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[REWIND 2025]: Die Top 5 der Autor:innen

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Dieser Beitrag ist Teil unseres Jahresrückblicks. Alle Texte findet ihr hier.

Laura Aha 

Laura Aha (Foto: privat)

Fünf verlässliche Floor-Filler

2025 war das Jahr mit meinem persönlichen Negativrekord: Seit ich 2014 nach Berlin  gezogen bin, hab ich noch nie so wenige Clubs von innen gesehen. Vollzeitarbeit und Vollzeit-Rave-Passion gehen dann wohl leider doch nicht so gut Hand in Hand, wie ich mir das vorher ausgemalt hatte. 

Zum Glück haben trotz weitestgehender Shazam-Abstinenz ein paar verlässliche Floor-Filler ihren Weg in meine digitale Plattentasche gefunden. Und zum Glück war das mit der Vollzeitstelle dann doch nur ein übergangsmäßiger Testlauf. Der gute Vorsatz für 2026 steht damit dann wohl auch schon mal fest: Wir sehen uns auf dem Floor. Bitte gerne häufiger!

Schiela – In The Morning (Floorplan Remix) (Gudu Records)
Steffi & Virginia – Stab Stealer (Instrumental) (Dekmantel)
Packim – Acid Cocktail (Mélopée Records)
Doctr – Allez Allez (Polari Records)
Prince – I Would Die 4 U (Michael Lane Edits 001)

Tim Caspar Boehme

Tim Caspar Boehme

Top 5 der gediegenen Heimelektronik

Love Over Entropy – To Sit Quietly Where Everything Is Moving Fast (Something Happening Somewhere)
Sam Prekop – Open Close (Thrill Jockey)
Mor Elian – Solid Space (topo2)
Ø – Sysivalo (Sähkö)
Voices From The Lake – II (Spazio Disponibile)

Christoph Braun

Christoph Braun (Foto: privat)

Fünf Tracks, die 2025 immer wieder gut waren

Silent Era – Crescent Meadow (Of Paradise)
Erich Weinert Studioband – Trottoir
Neue Grafik – Modern Ifa (Rhyhtm Section International) 
Ø – Spiraalit (Re-Release)
John Glacier – Emotions (Young UK)

Elmar von Cramon

Elmar von Cramon (Foto: Privat)

Meine Top 5 Alben in 2025 (ohne besondere Reihenfolge)

Barker – Stochastic Drift (Smalltown Supersound)
JakoJako – Tết 41 (Mute)
Oneohtrix Point Never – Tranquilizer (Warp)
Tom Trago – Ignorance (Magnetron Music)
Voices From The Lake – II (Spazio Disponibile) 

Meine Top 5 Events (ohne besondere Reihenfolge)

.Vril & Wata Igarashi live @ Zenner
Electric Lights – Women in Electronic Music (Vol. 1 – Katja Ruge & JakoJako) @ Zeiss-Großplanetarium
Superbooth 2025
Voices From The Lake live @ ADE
Zerø BPM @ ADE

Stefan Dietze

Stefan Dietze (Foto: privat)

 Album-Top 5

Musik zum Dran-Festhalten war in 2025 einmal mehr unerläßlich. Kozes generationsübergreifend beliebtes Kollaborationsfeuerwerk war da für mich genauso wichtig wie das eine oder andere zeitlose (Dub-)Techno)Derivat.

Voices From The Lake – II (Spazio Disponible)
Mark Ernestus‘ Ndagga Rhythm Force – Khadim (Ndagga)
Oneohtrix Point Never – Tranquilizer (Warp)
DJ Koze – Music Can Hear Us (Pampa)
Carrier – Rhythm Immortal (Modern Love)

Frank P. Eckert

Ein Drittel von Frank P. Eckert (Foto: Privat)

Wenn es schwieriger wird, Authentizität und Underground von Inszenierung und Kommerz zu unterscheiden, ist vielleicht die Zeit gekommen, jetzt mal so richtig dagegen zu bollern. Deshalb: fünfeinhalb Banger für die avancierte Ratlosigkeit.

