5. Jon Hester – Galvanize (Rekids Special Projects)

Jon Hester hat mit seinen Tracks für Dystopian Aufsehen erregt, bei denen er orchestrale Klänge, Noise und Hall ganz und gar ineinander verschmilzt. Diese Stücke von ihm für Rekids sind ebenso gelungen, sie zeichnen sich durch ziemlich ungewöhnlich anmutende Sounds aus, die aber immer eine klare, rhythmische Kontur bekommen. Bei „Inertia“ klingt ein Rave-Signal wie eine verlorene Panflöte, bei „On The Move“ lösen sich die detroitigen Flächen in Soundscapes an der Grenze zur Wahrnehmbarkeit auf. Die anderen beiden Tracks sind normaler und erinnern an den organischen, lebendigen Technosound von Jeroen Search. (Alexis Waltz)

4. Shanti Celeste – Make Time / Thoughts (Idle Hands)

Die Produzentin Shanti Celeste aus Bristol, seit kurzem in Berlin ansässig, gibt eine Kostprobe ihrer vielfältigen Interessen: „Make Time“ wird ihrem Künstlernamen durchaus gerecht, mit meditationstauglichen, weit geöffneten Akkordflächen und dezentem Gesang im Hintergrund. Wäre da nicht der ihrer Heimatstadt Rechnung tragende, aufmüpfige Breakbeat, der den regelmäßigen Atem etwas aus dem Rhythmus bringen dürfte. „Thoughts“ beginnt nur scheinbar ähnlich, nach kürzester Zeit ist die Ruhe dahin: IDM-artige Synthesizer und ein arg unsteter Beat gehen eine höchst effektive Verbindung ein. (Tim Caspar Boehme)

3. Michele Mininni – Rave Oscillations (R&S)

„Rave Oscillations“ von Michele Mininni ist toll: Mit ihrem akustischen Drumming, dem Tamburin und dadaistischen Melodien erinnert die Nummer an Musik aus der niederländischen Szene, von San Propper etwa oder Tom Trago. Die kreisende Bassline sperrt die Tänzer in ein Laufrad ein, das von turbulenten, anarchistischen Klängen gesprengt wird. „Vortex Stasi“ setzt ganz anders an, das Stück steht zwischen einer 70er-Artrock-Jam und kosmischem Ambient. Ein andächtiger, folkiger Choral löst sich in impertinentem Modular-Synthesizer-Gewaber auf, um sich dann doch noch in einem discoiden Augenzwinkern zu fangen. (Alexis Waltz)

2. Jouem – Episodes 5/8 – The Edict Of Restoration (Mojuba)

Es hat ein wenig gedauert, nun aber liefert Sven Weisemann als Jouem den fünften Teil seines achtteiligen Polyptychons auf Mojuba. Das überragende „Anomalous Diffusion“ erinnert an die Vocal-lastigen, aufgekratzten Deep-House-Ausflüge des Weisemann-Buddys Rising Sun. Auf der Flip geht es mit dem an Streichern belandenen „Kazumi Cycle“ und dem angebreakten „Contagion“ noch weiter in dubbige Tiefen hinab. Atmosphärische Dichte war schon immer Weisemanns Spezialgebiet, nirgendwo aber hat er sie dermaßen perfektioniert wie in dieser Reihe. Traumwandlerische Musik für den nächsten Apnoe-Tauchgang. (Kristoffer Cornils)

1. Esa – Aweh (Dekmantel)

„Blast” des südafrikanischen Producers Esa könnte einer der großen Hits dieses Sommers werden. Esa verbindet ein Vocal von Pendo Zawose, ein verzweifelter, flehender Aufschrei, mit einer so penetranten wie unvergesslichen Bassline, die sich klebrig und schwer ausbreitet wie frischer, heißer Asphalt. Die Sounds sind wüste Industrial- oder Drone-Experimente, Synths und Stimme treffen ohne Vermittlung aufeinander. Zusammengehalten wird das Stück von einem schleppenden Deep-House-Groove und losen Percussions, so dass man es sich dann doch als entkoppelter Höhepunkt eines Innervisions-Sets vorstellen kann. (Alexis Waltz)