PANTHERA KRAUSE

Mit einem Bein in der Klapse

Fotos: Lisa Geue

Panthera Krause hat sich emsig und fast unbemerkt nach oben gearbeitet. Erst der Umzug von der Studienstadt Weimar nach Leipzig brachte das Bandmitglied dazu, sich an House-Produktionen zu versuchen. Spätestens seit seiner Rules-EP auf dem britischen Label Lobster Theremin in House-Kreisen mit seinem Sound einen Namen gemacht. Und obwohl eben dieser Sound für das Dresdner Label Uncanny Valley mit einem Bein in der Klapse steht, haben sie ihn für die EP Umami verpflichtet. Wir haben mit Panthera Krause gesprochen und präsentieren den Breakbeat-lastigen Track „Z-Cuts“.

 


 

Du bist seit geraumer Zeit Mitglied bei Marbert Rocel und Karocel, bei denen unter anderen auch Mathias Kaden mitmischt. Was genau sind das für Projekte und wie unterscheiden sie sich voneinander?

Das ist etwas verstrickt aber beides sind Bands. Mit Marbert Rocel begann für mich das Musikmachen 2005 in Erfurt. Die Band besteht aus DJ Malik, unserer Sängerin Spunk und mir plus einem Keyboarder. Die letzten Jahre hat Martin Kohlstedt bei uns die Keys gespielt und zur Zeit Niklas Kraft, der auch unter dem Namen Talski das Dur-Label in Leipzig mitbetreibt. Karocel ist dann Marbert Rocel plus Mathias Kaden und noch einem Percussionisten namens Michael Nagler. Das ganze Karocel-Ding entstand durch das Nachtdigital-Festival. Da gab es die Idee für das 13te Nachtdigital ein Special zumachen. Mathias kam auf uns zu und hat gefragt, ob wir nicht Lust hätten unsere Stücke für eine Show zu vereinen. Wir sind da recht intuitiv rangegangen, haben uns getroffen und einfach losgelegt. Das hat so einen Spass gemacht und so gut funktioniert, dass wir die nächsten Jahre viel mit dem Projekt unterwegs waren und 2013 ein Album auf Freude am Tanzen rausbrachten. Letztes Jahr lag Karocel erst mal auf Eis, da sowohl Mathias Kaden als auch Marbert Rocel ein eigenes Album rausgebracht haben und jetzt schauen wir mal, was da so kommt.

Als Panthera Krause bist du erstmals 2012 auf O*rs und zwei EPs auf Riotvan in Erscheinung getreten. Wieso hat es so lange gedauert, bis du dein Solo-Projekt – daneben sind nur einige wenige Compilation-Beiträge von dir zu finden – an den Start gebracht hast?

Bis 2012 hab ich eigentlich nur für oder mit Marbert Rocel musikgemacht und auch eher an Songs gearbeitet. Zwar hab ich immer schon an Beats rumgeschraubt aber das House-Ding fing eigentlich erst mit meinem Umzug nach Leipzig an. Wir waren hier am Anfang ständig im Conne Island und diese Nächte haben mich echt inspriert und sind oft damit geendet, dass ich mich noch morgens an die Musik gesetzt hab. Irgendwann hatte ich dann ein paar Tracks zusammen und mein damaliger Wohnungsnachbar Good Guy Mikesh hat mich auf die Idee gebracht die Sachen mal Filburt zu schicken, der zu der Zeit gerade die ersten O*RS Releases gemacht hat. So landete mein erster Solotrack Cassandra auf einer O*RS Platte wodurch Peter Invasion auf mich aufmerksam wurde und ich eine EP auf dem Leipziger Label Riotvan releast habe, wodurch Jimmy Asquith auf mich aufmerksam wurde und eine EP auf Lobster Theremin rauskam.

Mit der konntest du einigen Erfolg verzeichnen und hast dann mit einem Beitrag zu ihrer 5-Jahres-Compilation deine Ankunft bei Uncanny Valley angekündigt. Wie bist du mit dem Label in Berührung gekommen und wann und wieso habt ihr euch für ein Release entschieden?

Nach dem Release 2014 auf Lobster Theremin hatte ich recht schnell wieder ein paar Stücke zusammen und war auf der Suche nach einem Label, auf dem ich mir meine Musik gut vorstellen konnte. Unser damaliger Booker für Marbert Rocel, DJ Wilhelm von Buki Good macht auch das Booking für viele Uncanny Valley-Artists. Er kannte meine Musik und hat sie, gedankt sei es ihm, den Uncanny-Jungs geschickt. Die haben sich die Sachen angehört und als dann solch ein Feedback kam: „…und immer mit einem bein in der klapse bei den harmonien und sounds…superdupi:)“ war zu meiner Freude recht schnell klar, dass wir eine EP machen. So landete „Coochie“ auf der 5-Jahres-Compilation und war dann der Einstand für mich auf Uncanny Valley.


Stream: Panthera KrauseUmami

Kannst du etwas über die einzelnen Tracks erzählen? Wie sind diese entstanden?

