Der einflussreiche jamaikanische Reggae- und Dancehall-Schlagzeuger Sly Dunbar ist im Alter von 73 Jahren gestorben. Das bestätigte seine Frau gegenüber einer jamaikanischen Zeitung. Die genauen Umstände seines Todes sind nicht bekannt. Allerdings laborierte Dunbar, der als Hälfte des Musikerduos Sly & Robbie bekannt wurde, schon seit Längerem an einer schweren Krankheit.
Lowell „Sly” Dunbar wurde am 10. Mai 1952 in Kingston auf Jamaika geboren. Im Alter von 13 Jahren konnte er seine Mutter davon überzeugen, die Schule verlassen und sich der Musik widmen zu dürfen. Seine frühen musikalischen Einflüsse waren Otis Redding, Sly & the Family Stone und insbesondere Lloyd Knibb, Drummer der jamaikanischen Ska-Band Skatalites. 1973 trafen sich Dunbar und der Bassist Robbie Shakespeare erstmals. „Die erste gemeinsame Session war magisch. Wir haben sofort einen Groove gefunden”, so Dunbar. Gemeinsam spielten sie als Rhythm Twins in den Siebzigern mit den Revolutionaries, Peter Tosh, Dennis Brown und Barrington Levy. Dabei entwickelten die beiden ihren Rockers-Rhythm, eine energetische, von damaliger Disco-Musik inspirierte Abwandlung des zu dieser Zeit populären One-Drop-Rhythms.
In den späten Siebzigern spielte dieser rhythmische Ansatz eine tragende Rolle: Sly & Robbie übernahmen die Rhythm Section der Band Black Uhuru. Gemeinsam produzierten sie mehrere Alben, darunter auch Anthem, das 1985 mit dem Grammy als bestes Reggae-Album ausgezeichnet wurde. Dieser Erfolg führte zu größeren, genreübergreifenden Engagements auf Grace Jones‘ Soul-Dub-Fusion Nightclubbing oder auf Bob Dylans ungewöhnlich bandorientiertem, groovebewusstem Infidels.
Während der Achtziger begann Dunbar, mit analogen Drum-Machines zu experimentieren. „Ich will einfach nur Beats machen. Aber ich bin der Einzige, der programmiert”, sagte er dazu. Während die meisten seiner zeitgenössischen jamaikanischen Schlagzeug-Mitstreiter:innen den Einsatz elektronischer Musik scheuten, wurde sie für Sly & Robbie bald ein integraler Teil der Produktion und markierte den Übergang von Reggae zu Dancehall. Ihr „Bam Bam Riddim”, der aus einem einfachen Gitarren-Loop und Banghra-inspirierten, programmierten Drums besteht, wurde zur Grundlage vieler Dancehall-Klassiker. Für die 1999 erschienene LP Friends haben Sly & Robbie ihren zweiten Grammy erhalten.

Sly Dunbar hat weniger einzelne Sounds geprägt als eine Art rhythmisches Grundgerüst: seine reduzierten, präzisen Patterns mit Loop-Charakter und basszentrierter Energie bilden eine Groove-Philosophie, die sich – über Reggae und Dub hinaus – in der Art fortschreibt, wie heutige elektronische Musik Rhythmus, Wiederholung und Bass einsetzt. Gemeinsam mit Robbie Shakespeare, der bereits 2021 verstarb, stand er für den Einfluss von Dub und Reggae auf westliche Popmusik und die Professionalisierung schwarzer Studiomusik aus Jamaika.







