Wer liebt sie nicht, die latent entrückten Engelspop-Frickler von Plaid, die nach zwei japanischen Soundtracks und dem audiovisuellen Kunstprojekt Greedy Baby nun wieder mit einem – „klassischen“, möchte man fast sagen – Album ankommen. Zur Erinnerung: S p o k e s, der letzte große Wurf auf Warp, ist immerhin schon acht lange Jahre her. Viel Zeit, um darüber nachzudenken, wie Pop der Post-Postmoderne auszusehen hat. Also? „Ich bin viele Funken“: Das, so lehrt die Platteninfo, sei die Übersetzung des lateinischen Titels S c i n t i l l i. Und wahrhaftig, die Platte glitzert und glänzt. Schneekugelpop voll dicht gewobener Scapes, mal psychotisch an der Bassline kurbelnd („Eye Robot“), mal samten als Glasperlenspiel durch Synth-Wölkchen mäandernd („Tender Hooks“), zu keiner Zeit jedoch diese sympathische Nervosität ablegend, die alle Stücke in Bewegung hält. Das Drumming ist durchweg großartig arrangiert, immer glatt und eingängig und doch voller Offbeat-Stolperfallen, wie in „Thank“, dessen abstrakte Melodieführung des Synthesizers elegant zwischen den Beats und choralen Fragmenten hindurch choreographiert wurde. Der zweite Teil des Albums zelebriert zusehends das fragmentarische Dasein des Unheimlichen: kristalline Songbruchstücke, die allzu narrative Strukturen verweigern, die kein Anfang und kein Ende kennen, die eher ein- oder abbrechen. Avantgarde mit Ansage? Bestimmt. Dabei aber so verdammt sexy zu bleiben, ist eine Leistung, die gewürdigt sein will.

 


Stream: Plaid Missing