Mit OURS haben die beiden Frankfurter Nacht-Instanzen Alex Lindblad & Oli Gerhardt ein Format erschaffen, dass mit Acts wie Laurent Garnier, FJAAK oder Elli Acula verschiedene Feiergenerationen an einer malerischen Location am Mainufer zusammenbringt. Wir wollten von Oli Gerhardt als Betreiber und Alex Lindblad als Bookerin wissen, wie sie das einzigartige Day-Event entwickelt haben.
GROOVE: Wer seid ihr? Wie habt ihr euch kennengelernt? Wie ist OURS entstanden?
Oli Gerhardt: Mein Bruder Ben und ich sind seit mehr als 20 Jahren als Veranstalter im Rhein-Main-Gebiet aktiv. Vom ersten Underground-Kellerclub, dem Hotel Digital, im beschaulichen Unterfranken über das Festival Stadt Land Bass und das Open Air Flussperle haben wir uns nach langer Wanderschaft mit OURS ein festes Zuhause erschaffen.

Wie ist Alex dazugestoßen?
Oli Gerhardt: Wir kennen und schätzen Alex seit langem als herausragende Bookerin. Bei OURS kam schlussendlich viel zusammen: Die richtige Location, das nötige Netzwerk und ein Konzept irgendwo zwischen einem dauerhaften Open-Air-Club, Festival und Day Drinking. Dabei war uns ein kredibles Booking genauso wichtig wie die gelebte Gastfreundschaft gegenüber unseren treuen Gästen.
Alex Lindblad: Oli Gerhardt und ich kennen uns seit etwa 13 Jahren – kennengelernt haben wir uns durch meine Arbeit als Booking-Agentin, zunächst bei Backroom Entertainment, heute bei Neptune Music. Er ist ein fairer, verlässlicher Promoter, dem ich von Anfang an vertraut habe.

Dazu kommt, dass Frankfurt meine Heimatstadt ist, hier liegen meine musikalischen und beruflichen Wurzeln. Ich bin im Omen sozialisiert, habe das Programm des Robert Johnson in den ersten vier Jahren, von 1999 bis 2003, kuratiert und bin bei Freebase Records hinter dem Tresen gestanden. Die Stadt hat mich geprägt – und das spüre ich bis heute. Ata und Luzie, zwei der prägenden Frankfurter DJs, sind Teil meines Rosters bei Neptune Music. Seit 2025 bin ich Teil des OURS-Teams und gestalte das Programm der Reihe mit. Dass sich das so ergeben hat, fühlt sich für mich wie eine natürliche Heimkehr an.

Was habt ihr für 2026 geplant? Wie viele Termine gibt es? Was ist neu, und was sind die Highlights?
Alex Lindblad: 2026 haben wir ein volles Programm: Zwischen Ende April und Mitte September veranstalten wir mehr als zehn OURS-Events, zwei Cocoon-Abende, die beliebte Flussperle und Happenings ohne musikalischen Schwerpunkt auf dem Gelände des Schwimmvereins Sparta mit dem Restaurant Blaues Wasser. Wir arbeiten in diesem Jahr mit einem neuen Soundsystem, das dem Erlebnis eine andere Qualität gibt. Außerdem haben wir bewusst viele Acts eingeladen, die bislang noch nie beim OURS gespielt haben – die Bandbreite ist 2026 besonders groß.

Sticht für dich was heraus?
Alex Lindblad: Ein echtes Highlight ist für mich Monika Kruse. Ihre Auftritte sind inzwischen eine Seltenheit. Umso mehr freuen wir uns, dass sie sich für uns entschieden hat. Gleichzeitig arbeiten wir immer am Gelände: Neben einer neuen LED-Leinwand gehören zu den Neuerungen ein knapp 500 Quadratmeter großer Holzboden, eine riesige Strandmuschel und reichlich Schatten- und Sitzplätze.

Ihr deckt ein breites Spektrum der Clubmusik ab. Wie würdet ihr beschreiben, was für euch Qualität bedeutet? Was möchtet ihr musikalisch abbilden? Warum bucht ihr Künstler:innen selten zweimal?
Alex Lindblad: Mir geht es vor allem um das Gespür der DJs, um die Fähigkeit, einen Raum, eine Crowd zu lesen und davon ausgehend eine Geschichte zu erzählen. Handwerkliches Können ist dabei natürlich ebenso wichtig. Beides ist für mich nicht verhandelbar.