Ruthlss – Northern Lights (AMF)
Sensu – Rain (Headroom)
Ikonika – Listen To Your Heart (Hyperdub)
Surusinghe – FTRW! (dh2)
The Allegorist – From Birth Until Death (Awaken Chronicles)
Bonus: Kelly Lee Owens – 132 TECHNO (dh2)

Tom-Luca Freund 

Tree Sequoia, Kurt Kelly und Stacy Lentz mit GROOVE-Autor Tom-Luca Freund (Foto: Alexis Waltz)
Tree Sequoia, Kurt Kelly und Stacy Lentz mit GROOVE-Autor Tom-Luca Freund (li.) (Foto: Alexis Waltz)

Ich muss mich direkt am Anfang outen: Ja, ich höre gerne nach einem langen Tag auch mal konventionelle Musik. Im Strom des schier endlos erscheinenden Alltags darf es genauso Pop sein. Schließlich haben diese Songs ebenfalls ihre Daseinsberechtigung! Hier also: fünf Dance-Songs von Artists, die sich das Label „Underground” eher nicht ans Revers heften können.

FKA Twigs – HARD (Young Recordings)
oklou – choke enough (Because Music) 
Oscar Farrell feat. Sampha – Dream Therapy (dh2)
Rochelle Jordan – Ladida (EMPIRE)
Sofia Kourtesis & Daphni – Unidos (Ninja Tune)

Ferdinand Görig

Ferdinand Görig (Foto: privat)

Eine Bassline ist erst dann gut, wenn man sie mitsingen kann!

Top 5 Tracks:

JPEG – Bruk
Oldboy – Time Out
JTJ Productions, Sacha – No Means No
Emerson – Raw Deal Cocaine Kills
Blackmass Plastics (R.I.P.) – Pandemic

Bestes DJ-Set: Angel D’lite auf dem Mahagoni
Bestes Festival: Covisions
Beste Party: 15. Juli. 2025: Climate of Fear im backsteinboot

Philipp Gschwendtner

Philipp Gschwendtner (Foto: privat)

Meine 5 Alben 2025

Romeo Poirier — Off The Record
Barker — Stochastic Drift
Shabaka — Perceive Its Beauty, Acknowledge Its Grace
Andrew Pekler —  New Environments & Rhythm Studies
Sam Gendel, Nate Mercereau — digi-squires

Thaddeus Herrmann

Thaddeus Herrmann (Foto: Privat)

Beobachtungen 2025

# Abriss

The Notwist im Berliner Lido, 12. November 2025. Foto: Thaddeus Herrmann

Im November spielten The Notwist eine Reihe von Club-Gigs in Deutschland. Als „Pocket-Band”, also in kleiner Besetzung. Auf dem Programm standen dabei nur alte Songs, also deutlich vor der Neon Golden-Ära. Was für eine beeindruckende Präsentation von musikalischem Können. Radikal durchgespielt. Die steten Tempi-Wechsel entpuppten sich für mich als Dancefloor-Hasen, der sich nie für Hardcore und alles Artverwandte interessiert hat, dabei zu Beginn als durchaus herausfordernd. Dann erinnerte ich jedoch, wie man sich zu Musik auch bewegen kann. Die Weilheimer haben das Berliner Lido amtlich abgerissen. Mit Musik, die über allem thront und die TikTok nicht versteht. Das hat Hoffnung gemacht.

# Biennale Musica, Venedig

Orgel-Installation Elevations von Maxime Denuc bei der Biennale Musica 2025. Foto: Thaddeus Herrmann

Es lief ganz gut mit meiner CO₂-Bilanz 2025. Nur einmal stieg ich ins Flugzeug, um der Eröffnung der Musik-Biennale in Venedig beizuwohnen. Die zeitgenössische Avantgarde – das Festival-Programm wurde von Caterina Barbieri kuratiert – passt gut in die morbide und kaputte Grachten-Gondel-Illusion der Lagunenstadt. William Basinski, Rafael Toral, Fennesz, Suzanne Ciani, Moritz von Oswald, DeForrest Brown Jr., Nkisi und weitere fluteten die Historizität mit Beats, Krach und Emotionen. Carl Craig soll auch da gewesen sein. Mit am beeindruckendsten: die Orgel-Installation Elevations von Maxime Denuc. Der Komponist baut nicht nur sein eigenes Pfeifen-Orchester, sondern lässt es dann via Laptop klingen wie Vainqueur. Sagte er selbst bei der Premiere. Und das stimmt auch. Sanft, fordernd, deep: Die Orgel war 2025 vielleicht das beste Instrument überhaupt.

