Heute ist er DJ und Produzent, im Herzen trägt er den Punk: Curses. Der gebürtige New Yorker Luca Venezia trägt die Attitüde seiner Vergangenheit bis heute in seine Musik. Seit 13 Jahren prägt er unter seinem Alias einen düsteren Hybrid aus Dark Disco, EBM, New Wave, Post-Punk, Italo, House und Techno. Und spätestens wenn er im Club-Set plötzlich mit E-Gitarre vor der Hüfte auf die eigenen Tracks singt, wird man sich der musikalischen Wurzeln dieses Künstlers bewusst.
Seine Produktionen, Vocals und Remixe erschienen auf Labels wie Innervisions, Italians Do It Better und Wrong Era, daneben betreibt er mit Ombra International sein eigenes Imprint. Insgesamt hat Venezia in den vergangenen Jahren mehr als 30 Veröffentlichungen auf dem Buckel. Und als sei das nicht schon genug, ist er auch unter den Aliasnamen Drop The Lime, Venice Arms und Tutto Vettro aktiv.
Mit Next Wave Acid Punx TROIS beendet Curses nun seine gleichnamige Compilation-Trilogie – eine Liebeserklärung an die Übergangszeit zwischen Industrial, Italo, Trance und Proto-Techno in den 1980er-Jahren, bevor sich Techno als Genre definierte. GROOVE-Autorin Johanna Lühr hat den Musiker in Berlin getroffen. Im Gespräch erzählt er von seiner Kindheit in New York, warum Melancholie für ihn eine kreative Kraft ist, wie er gelernt hat, überall einzuschlafen, und weshalb ihn die eigene Geburt bis heute prägt.
Es ist ein Tag Anfang Juni. Der Himmel ist grau, die Luft schwül. Mein Zug fährt mit 30 Minuten Verspätung in Berlin ein, draußen beginnt es zu regnen. In herumirrender Touri-Manier suche ich das Gleis der M10 Richtung Warschauer Straße. Halb durchnässt von Regen und Schweiß ziehe ich mein Handy aus der Tasche und tippe in den WhatsApp-Chat „Luca Curses”, dass ich mich um zehn Minuten verspäte. Er antwortet selbiges, er sei „stuck in rain”. Ich frage mich, wie man im Regen feststecken kann. Die M10 kommt.

Von der Husemannstraße in Prenzlauer Berg sind es noch knapp 100 Meter bis zur Misirlou Bar, die Luca als Treffpunkt vorgeschlagen hat. Er ist schon da und wartet vor den noch unbesetzten Tischen. Wir geben uns die Hand. Er stellt sich vorsichtshalber noch einmal vor – höflich, als könnte ich seinen Namen nach den vielen E-Mails und WhatsApp-Nachrichten vergessen haben. Ich hingegen vergesse vor lauter Aufregung, mich nochmal vorzustellen. Peinlich.
Der Mafioso mit Jetlag
Luca sieht ziemlich cool aus. Anders kann man es nicht sagen. Stilvoll, aber nicht aufgesetzt. Er trägt eine locker sitzende schwarze Anzughose mit passendem Sakko, darunter ein weißes Feinripphemd, aus dessen Ausschnitt dunkle Brusthaare und ein Tattoo hervorschauen. Dazu Anzugschuhe, deren ungewöhnlich breite Silhouette verrät, dass sie vermutlich aus irgendeiner Designerkollektion stammen. Um seinen Hals trägt er zwei Goldketten, an fast jedem Finger einen oder mehrere Ringe. Erst beim genaueren Hinsehen stelle ich fest, dass einige davon kleine Uhren darstellen. An seinem rechten Ohr hängt ein silberner Ohrring, seine Haare sind nach hinten gegelt, auf der Nase sitzt eine schmale Prada-Sonnenbrille. Beim Sprechen funkelt mich aus Lucas Mund ein Goldzahn an. Er erinnert mich an einen Mafioso aus einem Al-Pacino-Film.
Dass sich die spanische Partyinsel und Berlin dieselbe Zeitzone teilen, scheint ihm kurz entfallen zu sein.
