelingt Phantom/Ghost sogar eine neo-klassizistische Piano-Ballade, die von Lowtzow mit großartiger Verve und gespielter Verzweiflung vorträgt. In seiner romantischen Zeichenhaftigkeit mag das Album dem ein oder anderen als allzu große Geste erscheinen. Jeden Dario-Argento-Liebhaber dürfte eine Wandlung durch dieses schaurige Labyrinth wohl kaum unbewegt zurücklassen. Phantastische Musik im wörtlichen Sinne.

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