Wenn wir schon beim Thema Orgel sind: Das Album des Jahres 2025 ist Gleann Ciùin von Claire M Singer. Die Schottin komponiert auf historischen Orgeln Musik, die wir dringend zum Überleben, Klarkommen und perspektivischem Change brauchen. Drones, die keine Drones sind, und doch in aller Stille fulminant schmettern. Musik aus den Highlands für eine aus den Fugen geratene Welt. Ein Mantel der Hoffnung, der bleibt.

# Idyll

Im Brandenburgischen. Foto: Thaddeus Herrmann

Die Stadt ist nichts. True story.

# Perspektiven

Feuerwache mit Flutlicht-Option und Sitzgelegenheit. Foto: Thaddeus Herrmann

2026 kann nur gelingen, wenn 2025 nicht nur verdaut, sondern auch analysiert wird. Nehmen wir Platz auf der Bank, schlagen wir uns den Kopf blutig, lassen wir Druck ab und schmeißen den Ballast über Bord. Klingt random, ist aber unsere einzige Chance.

Lea Marie Jessen 

Lea Jessen (Foto: Privat)

Mein Instagram-Techno-Algo, 2025 & Ich – ein Resümee

Mein Gott, auch ich kann mich nicht freisprechen von der Instagram-Bildschirmzeit, die mein Handy für mich aus Peinlichkeitsgründen nicht zählt. Nach den Precht’schen Gesetzen liegt das wohl an meiner faulen Gen-Z-DNA, von daher: sorry, i can‘t help myself.

Jedenfalls sitze ich manchmal so da und schüttle wertend meinen Kopf wie so ein unsicheres Arschloch, na und? Manches finde ich gut, manches eben weniger. Aus manchem lerne ich, aus manchem nicht.

Hier einige digitale Highlights:

1. Paracek scheint die No-Photo-Policy ein durchaus ernstes Anliegen zu sein.
2. Gen-Z-Cis-Männer können anscheinend nur bei „Innerbloom x Vielleicht” Emotionen zeigen.
3. Ich like ausnahmslos alle Videos mit der Caption: „House music fans when the beat repeats for 8hrs”.
4. Felix Lobrecht ist jetzt Techno-Produzent.
5. Ich präferiere die gleiche Post-Club-Schlafenszeit wie H.P. Baxxter.

Liron Klangwart

Liron Klangwart (Foto: privat)

One World, One Groove
Musik als Zeichen des Friedens

Musik, die Grenzen überwindet. In einer Welt, die einerseits immer enthemmter und andererseits immer restriktiver wird, erinnern Künstler:innen aus allen Himmelsrichtungen daran, dass Respekt, Fairness und Friedfertigkeit stärker ist als jede Trennung. Wer beglückt ins neue Jahr 2026 und dort weitertanzen will, bekommt hier meine Empfehlungen aus 2025 für 2026.

Adir Jan – Al Mast (Trikont)

Ja, ja, Berlin, München! Mit Al Mast hebt Adir Jan seinen Stil der „Cosmopolitan Kurdesque” noch einmal auf eine andere Ebene. Kurdische Melodien treffen auf Rock, Pop und queere Poesie. Irgendwo zwischen Trauer und Ekstase, Verlangen und Aufbruch singt der Berliner Musiker von Liebe, Freiheit und Selbstbestimmung. Zum Auflegen – „Melé” ist eine Bombe. Ach ja, und checkt bitte, was auf dem wahrscheinlich ältesten Independent-Label der Welt – Trikont ist sein Name – aus München immer wieder erscheint; seine erste Veröffentlichung in den Sechzigern war die Mao-Bibel.

AMMAR 808 – Club Tounsi (Glitterbeat)

AMMAR 808 gilt als einer der spannendsten Grenzgänger zwischen traditioneller nordafrikanischer Musik und futuristischer Elektronik. Mit Club Tounsi verwandelt der Tunesier Sofyann Ben Youssef die vibrierende Folklore Tunesiens in ein basslastiges, zeitgenössisches Tanzfloor-Erlebnis. Im Zentrum steht Mezoued, die Musik der tunesischen Arbeiter:innen und Ghetto-Kulturen, geprägt von Sufi-Hymnen, Malouf-Melodien, arabischen Skalen und archaischen Folksongs. AMMAR 808 koppelt diese Rhythmen an pulsierende Basslines, schimmernde Synths und maschinenartige Drumloops.