Doch kaum beginnt er zu erzählen, zerfällt dieses Bild. Luca wirkt freundlich, aufmerksam und erstaunlich entspannt. Er berichtet von seinem Jetlag. Gestern sei er noch auf Ibiza gewesen und wisse ehrlich gesagt gar nicht, in welcher Zeitzone er sich gerade befinde. Dass sich die spanische Partyinsel und Berlin dieselbe Zeitzone teilen, scheint ihm kurz entfallen zu sein.
Wahrscheinlich ist er einfach ganz schön gestresst, denke ich, was er mir prompt im nächsten Satz bestätigt: Unser Interview – um kurz nach 16 Uhr – sei heute bereits sein drittes. Also wirklich ziemlich busy. Aber kein bisschen abgehoben. Luca bestellt eine hausgemachte Limo, ich will Koffein. Ich ordere Cappuccino.
Die Dinge nicht zu ernst nehmen
Wir kommen zur Sache. Zur dritten, um genau zu sein. Next Wave Acid Punx TROIS heißt Curses‘ neues Album, das eine Compilation ist. Ich frage ihn, was ihn dazu getrieben hat. Mit dem Projekt sei er zu seinen Wurzeln zurückgekehrt, zu seiner Kindheit und zu seinem ersten Kontakt mit elektronischer Musik: „Es gab damals eine faszinierende Phase, in der Länder wie Spanien, Deutschland, die USA, Belgien, Italien, Großbritannien und die Niederlande eine Mischung aus Industrial, Italo, Trance und Proto-Techno produzierten – Musik, die entstand, bevor Techno zu dem wurde, was wir heute darunter verstehen. Diese besondere Szene existierte ungefähr fünf Jahre lang.”

Der erste Teil der Compilation-Trilogie drehte sich um New Beat, sagt er. Jenen Sound, der aus auf 100 BPM heruntergepitchtem Electro und Techno entstanden ist. Im Zweiten habe er sich dann stärker auf Bands wie Boy Harsher oder Years of Denial konzentriert – also auf Dark Wave, Post-Punk und generell einen stark von den Achtzigern geprägten Sound. Ich frage ihn, wie der seltsame Name Next Wave Acid Punx für die dritte Compilation entstanden ist. Luca lacht und geht kurz in sich.
Anscheinend wurde er das noch nicht oft gefragt – komisch, dabei liegt die Frage für mich so offensichtlich auf der Hand wie seine Goldringe. „Ich hatte immer einen punkigen Ansatz für elektronische Musik, weil ich ursprünglich aus Bands komme”, antwortet er schließlich. „In der elektronischen Musik werden viele Leute irgendwann sehr puristisch oder elitär. Ich finde, man sollte nicht vergessen, dass Musik auch Spaß machen darf. Genau dafür steht der Name: Spaß haben, die Punk-Energie bewahren und die Dinge nicht zu ernst nehmen.”
Next Wave Acid Punx Trois
Ich frage Luca nach seinem Lieblingstrack auf dem Album. Er stöhnt lachend auf und scheint sichtlich überfordert. Nach einiger Bedenkzeit wählt er den er Track, der ihm am meisten Beschaffungsmühen gekostet habe: „Jet Harris Tecno Dub” vom spanischen Act Megabeat, Teil der sogenannten La Ruta-Szene in Valencia. Sie war in den 1980er- und 1990er-Jahren die wegweisende Techno-Szene Spanien. Entlang der Autopista V-31 feierten wöchentlich über 50.000 Menschen zu elektronischer Musik und Bakalao.
Es sei nicht einfach gewesen, diesen Track zu bekommen, denn das Trio sei schlichweg nicht erreichbar gewesen, offline im wörtlichsten Sinn. Keine Social-Media-Profile, keine Agentur, keine Spur im digitalen Raum. Also habe Luca Leute kontaktiert, die jemanden kennen könnten, der jemanden kennt. Irgendwann landete er bei einer Telefonnummer, rief in gebrochenem Spanisch an und bekam die Zusage des Interpreten.
