Toni Schütze (tanztag. Schwerin) – GROOVE Resident Podcast 75 

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Seit 2011 ist der tanztag. eine feste Größe in Nachtleben Schwerins – erst als Open-Air auf einem verlassenen Palettenhandel-Gelände, dann, ab 2013, als Club in einer alten Lagerhalle im Stadtteil Görries. Die Wurzeln der Partyreihe reichen sogar noch weiter zurück. Bereits 2008 besetzten Toni Schütze und Heiko Gebhard ein leerstehendes Bürogebäude in der Schweriner Innenstadt. Aus dieser Erfahrung, der die Behörden ein Ende setzten, wurde der Wunsch geboren, etwas Dauerhaftes und Legales aufzubauen. So etablierte sich der tanztag. über die Jahre als einer der wenigen verlässlichen Elektronik-Institutionen in Mecklenburg-Vorpommern, die es schafft, international aktive DJs wie JakoJako, Efdemin, Steve Bug oder DJ Hell in die Landeshauptstadt zu holen. 

Unser tanztag.-Resident Podcast kommt von Toni Schütze, der oft für das Opening seiner Partys verantwortlich ist. Im Gespräch gibt er einen Einblick in die 18-jährige Geschichte der Partyreihe. 

GROOVE: Gegründet hast du den tanztag mit Heiko Gebhard. 2011 habt ihr begonnen, Open-Air-Partys auf einem Palettenhandel-Gelände in Schwerin-Süd zu veranstalten. Welche Community hat da gefeiert? Wer hat aufgelegt? Und: War es schlimm, bei jedem Termin um 22 Uhr aufzuhören?

Toni Schütze: Wir waren schon damals ein fester Teil der Community und tief in der Szene verwurzelt. Mit unseren eigenen Veranstaltungen wollten wir aber nicht einfach nur Teil davon sein, sondern die Szene aktiv mitgestalten. Sozusagen von der Community, für die Community. Unser Publikum von damals war und ist bis heute noch sehr ähnlich. Alle kannten sich untereinander – das ist bis heut so. Bei unserer zweiten Veranstaltung hatten wir als Gast-DJ Helena Hauff da. Damals noch recht unbekannt. 

International bekannte Namen gehören zu eurem Markenzeichen. 

Heiko und ich wollten natürlich unsere lokalen DJs spielen lassen, aber wir waren uns schon früh einig, dass wir auch immer wen Besonderen buchen wollen. So hatten wir bei den ersten Veranstaltungen Don Williams oder Rising Sun schon zu Gast. Das Format einer Tagesveranstaltung war zu der Zeit schon neu in der Stadt. Zwischen 21 und 22 Uhr war immer der Höhepunkt und klar war es für alle schwer, als die Musik dann ausging. Später haben wir die Zeiten etwas angepasst. 

Der tanztag. von außen (Foto: Binebosn)

Eure Ursprünge reichen sogar noch weiter zurück: 2008 habt ihr ein leerstehendes Bürogebäude in der Schweriner Innenstadt besetzt und dort acht Partys über zwei Jahre veranstaltet, bis die Behörden die Location schlossen. Was für ein Schritt war es, eine Location zu besetzen?

In dem Bürogebäude hatten Heiko und ich unsere Anfänge. Wir haben mit einer Silvester-Party angefangen und wollten die Räumlichkeiten nicht verlassen. Wir haben dann einfach weitergemacht bis wir zu einer Party mit Oskar Offermann plötzlich Besuch von Polizei und Ordnungsamt hatten, die uns das Gebäude versiegelten. Wir waren zu diesem Zeitpunkt auch einigen anderen Veranstaltern ein Dorn im Auge, gerade weil wir dort alles ohne Genehmigung gemacht hatten. Einige haben uns dann bei der Stadt gemeldet, dann war’s vorbei. 