Die „Umami“-Hook hatte ich schon eine Weile im Kopf aber hab immer versucht diese mit Synthies umzusetzen, was für mich nie so richtig funktioniert hat. Irgendwann nachts im Studio hab ich diese aus Trotz mit dem, für mich zu dem Zeitpunkt, unpassendsten Instrument gespielt: einer Orgel. Und das hat dann funktioniert. „Howling for July“ ist schon etwas älter. Den spiele ich auch schon ne ganze Weile in meinem Liveset, da der Moment auf der Tanzfläche immer so schön ist, wenn sich die Flöten überschlagen. Ich hab den nur beim Produzieren nie zum Laufen bekommen, bis ich nach einigem Rumprobieren auf die Bassline kam. Bei „Z-Cuts“ hatte ich echt schlechte Laune. Und „The Space Between Us“ ist eines dieser befriedigenden Stücke, die plötzlich ohne ein großes Fragezeichen vor dir stehen und an denen man nicht wie ein Ingenieur die ganze Zeit rumbastelt.

Einige deiner Tracks und Artworks setzen sich auf die eine oder andere Art mit dem Thema Reisen auseinander. Ist das ein bewusst gewähltes Thema oder reiner Zufall?

Meine Eltern haben früher oft Silly gehört:

Du ekelst dich vor Mäusen,
Und ich vor Politik.
Du machst weite Reisen,
Ich auch, ich mach Musik.

Neben der Musik bist du auch als Illustrator aktiv, tatsächlich hast du das auch in deiner Weimarer Zeit studiert. Gibt es Berührungspunkte zwischen deinen visuellen und musikalischen Arbeiten und wenn ja, wie gestalten sich diese?

Eigentlich ist die Illustrationsache mehr mit Marbert Rocel verbunden. Da hab ich von Anfang an die Cover und das Artwork gemacht und über die Zeit hat sich eine Linie entwickelt, bei der sich Musik und Illustration in den Stimmungen gegenseitig beeinflußen. Ich fand es deshalb gerade wichtig bei Panthera Krause einen Cut zu machen und was anderes auszubrobieren. Die Berührungspunkte sind eher die Art wie ich an den Sachen arbeite. Ich sitze teilweise ewig an Illustrationen, wie auch an der Musik und schiebe alles von links nach rechts und wieder zurück und dann wieder nach rechts oben und dann die Hi-Hat doch weiter links legen und…


Video: Panthera KrauseIsla

Das Design der neuen EP hast du aber nicht selbst übernommen. Wer war dafür verantwortlich und was war die Idee dahinter?

Das hab ich einer Freundin von mir, Lisa Geue, zu verdanken. Wir arbeiten schon seit einiger Zeit zusammen. Von ihr stammt auch das Cover von meiner ersten EP Yorikke und die Videos für „Isla“ und „Condensed Matter“. Lisa ist Fotografin und hat irgendwann angefangen Dias mit Schimmel zu überziehen, so dass dieser die Fotoemulsion angreift. Ich fand die Bilder schon immer toll und das war der richtige Moment endlich eins von diesen zu verwenden. Ich mag das Unkontrollierbare an dieser Technick. Ich glaube, dass ist auch das, was mich immer ans Musikmachen erinnert: das Gedeihenlassen. Die meisten Tracks landen ja auch erst mal im Dunklen auf einer Festplatte um dann über die Zeit zu reifen. Lisa sitzt mir auch gerade gegenüber und arbeitet an einem Video zu „The Space Between Us“, das bald erscheinen wird.

Deine Musik ist ohne MPC nicht denkbar. Wie bist du zur MPC gekommen und welche Vorteile siehst du in der Produktion und vor allem in Live-Sets darin?

Die MPC kenn ich schon recht lang durch meinen Freund Malik. Für mich war diese schon immer der Inbegriff von einer perfekten Workstation, da ich selten mit Drum Machines arbeite. Das beste daran ist für mich neben dem samplebasierten Arbeiten die Einschränkung und der sich dadurch ergebende Workflow. Ich arbeite mit der MPC viel Intuitiver, da ich nicht die ganze Zeit nach irgendwelchen Frequenzen schaue oder Effektketten bastle. Gerade mit der 16-Level Funktion kommt man auf andere Ideen und natürlich nicht zu vergessen – der Roll-button! Meine MPC 1000 habe ich vor ein paar Jahren Filburt abgekauft und mich dann ein paar Tage dem Handling hingegeben. Live arbeite ich zur Zeit noch mit einem Rechner. Am Anfang hab ich zwar versucht die MPC auch Live zu benutzen, da ich zudem Zeitpunkt aber noch nicht genau wußte, wie ich alles mache, war es etwas mühsam immer wieder neue Samples draufzuladen. Aber ich bin gerade wieder dabei die MPC ins Liveset einzubinden.

Zuletzt natürlich: Was kommt nach Umami?

Für das Jahr steht ein bisschen was an. Im Mai erscheint eine neue EP auf Lobster Theremin auf die ich mich schon freue und im Sommer dann noch eine EP auf Riotvan, wo wir gerade schauen was für Tracks draufkommen. Dann arbeite ich zur Zeit an zwei Remixen und ein Podcast für Keinemusik steht an. Natürlich die Live-Auftritte nicht zu vergessen: nächstes Wochenende gehts zu Freunden nach Erfurt in einen neuen Klub namens Kalif Storch und am 20. Februar dann ins 60Hz nach Berlin. Dann sind ein paar Konzerte mit Marbert Rocel geplant und wieder mehr malen wäre auch schön.

 


Stream: Panthera KrauseZ-Cuts

 

Panthera KrauseUmami (Uncanny Valley)

Format: 12″, digital
VÖ: 15. Februar 2016 (Pre-Order)