Wir sprechen über weitere Tracks der Compilation und werden uns schnell einig über passende Settings für die jeweiligen Stücke. Für mich ist „Distant Memories” ein Song für die ersten Sonnenstrahlen nach einer langen Clubnacht. Luca nickt sofort. Der Track funktioniere genauso gut zur Peaktime in einem riesigen Warehouse wie in einem kleinen Club, sagt er. Seine wahre Stärke liege aber in seiner Intimität. Der Gesang von Zaatar wirke fast wie ein Flüstern. „Halt” ist für Luca dagegen der technoideste Track der Compilation – euphorisch, hypnotisch und geprägt vom Sound seines langjährigen Freundes Javi, dessen musikalische Entwicklung er seit über 20 Jahren verfolge. Bei „Eternal” überrascht er mich schließlich mit einer kleinen Enthüllung: Tutto Vettro, Track 46 auf dem Release, ist sein eigenes Pseudonym. Gemeinsam mit Mala Ika habe er einen emotionalen, aber zugleich clubtauglichen Track schaffen wollen, inspiriert von der subtilen Melancholie klassischer Klaviermelodien wie Robert Miles‘ „Children”. Über eines sind wir uns am Ende einig: „Eternal” ist Peaktime.
Schließlich frage ich Luca, ob er sich noch eine vierte Compilation vorstellen könnte. Die Frage scheint er schon oft gehört zu haben. Breit grinsend antwortet er in zwei Worten: „Bitte nicht.” Luca erklärt, wie viel Arbeit es sei, alte Tracks aufzutreiben, Rechte zu klären, alles auf Vinyl zu pressen, ohne dass der Sound darunter leidet. Next Wave Acid Punx TROIS sei deshalb als Abschluss gedacht. Zumindest offiziell. Aber dabei lächelt er so verschmitzt, dass man meinen könnte, irgendwo kribbelt in ihm doch noch die Lust auf eine Fortsetzung.
New York, New York
Während wir über seine Musik sprechen, landet Luca immer wieder in seiner Jugend. Er spricht über seine ersten Rave-Erfahrungen und seine Vergangenheit im New Yorker Stadtteil Tribeca. Lange bevor dort Luxuswohnungen gebaut wurden und Prominente einzogen, wuchs er als Einzelkind in einem 300-Quadratmeter-Loft auf, das sein Vater – ein abstrakter Maler – gemeinsam mit Freunden in den Siebzigern gekauft hatte. Seine Mutter arbeitete als Fotografin. Die Wohnung beschreibt Luca als chaotisch, laut und voller Kreativität. Ständig lief Opernmusik – Madama Butterfly und Turandot – irgendwo wurde gemalt, in der Dunkelkammer Fotos entwickelt, während er selbst begann Gitarre zu spielen und zu skaten. „Es war ein Haus voller Energie”, sagt er. „Und genau diese Energie liebe ich bis heute.”

Als er 16 ist, verändert sich sein Viertel. Plötzlich ziehen John F. Kennedy Jr., Christy Turlington oder David Letterman nach Tribeca. Aus dem verlassenen Industrieviertel wird eines der begehrtesten Pflaster Manhattans. Luca beobachtet diesen Wandel aus nächster Nähe. Plötzlich wollen seine Freunde bei ihm abhängen – seine Freunde aus der Professional Performing Art School. Dort sang Luca im Gospelchor unter anderem zusammen mit Alicia Keys, erzählt er ganz beiläufig. In der Schule gehörte er eher zu den Outcasts, den Skatern und Punks. Während er von seiner Jugend erzählt, merkt man schnell: New York hat er nie wirklich verlassen. „Ich bin sehr stolz darauf, New Yorker zu sein”, sagt er. Dass er vor rund zehn Jahren nach Berlin gezogen ist, klingt nach einer rein praktischen Entscheidung: „Hier konnte ich ein Leben aufbauen und ausschließlich die Musik machen, die ich wirklich liebe. In New York würde ich wahrscheinlich immer noch in kommerziellen Clubs spielen und Musik auflegen, hinter der ich nicht vollständig stehen könnte.”