Robag Wruhme leicht verschwommen beim tanztag. Schwerin
Schon viele große Namen haben das Line-up des tanztag. Schwerin geziert – hier blicken wir Robag Wruhme über die Schulter (Foto: Binebosn)

Gab es in Schwerin sowas wie eine Feierszene? 

Ja, in Schwerin gab es damals eine sehr starke Feierszene. Das geht sogar bis weit zurück in die Neunziger Jahre. 

Heiko und du – wie habt ihr euch kennengelernt? Wo habt ihr davor gefeiert? 

Heiko und ich haben uns im Jahr 2000 kennengelernt. Wir haben schnell gemerkt, dass sich unser Musikgeschmack ähnelt und viel über Musik, die Szene usw. gesprochen. Wir sind regelmäßig in der Gerberei gewesen oder in viele andere Clubs in MV gefahren. In der Zeit waren wir auch viel im Sommer auf Open-Airs unterwegs. Mit den Jahren sind wir immer mehr zu guten Freunden geworden. 

„Von Veranstaltung zu Veranstaltung haben wir dann immer ein bisschen länger als 0 Uhr gemacht – irgendwann ging es die Nacht durch.”

Seit 2013 befindet sich der tanztag in einer alten Lagerhalle in Schwerin-Görries. Mittlerweile ist daraus ein fester Club geworden, der einmal im Monat, von April bis September, geöffnet hat. Wie hat sich die Clubgründung ergeben? Warum habt ihr nur im Sommer geöffnet?

Wir sind 2011 auf einem Gelände einer Handelsfirma für Paletten gestartet. In der folgenden Monaten ergab sich aber eine neue Location, in die wir 2013 gewechselt sind. Anfangs haben wir dort in der neuen Location noch unsere Tagesveranstaltung gemacht. Mit der Zeit änderte sich das aber. Von Veranstaltung zu Veranstaltung haben wir dann immer ein bisschen länger als 0 Uhr gemacht – irgendwann ging es die Nacht durch. Der neue Ort war auch keine reine Open-Air-Location mehr, so wurde Halle von Monat zu Monat immer mehr ein richtiger Club. 

Ein Blick in die Crowd beim tanztag. Schwerin.
Von der speziellen Atmosphäre beim tanztag. Schwerin träumt so manche:r Touring-DJ (Foto: Binebosn)

Warum habt ihr nur im Sommer geöffnet?

Unser Konzept war anfangs ,nur im Sommer zu öffnen, da die Halle für den Herbst und Winter nicht so geeignet erschien. Mittlerweile haben wir aber ganzjährig geöffnet. 

Was für ein Publikum habt ihr? 

Wir ziehen mehrere Generationen an, die ältesten sind vielleicht 55, die jüngsten 25. Viele sind musikaffin und tief in der elektronischen Szene verwurzelt. Einige sind schon seit Jahren dabei und haben dadurch ein sehr gutes Gespür entwickelt, was musikalisch zu ihnen passt. Gleichzeitig ist unser Publikum offen für neue Sounds und Künstler – genau diese Mischung macht es für uns. 

Heute gilt euer Club als eine der wenigen verlässlichen Techno-Institutionen in Mecklenburg-Vorpommern, jenseits von Rostock. Wie ist euch das gelungen? 

Gute Frage. Uns war nie klar, wie sich das alles entwickeln wird. Wir haben einfach immer weitergemacht. Die Halle wird auch immer weiter umgebaut. Dann haben wir vermehrt wahrgenommen, dass wir mittlerweile weit über unsere Stadtgrenzen hinaus bekannt sind. Einen großen Anteil am Erfolg haben und hatten aber auch unsere Gäste, vor allem unser Stammpublikum, die einen einzigartigen Vibe bei uns kreieren. Gerade in den Morgenstunden, wenn es langsam hell wird, ist der Vibe ganz besonders. Das ist bei vielen DJs in Erinnerung geblieben und wurde weiter getragen. 

Wie schafft ihr es, global aktive DJs wie JakoJako, Efdemin, Steve Bug oder DJ Hell nach Schwerin zu holen?

