Zuerst erschienen in Groove 159 (März/April 2016).

Mr. Ties hörte ich das erste Mal vor einigen Jahren bei einer der ganz
frühen Homopatiks. Ich hatte an dem Abend in der Panorama Bar
 gespielt und wollte mit ein paar Freunden noch auf einen Drink woanders hin. Es war meine Freundin, die mich auf die Party im ://about blank aufmerksam machte und mir von Francesco erzählte und was für
 ein toller DJ er doch sei. Ich wurde nicht enttäuscht und liebte es. Auf
 der nächsten Homopatik gab ich ihm dann ein paar Platten von mir. Über die Zeit sind wir Freunde geworden und haben inzwischen auch schon etliche Male zusammen aufgelegt. Da waren einige tolle Momente dabei, wie zum Beispiel die Party im Concrete, wo wir uns bestimmt 14 Stunden austobten. Er spielte diese Nummer von DJ Amok, „Descent With Modification“, auf -8 heruntergepitcht, die mich wirklich umgehauen hat. An dem Abend lief einfach alles und das ist es auch, was mir bei einem DJ so wichtig ist.

Es geht nicht die ganze Nacht nur um Techno oder House aus den Neunzigern, sondern um ein bisschen was von allem, in einem Kontext, der auch noch Sinn ergibt. Wenn ich mir klarmache, dass ich vor vier Platten noch zu Debbie Jacobs getanzt habe und plötzlich sind wir bei Surgeon angelangt, dann ist es genau das, was mir Spaß macht. Es gibt DJs wie Danny Krivit, Joe Claussell oder DJ Harvey, von denen du Ähnliches erwarten kannst und das sind auch die Leute, die wirklich noch Risiken eingehen und nicht einfach nur eine Schiene fahren. Francesco ist einer derjenigen, die nun zu dieser Riege hinzustoßen. Heutzutage werden die Leute viel zu selten wirklich an ihren DJ-Skills gemessen. Manche schaffen es sogar, rund um eine einzige viral gegangene Platte eine ganze Karriere aufzubauen. Wenn dir im Gegenzug jemand wirklich noch einen DJ vorschlägt, den du dir unbedingt anhören sollst, unabhängig davon, was er wo und wie veröffentlicht hat, einfach nur weil er ein verdammt guter DJ ist, dann ist das das größte Kompliment, das er diesem DJ geben kann.