„Die Energie war dieselbe wie auf Punk-Shows, nur in einem völlig neuen Kontext”
Musikalisch beginnt Lucas Geschichte schon früh. Mit sieben entdeckt er italienische Popmusik für sich – sein Vater stammt aus Italien –, später dann Kassetten, die ein Freund der Familie, der bei Warner arbeitete, mit nach Hause bringt. Darauf zu hören: Guns N‘ Roses, Janet Jackson, Type O Negative und Ministry. Die beiden Letzteren hätten ihn besonders fasziniert. Und auch Janet Jackson hätte es ihm mit ihrem Drumcomputer angetan. Ein paar Jahre später ging Luca auf seinen ersten Rave. „Das war mit 13 oder 14 im Metropolis Club in Queens, eigentlich eher eine Strandbar mit künstlichem Sand, aber einem fantastischen Soundsystem.” Bis dahin kennt er vor allem Punk-Konzerte. Plötzlich stehen Delta 9, Lenny Dee und Rob Gee hinter den Decks. „Die Energie war dieselbe wie auf Punk-Shows”, sagt er, „nur in einem völlig neuen Kontext. Das war mein Einstieg in die Rave-Kultur.”
Auf die Frage, welche Platte ihn zum Auflegen bewegt hätte, muss Luca lange überlegen. Eine eindeutige Antwort fällt ihm sichtlich schwer. Als Teenager habe er sich neue Vinyls nicht leisten können und stöberte in Second-Hand-Läden nach Platten für ein paar Cent. Darauf meist: Italo Disco und Latin Freestyle. Die großen, verhallten Snaredrums faszinieren ihn bis heute und erinnern ihn gleichzeitig an den italienischen Pop seiner Kindheit. Später habe er Wormhole von Ed Rush & Optical entdeckt – ein Album, das ihn mit seiner Mischung aus Düsternis, Trance und technischer Präzision nachhaltig beeindruckt habe. Als seine wichtigsten musikalischen Einflüsse zählt er Front 242, Ministry, Fugazi, Sonic Youth, DJ Shadow, Boards of Canada und Aphex Twin auf. Privat höre er jedoch kaum mehr elektronische Musik, viel eher Klassik. Die entspanne ihn beim Reisen und zwischen den Gigs, erzählt er.
Aussehen wie die eigene Musik
Je länger wir sprechen, desto deutlicher wird: Die dunkle Ästhetik, die Curses nach außen verkörpert, ist weniger Image als Ausdruck seiner Persönlichkeit. Ich frage ihn, wie er sich die Faszination von Dunkelheit auf die Menschen erklärt. Er scheint Gefallen an esoterischen Fragen zu finden, lehnt sich in den Stuhl und erklärt mir, dass er zwischen zwei Arten unterscheide: Da sei zum einen die bedrohliche, gewalttätige Dunkelheit. Ihn interessiere aber die andere – die geheimnisvolle, verführerische Seite der Nacht. „Man weiß nicht genau, was sich in den Schatten verbirgt. Genau das macht sie interessant.” Auch an seiner Kleidung merkt man den Hang zur Dunkelheit. Musik und Mode seien für ihn untrennbar miteinander verbunden. In seiner italienischen Familie habe man immer auf Details geachtet – Schuhe, Haare, Schmuck. Kleinigkeiten, die schon etwas über einen erzählen, bevor man überhaupt den Mund aufmacht. Einmal habe ihm jemand gesagt, er sehe aus wie seine Musik. Für Luca sei das bis heute eines der schönsten Komplimente.

Obwohl seine Produktionen oft düster klingen, beschreibt er sich selbst vor allem als hoffnungslosen Romantiker. Dabei grinst er und macht den Eindruck, besonders stolz auf diese Eigenschaft zu sein. Zusätzlich bezeichnet er sich als melancholischen Menschen. Für ihn müsse alles eine Bedeutung haben. Orte, Gegenstände und Begegnungen würden Geschichten in sich tragen. Vielleicht, überlegt er, hängt das sogar mit seiner schwierigen Geburt zusammen, bei der er durch Atemnot beinahe gestorben wäre. Vielleicht erklärt das seine Faszination für Vergänglichkeit und Sterblichkeit. Ganz sicher wisse er das selbst nicht. Sehr sicher ist er sich hingegen dabei, dass Melancholie für ihn niemals Last ist – im Gegenteil. Sie schärfe den Blick für die Welt und mache Kreativität überhaupt erst möglich.
