Zuerst erschienen in Groove 168 (September/Oktober 2017).

Vor Kurzem feierte die geschichtsträchtige Reihe Artifcial Intelligence von Warp Records 25-jähriges Jubiläum. Im Pressetext hieß es damals frei übersetzt: „Artifcial Intelligence richtet sich an aufgeschlossene Hörer und liefert den Soundtrack zu ausgedehnten Streifzügen für lauschige Nächte sowie schlaftrunkene Morgenstunden nach dem Clubbesuch.“ Die Tracks von Richie Hawtin, Aphex Twin, Autechre und anderen waren mehr für den Geist als für schlackernde Gliedmaße gedacht und prägten Oliver Hafenbauers Umgang mit Musik nach- haltig. Etwa 20 Jahre später bewog sie den Booker des Robert Johnson und Chef hinter dem Label Live At Robert Johnson dazu, mit Die Orakel noch mal etwas gänzlich Eigenes zu starten. Stilistische Überschneidungen sind augenscheinlich und äußern sich in kopflastigen Stücken, die laut Hafenbauer oftmals „irgendwo zwischen tanzbar und nicht tanzbar verortet sind.“

Subtil zündelnde Ekstase hängt über Roman Flügels „Verschiebungen“. Abstrakte Housetracks unterschiedlichster Tempi vereint Pablo Mateos „Dekalog“. Eine sich zunehmend verdichtende Atmosphäre umgibt die Arbeiten der Orakel-Nesthäkchen Jahres, denen Hafenbauer als Erster eine Bühne bot. Auch nach bald vier Jahren und 13 Katalognummern will der Orakel-Labelchef keineswegs in Dogmen verfallen: „Ich möchte mir immer die Freiheit vorbehalten, gänzlich vom Weg abweichen zu können. Edwards Interpretationen von Harmonia und Brian Eno zum Beispiel sind lang und hypnotisch gehalten. ‚Oblivious Pool‘ von Koehler dagegen ist in seiner Direktheit und Brutalität fast schon wieder liebevoll.“

Die mit der dritten Jaures-EP vor einem Jahr eingeführten Musikvideos oder der Orakelcast als zusätzliche visuelle Komponenten zeigen ferner, dass immer wieder neu hinzukommende Details ein nicht enden wollendes größeres Gesamtbild ergeben. Damit verhält es sich ein Stück weit wie mit den durch Michael Satter gestalteten Plattencovern: Zuerst war das Buch als Ganzes da. Dann klappte es auf. Schließlich gab es nur noch die Seiten, jedes Mal wie ein auch musikalisch neu aufgeschlagenes Kapitel.

Wir präsentieren den Track „Oblivious Pool (Invisible Dub)“ der neuen Die-Orakel-EP von Koehler als exklusive Videopremiere!

Koehler – Oblivious Pool EP

A Isle Of The Dead (Mystical Psychosis Version)
B1 Azuma Glide (Commercial Zone Mix)
B2 Oblivious Pool (Invisible Dub)

Format: 12″
VÖ: 01. September 2017