Viele Agenturen kennen uns jetzt schon und arbeiten auch gerne mit uns zusammen. Das Line-up wird weiterhin bei uns mit an erster Stelle stehen. 

DJ Hell von hinten abgelichtet beim tanztag. Schwerin
Wem gehört der Silberschweif? Natürlich Hell! (Foto: Binebosn)

Zuletzt noch zu dir: Wie hast du die Clubmusik kennengelernt und wann bist du zum Auflegen gekommen?

Es gab 1997/98/99 einen Radiosender namens EvoSonic Radio. Es war der erste Sender der nonstop elektronische Musik gespielt hat. Dieser Sender hat mich maßgeblich geprägt. Durch EvoSonic habe ich angefangen, tiefer in die elektronische Musik einzusteigen und bin dann 1998 über die Werbung von Elevator DJ Equipment zu meinem ersten DJ-Set gekommen. 

Was für eine Art von Clubmusik interessiert dich persönlich, wie würdest du deinen Sound als beschreiben? Du bist meistens Opening- und Closing-DJ für eure Gäste – wie stellst Du Dich auf sie ein? 

Mein Musikgeschmack ist recht umfangreich. Zu Hause höre ich sehr gerne ruhige Sachen. Ambient, alte soulful Jungle- und Drum’n’Bass-Sets oder auch mal Filmmusik. Eine große Leidenschaft habe ich für Dub Techno, Dub House, Deep House und groovigen Tech-House-Sound. 

Du bist meistens Opening- und Closing-DJ für eure Gäste – wie stellst Du dich auf sie ein? 

Am wohlsten fühle ich mich ehrlicherweise als Opening-DJ. Die meisten Sets spiele ich bei mir im Club daher auch als Opening Act. Eher selten das Closing, was bisher vielleicht drei, vier Mal mal vorkam. Das mag auch daran liegen, dass ich mich den ganzen Tag vor und während der Veranstaltung um alles kümmere. DJs abholen, Personal und und und.  Da bin ich oft zu kaputt, um danach noch fünfStunden das Closing-Set zu spielen. Das überlasse ich eher dem ausgeschlafenen Gast-DJ. Zu dieser Zeit bin ich dann lieber selbst auf dem Dancefloor und genieße den Moment gemeinsam mit unseren Gästen. 

Der Blick in die Crowd beim tanztag Schwerin.
Zum Closing findet man Toni Schütze eher in der Crowd, hier aber auch fürs Foto hinter der Booth (Foto: Binebosn)

Was macht für dich ein gutes Opening-Set aus? 

Als Opening-DJ mag ich es, ruhig anzufangen und den Sound und das Tempo immer mehr zu steigern. Wenn der Dancefloor sich langsam füllt, die Gäste sich alle untereinander begrüßen und sich auf den Abend freuen, ist die Stimmung für mich ganz speziell. 

Zuallerletzt noch: Wie bist du deinen GROOVE Resident Podcast angegangen? Was hast du unseren Leser:innen kredenzt?

Der Podcast ist eine grobe Richtung des Sounds den ich auch in meinen Opening-Sets spiele. In diesem Fall geht es aber zum Anfang gleich los und wird zum Ende hin ruhiger. 

Tracklist:

1. Bauke Top – we‘re all just busy waking up man
2. Nikita SISOV & Gus Dee – Don’t forget Da Slipperz 
3. Matt Star – Deep Sphere (Jay Bliss Remix)
4. Julian Perez – Prosteishy Sputnik
5. Demuja – Field Memory
6. Delano Smith, Brawther – Symbiosis IV
7. Gerd – Plasmic Echo
8. Per Hammar – TX Files
9. Terri Wells, Roy Ayers – Holiday (Ben Rau Meta Remix)
10. Rhymos – Mirror Ball
11. Rhymos –Mojo in the Dojo
12. Echtzeit – Parafin

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