Lieber aus Zweifel härter arbeiten
Schärfer als noch vor einigen Jahren ist auch Lucas Blick auf das Tourleben. Afterpartys interessieren ihn kaum noch. Stattdessen versuche er, sich viel Ruhe zu gönnen und möglichst oft mit dem Zug zu reisen. Wir ziehen gemeinsam über die Deutsche Bahn her. Die Verspätungen scheinen allerdings auch etwas Positives bewirkt zu haben: in den vielen Stunden, der im Zug verbrachte, habe Luca gelernt, überall einschlafen zu können. Ich wittere meine Chance für einen Gag und befehle ihm, es zu beweisen. Er kippt den Kopf seitlich auf die Schulter und stellt sich dösend. Ein paar Sekunden lasse ich ihm. „Gut, bitte wach wieder auf”, sage ich – er öffnet die Augen, und wir fahren fort.
Er erzählt über seine Angewohnheit, in neuen Städten joggen zu gehen, um sie zu erkunden, und dass er sich nach den Gigs am meisten auf das Hotelbett freue. „Früher hatte ich FOMO. Heute nicht mehr”, sagt er. Er habe gelernt, mehr auf seinen Körper zu hören. Zu viele Künstler würden irgendwann ausbrennen, weil sie glaubten, jeden Gig annehmen zu müssen. Er selbst habe in diesem Jahr bewusst versucht, häufiger zu Hause zu bleiben.
„Früher hatte ich FOMO. Heute nicht mehr”
Überraschend offen spricht Luca auch über seine eigenen Unsicherheiten. Er zweifle ständig an seiner Musik und an seiner Karriere, erzählt er. Ich werfe das Impostor-Syndrom ins Gespräch. Er nickt eifrig. Lieber arbeite er aus Zweifel härter, als sich irgendwann auf Erfolgen auszuruhen. Gleichzeitig falle es ihm schwer, Grenzen zu ziehen. Er wolle Menschen helfen, junge Künstler unterstützen und immer das Gute in anderen sehen. Manchmal verschwimme dabei allerdings die Grenze zwischen Luca und Curses. Dann stünden plötzlich Fans vor seiner Haustür. „Das wird irgendwann seltsam”, sagt er und lacht kopfschüttelnd.
Essig, Steuern und Inglourious Bastards
Wir wechseln zu seichteren Themen. Ich will erfahren, wie Luca tickt. Der Mann mit Goldzahn, Prada-Brille und Dutzenden Ringen erzählt irgendwann mit Begeisterung von seiner größten Obsession: Essig. Er liebe wirklich alles, was möglichst stark nach Essig schmecke. Steuererklärungen dagegen möge er gar nicht. Irgendwann würde er gerne in einem Film mitspielen. Für Inglourious Basterds habe er in seinen Zwanzigern mal vorgesprochen. Ein Cameo-Auftritt würde ihm aber völlig reichen, witzelt er. Oder vielleicht doch ein Al Pacino?, kommt es mir in den Kopf.
Zum Ende will ich wissen, woran er gerade arbeitet. Ein neues Album, dazu mehrere Kollaborationen, über die er noch nicht sprechen dürfe, bekomme ich als Antwort. Außerdem beobachte Luca, wie New Beat, EBM und Dark Disco gerade wieder an Bedeutung gewinnen. Für ihn sei das eine natürliche Reaktion auf den immer schnelleren und härteren Techno. Die nächste Generation suche wieder nach etwas Langsamerem, Düsterem und Eigenständigerem. Inspiration finde er selbst heute vor allem in der Raveszene von Bogotá und Tiflis. Und immer noch in Berlin – dort, wo kleine Clubs und illegale Partys jene Offenheit bewahrt hätten, die ihn an die Raves seiner Jugend erinnern.
Bevor wir uns verabschieden, zahlt er meinen Cappuccino. Ich bin geschmeichelt, aber gleichzeitig nicht überrascht, dass der italienische Mafioso vom Anfang auch ein Gentleman zu sein scheint. Wir umarmen uns und Luca geht in die entgegengesetzte Richtung. Ein angenehmes Treffen war das – mit einem Musiker, der seine Kunst sehr ernst nimmt, sich selbst aber doch erfreulich wenig. Es hat aufgehört zu regnen, die Kopfschmerzen sind weg, meine Bahn kommt.