Wie spiegelt sich das im Line-up wider?
Alex Lindblad: Wir stehen für eine gewisse Verwurzelung in der Tradition der elektronischen Musik, verbunden mit einem klaren Qualitätsanspruch. Wir schließen da bewusst eine Diversität an Genres ein, Purismus ist uns fremd. Dass wir Künstler:innen selten zweimal buchen, würde ich übrigens nicht stehenlassen. Zum einen begrenzt die Anzahl unserer Termine schlicht die Möglichkeiten – zum anderen gibt es eine Reihe von Acts, die wir sehr gerne jährlich oder im Zwei-Jahres-Rhythmus wiedersehen. Kontinuität und Entdeckergeist schließen sich bei uns nicht aus.

Die meisten Partys finden im SSC Sparta beziehungsweise im Blauen Wasser statt. Was zeichnet diese Locations aus? Warum habt ihr sie ausgewählt? Welche Bedeutung hat für euch die Lage am Main?
Oli Gerhardt: Frankfurt und die gesamte Region sind sehr dicht besiedelt, da ist es gar nicht so leicht, eine Location zu finden, in der wir zwölf und mehr Veranstaltungen im Jahr durchführen können. Sehr hilfreich ist da unsere Lage im Industriegebiet. Dazu kommt, dass wir mit dem Blauen Wasser, das von Matthias Martinsohn [Der ehemalige Mitbetreiber von Dorian Gray, Omen, Logic Records, Anm.d.Red.] betrieben wird, ein Stück des musikalischen Erbes der Stadt fortführen. Und natürlich ist die Lage am Wasser zusätzlich ein absolutes Goodie.

Wie würdet ihr euer Publikum beschreiben? Wie sieht das Altersspektrum aus?
Oli Gerhardt: Unser Publikum ist ein Querschnitt der Gesellschaft, Menschen, die gerne elektronische Musik in stilvoller Umgebung genießen. Unser Altersspektrum reicht von 18 bis ins Rentenalter, was natürlich aus der Historie der Stadt hinsichtlich elektronischer Musik resultiert. Das ist eine Entwicklung, die wir extrem begrüßen, das spiegelt eine internationalen Trend in vielen Städte wieder: Daytime Raving ist auch etwas, das eine gesundheitsbewusste Gen Z gerne mitmacht. Am Tag großartige Musik gemeinsam im Freien genießen – ohne Beschwerden am nächsten Tag.

Wo positioniert ihr euch in der Frankfurter Nachtkultur? Warum organisiert ihr Day-Events?
Alex Lindblad: Uns sind die Kommunikation und ein positives Miteinander mit anderen Frankfurter Veranstalter:innen extrem wichtig. Mit dem Robert Johnson zum Beispiel gibt es eine Kooperation. OURS-Ticketinhaber:innen erhalten dort eine Vergünstigung beim Eintritt. Wir pflegen aber auch mit allen anderen Club-Protagonisten eine offene Kommunikation. Leben und Leben lassen. Eine gute Kommunikation unter Veranstaltern und Clubs ist in Berlin weitestgehend selbstverständlich – in Frankfurt hat das eher keine Tradition. Wir hoffen, einen kleinen Teil zu mehr Austausch beizutragen.

Oli Gerhardt: Mit unseren Wurzeln etwa beim Stadt Land Bass veranstalten wir seit mehr als 15 Jahren Open Airs. Aus dieser Tradition heraus und um die damals noch freie Nische der Tagesveranstaltung zu beleben, war für uns klar, dass wir uns mit OURS auf den Tag konzentrieren wollen.
Wie schafft ihr es, Tickets zu vergleichsweise günstigen Preisen – für teilweise unter 20 Euro im Vorverkauf – anzubieten?
Oli Gerhardt: Das fragen wir uns zum Teil tatsächlich auch. (schmunzelt) Wir wollen bewusst gegen die steigenden Preise steuern und gerade den Jüngeren ein niedrigschwelliges Angebot bieten. Kurz vor dem jeweiligen Event müssen wir uns natürlich einem gewissen Preisniveau anpassen. Aber wer unbedingt dabei sein will, aber nur einen kleinen Geldbeutel hat, kann über die Blind Tickets und Early Birds sparen.