Cósmica Bandida – Fieras (Trikont)

Das kolumbianisch-deutsche Duo Cósmica Bandida entfacht auf seiner zweiten LP Fieras einen tanzbaren, verführerischen Sound zwischen Cumbia, Elektronik und Pop. Songs wie Tiburón Blanco oder Volcán lodern vor Sinnlichkeit und Energie, kreieren ein wahrhaft hypnotischen Klangkosmos. Mein Favorit ist „Semisweet”. Nicht so sehr Cumbia, dafür eine zündende Discobombe. Sweet!

Derya Yıldırım & Grup Şimşek – Yarin Yoksa (Big Crown Records)

Die in Deutschland geborene Sängerin und Baglama-Spielerin Derya Yıldırım macht ihr eigenes Ding aus anatolischem Folk sowie weirder Psychedelia, funkigem Rhodes, deepem Soul und einer zutiefst menschlichen Poesie. Das neue Album Yarin Yoksa ist eines der Hoffnung und des Widerstands – voller spiritueller Wärme, politischer Kraft und hypnotischer Grooves. Respekt an DJ, Vinyl-Nerd und Kultur-Tausendsassa Sebastian Reier (MK Musik, Pudel Club etc.), der das Potenzial der Musiker:innen erkannte und diese Band zusammengeführt hat.

VA – Habibi Funk 031 – A Selection of Music From Libyan Tapes (Habibi Funk)

Wer seine Roots nicht kennt, wird seine Zukunft nicht erfassen! Habibi Funk aus Berlin ist als musik-archäologisches Label und nicht hoch genug wertzuschätzen! Bombe! „Zannik” von Khaled Al Reigh ist ein Cover von Pink Floyds „Another Brick in the Wall (Part II)” und auf dieser Compilation enthalten, die seltene Schätze aus der libyschen Musikszene der späten Achtziger bis frühen Zweitausender ans Licht bringt: Disco, Reggae, Pop, House und Funk. Viele Tracks wurden von Kassetten der legendären TK7-Fabrik gerettet oder in improvisierten Sessions digitalisiert. Die Songs kombinieren nordafrikanische Rhythmen, arabische Melodien und tiefe afrikanische Wurzeln – ein lebendiger Einblick in Libyens vielseitige Club- und Popkultur.

Karma Sheen – Nazar (Privat)

Erst 2025 entdeckt! Karma Sheen aus London erschaffen mit Nazar ein Geflecht aus Psychedelia, Sufi-Vibes, klassischem südasiatischen Erbe und westlichem Postpunk – eine transkulturelle Klangreise. Fuzz-Gitarren treffen auf Tabla-Grooves. Nazar ist spiritueller Energieschub und tanzbarer Befreiungssound. Wer mal die Chance hat, Karma Sheen live zu sehen, sollte diese nicht verpassen.

Mark Ernestus‘ Ndagga Rhythm Force – Khadim (Ndagga)

Mit dem Album Khadim (GROOVE-Album-des-Monats im Mai) hat Mark Ernestus vier Stücke bis auf ihr spirituelles Skelett reduziert, getragen von Sabar-getriebenen Polyrhythmen und der markanten Stimme von Mbene Diatta Seck. Aus dieser Reduktion entsteht eine hypnotische Spannung zwischen Trance, Gebet und politischer Erinnerung – Musik, die beschwört. Zwischen Dub-Atmosphäre, Slow-Motion-House und sufitischer Tiefe entfaltet sich ein Sound, der sich jeder Funktion verweigert und dennoch eine starke Sogwirkung hat.

Simon Popp – Trio (Squama)

Squama um Martin Brugger und Maximilian Schachtner haut eine Überraschung nach der anderen raus – checkt auch die mongolische Sängerin Enji –, dieses Mal eine Platte mit drei Schlagzeugern. Mit Trio definiert Schlagzeuger und Klangarchitekt Simon Popp mit Flurin Mück und Sebastian Wolfgruber den Begriff des Rhythmus neu. Ihre hypnotischen Kompositionen verbinden polyrhythmische Präzision mit improvisatorischer Offenheit. Zwischen akustischer Tiefe und elektronischem Puls entsteht eine meditative Klanglandschaft, die den Raum zwischen Jazz, Minimal und Percussion auslotet.

