Fotos: Kerstin Meissner (Sarah Farina), Marta Pina (DJ Firmeza)

Zuerst erschienen in Groove 167 (Juli/August 2017).

Im Mai war ich auf einem Label-Showcase von Príncipe im Londoner Club Camden Assembly. Als ich dort ankam, war die Energie schon richtig krass. Der Vibe war total warm, gefühlt war kein einziger Vollidiot da und alle haben wild getanzt. Diese Musik bewegt sich zwischen 120 und 150 BPM und gibt einem selten eine Pause, sie ist auch so dominant, dass man an nichts anderes mehr denken kann. Das war wie ein Workout, super schnell ohne große Breaks. Ich konnte da richtig loslassen. Weil ich nicht trinke, ist es für mich manchmal schwieriger, auf Musik high zu werden, aber in dieser Nacht hat das total funktioniert. DJ Firmeza war auf jeden Fall mein Favorit, seinen Sound habe ich am meisten gefühlt. Wie er seine Basslines um den Beat herumbaut, ist mega smooth. Die Jungs haben wirklich nur ihren Sound gespielt und ich kannte außer den veröffentlichten Tracks keinen einzigen Song. Das fand ich sehr beeindruckend – sechs Stunden lang nur die eigene Musik spielen? Mir fällt da kaum jemand ein, der das auch könnte.

Man hatte dennoch das Gefühl, dass jeder zweiter Track ein Hit ist, so wie die Leute darauf reagierten. Das muss sich als DJ oder Produzent extrem gut anfühlen. Ich fand das auch sehr authentisch, es scheint alles von einem ehrlichen Ort zu kommen. Auf einer Labelparty in Lissabon kam einer aus der Crew sogar mit seinem PC-Tower zum Auflegen. Nicht jeder hat eben die Möglichkeit, sich ein MacBook oder Turntables zu kaufen. Ich lege solche Sachen selber nur ganz selten auf, weil ich mich noch nicht so wirklich rantraue. Erst mal muss ich das genau studieren und verstehen, um es besser au egen zu können. Das ist für mich eine Sache des Respekts. Diese Nacht war jedenfalls ein wahnsinnig inspirierendes Erlebnis. Im Kern fand ich es auch sehr technoid – in dem Sinne, dass in der Clubmusik ja immer alles miteinander verknüpft ist. Die kommen mit ihrem eigenen Sound, ihrer eigenen Kultur und ihren eigenen Dance-Moves, und das finde ich sehr cool.