Fotos: Henry M. Laurisch

Die Nachricht kam überraschend und ist noch immer irgendwie zwielichtig: Das Institut für Zukunft (IfZ) in Leipzig muss sich seit Mitte Juni an eine Sperrstunde halten. Aufgefordert durch das Sicherheits- und Gewerbeamt, das sich bei seiner Entscheidung auf das Sächsische Gaststättengesetz beruft, dürfte das IfZ bis dato der einzige Kulturbetrieb sein, der sich an diese Reglung halten muss.

Was heißt das konkret? Nun, stell dir vor, du bist im Club, es ist fünf Uhr morgens und der DJ spielt gerade deine Lieblingsplatte und plötzlich geht die Musik aus! Und nicht nur, dass alle Anwesenden aus ihrer Party gerissen werden, der Club ist auch noch dazu verpflichtet, alle für eine Stunde vor die Tür zu setzen, bevor die Party fortgesetzt werden darf.

Das IfZ im Keller des Kohlrabizirkus feierte im Mai 2014 sein Opening nach einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne. Seither hat sich der Kulturbetrieb mit seinen zehn Festangestellten und fast 150 freien sowie ehrenamtlichen MitarbeiterInnen nicht nur zu einer festen Institution in Leipzig gemausert, auch international wird das IfZ für sein crediblen Booking oder der strikten No-Photo-Policy geschätzt. Wir haben mit Franz Thiem, einer der Mitbegründer vom IfZ, darüber gesprochen, inwiefern die Sperrstunde den aktuellen Kulturbetrieb gefährdet und welche Auswirkungen für das kulturstarke Image Leipzigs bei dauerhafter Umsetzung entstehen könnte.

 


 

Hallo Franz, seit Anfang Juni müsst ihr der Aufforderung des Ordnungsamt nachkommen und eine Sperrstunde zwischen fünf und sechs Uhr morgens einhalten. Was bedeutet diese Sperrstunde eigentlich im Allgemeinen?
Die sogenannte Sperr- und Putzstunde ist eigentlich dafür da, dass Betriebe wie Gaststätten oder Spielotheken, die durchgehend geöffnet haben, gezwungen sind, zumindest einmal am Tag zu schließen und sauber zu machen.

Konkret müsst ihr also um fünf Uhr die Musik ausmachen. Das stelle ich mir total weird vor, das kann natürlich auch etwas Verbindendes haben, aber eigentlich muss das doch voll der Vibe-Killer sein.
Es gibt tatsächlich Momente, wie du es beschrieben hast, wo es für Stimmung auch zuträglich sein kann. Man hat in der Stunde mal Zeit durchzuatmen, sich mit den Leuten zu unterhalten. Und wenn die Musik um 6 Uhr wieder losgeht, dann ist der Floor in einer Minute voll, das beflügelt dann alle. Das ist aber der beste Fall. Es aber auch Nächte, wo vielleicht schon etwas die Luft raus ist und dann entscheiden sich die meisten Leuten eher zu gehen.

Was macht ihr als Club konkret in der dieser Stunde, wie überbrückt ihr diese Zeit?
Wir haben bisher unserer Kreativität freien Lauf gelassen – von Tombola bis Ambient-Hour war alles dabei. In den meisten Fällen sind die Gäste auch geblieben und haben gewartet, bis es weitergeht. Mit so kleinen Quatsch-Aktionen und Bespaßungen geht die Zeit auch ziemlich schnell vorbei. Aber eine dauerhafte Lösung ist das nicht.