Illustration: Vina Ćurčija

Das Problem ist weder neu noch irgendwie spezifisch für 2016. Und trotzdem gefährden jene, die meinen, etwas festhalten zu müssen, das sie im Moment ohnehin nicht gefühlt haben, weiterhin die Grundwerte unserer Club- und Partykultur. Damit das gleich klargestellt ist: Ja, Smartphones sind eine Bereicherung – für unseren Alltag, für unsere Kommunikation und ganz sicher auch für die Entdeckung neuer Musik und Künstler. Clubs sind Orte der Freiheit, des Respekts und des Miteinanders – das gilt also für beide Seiten: die Clubgänger wie auch die DJs in der Booth. Wir alle wollen uns abkapseln können, scheinbar unbeobachtet und gerne mal zügellos loslassen. Das Smartphone aber symbolisiert genau das Gegenteil dessen, wofür wir doch in Clubs gehen: im Moment zu sein und aufzugehen, die Außenwelt zu vergessen und die Erfahrungen nicht nur dokumentarisch, sondern auch tatsächlich zu machen.

Das Berghain ist wohl das berühmteste Beispiel für die No-Photo-Policy, aber auch unzählige Clubs wie Fabric, Trouw sowie De School in Amsterdam, das Institut fuer Zukunft in Leipzig oder das Unsound-Festival versuchen, das Fotoverbot rigoros durchzusetzen. „Can u stop shoving phones in my face when I’m DJing please“, postete nicht nur ein genervter Jackmaster im vergangenen Jahr. Auch Theo Parrish äußerte sich bereits 2014 öffentlich: „Everyone knows there are far too many phones on the dance floor“, und plädierte nochmals: „The DJ, the song, and the people need to move as one at the dance.“

Die Schuld für die Zunahme bei der digitalen Generation samt ihrer Track-ID-Kultur oder gar den Social-Media-aktiven DJs, die mit ihren Post-Gig-Fotos etwa zum Nachahmen anstacheln, zu suchen oder abzuwälzen, wäre zu einfach. Fakt ist aber, dass es schwieriger geworden ist, sich in Clubs sicher zu fühlen. Deswegen ist es nicht nur die Aufgabe der Clubs, durch entsprechende Verbote und ihre Durchsetzung einzugreifen. Vielleicht ist es gar notwendig, selbst mal zu intervenieren, mit den Störenfrieden zu reden, sie auf ihr Verhalten anzusprechen, ihnen zu erklären, woher die Dancekultur kommt, wofür sie steht und weiterhin stehen sollte. Denn letztlich killen Smartphones nicht nur den Vibe, sie spiegeln auch die perfide Emotionalität jener wider, die glauben, dass ein verwackeltes Foto bedeutsamer sei als das ehrliche und vor allem echte Lächeln einer fremden, tanzenden Person. Kompromisse sollte es nicht geben: Phone off, rave on!

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