Sinem – Köşk (Fun in the Church)

Anatolische Klänge im Post-Punk-Gewand. Sinems Köşk bricht mit Konventionen. Das Münchner Kollektiv rund um die Sängerin Sinem Arslan Ströbel verbindet anatolische Musik mit der Energie des Postpunks. Klassiker von Selda Bağcan und Cem Karaca werden neu interpretiert – rau, ungestüm und mit politischem Unterton. Ein Album, das provoziert und berührt.

Sufi Dub Brothers – The Return of the Sufi Dub Brothers (Fun in the Church)

Der nächste Wurf! Wenn Ashraf Sharif Khan an der Sitar und Viktor Marek an den Reglern aufeinandertreffen, entsteht Spiritualität im tanzbaren Bassbereich – und das aus Hamburg City. The Return of the Sufi Dub Brothers ist zugleich Ritual und Rave – Ragas, Dub und Acid in einer ekstatischen Allianz von Vergangenheit und Zukunft. Musik als Trance, Gebet und Groove. Frisch aus dem Presswerk.

Ehrenplatz

2015–2025: Les Disques Bongo Joe – 10 Years of Sonic Explorations (Bongo Joe)

Das Genfer Label Bongo Joe feiert mit seiner Compilation 2015–2025: Les Disques Bongo Joe – 10 Years of Sonic Explorations ein kleines, aber höchst ambitioniertes Jubiläum. Wer sich fragt, wie man ein Label zu einem Ort für Entdeckungen und Grenzüberschreitungen machen kann, findet hier die Antwort: Auf zwei LPs und in digitaler Form vereinen die Macher:innen archivarische Schätze, exotische Gegenwartsprojekte und Überraschungen, die man sonst nur in den geheimen Plattenläden dieser Welt findet. Die Compilation ist ein Kaleidoskop transkultureller Klangwelten: von der Maloya des Alain Peters über hypnotische Cumbia der Mauskovic Dance Band bis zu den elektronischen Extravaganzen von Esplendor Geométrico. Auch junge Projekte wie Yalla Miku oder Dressed Up Animals zeigen, dass Bongo Joe nicht nostalgisch verharrt, sondern aktiv Geschichten aus der Gegenwart erzählt – Geschichten von Migration, von musikalischer Kollaboration und von der Freude am Experiment. Track-Highlights, die ins Ohr und ins Herz gehen, sind etwa „Goca Dünya” von Altin Gün, „Moscu está helado” von Esplendor Geométrico oder das zutiefst hypnotische „Nem Kaldı” von Derya Yıldırım & Grup Şimşek. Jeder Titel ein eigenes Universum – und doch zusammen ein Manifest des Entdeckens, des Staunens, des Friedens durch Klang. Bongo Joe erinnert uns daran: Musik ist grenzenlos wie die Welt, in der wir leben, vielschichtig und überraschend. Wer in dieser Compilation schwelgt, hört nicht nur Songs – man hört eine Philosophie, eine Haltung und zehn Jahre kompromisslose, liebevolle kuratorische Arbeit.

Ben-Robin König 

Ben-Robin König (Foto: Privat)

Fünf Tipps für üppige Kulturförderung

Eine Briefkastenfirma gründen und ein Projekt gegen Antisemitismus erfinden (Standort Berlin)
Kontakte zu Politikern vermitteln, selbstredend durch Treuhänderschaft verwaltet
Ein KI-Feature anbieten und Daten abgreifen
Eine (Stadt)autobahn sein
Klappt immer: sich öffentlich über Schmutzkampagnen und verengte Meinungskorridore beklagen, zur Not ein Buch drüber schreiben; Widerspruch mit Pogromen

Katharina Pittack 

Katharina Pittack (Foto: privat)

Erste Male

Für mich war 2025 ein Jahr voller schöner Augenblicke – und vor allem voller wundervoller, unvergesslicher erster Male. Einige dieser Premieren sind dabei besonders in Erinnerung geblieben: 

Mein erstes Mal auf der Fusion (25.06 – 30.06.2025)
Zwischen Reizüberflutung, Überforderung und Staunen – trotzdem eine meiner liebsten Erinnerungen dieses Jahr.

Das erste Mal auf einem Float bei Rave the Planet – Verknipt Float (12.07.2025)
Rave the Planet mal von oben sehen. Trotz Regen und Unwetter ein unvergesslicher Tag.

Mein erstes Ikkimel-Konzert – Ikkimel&Friends (06.09.2025)
DJ-Sets, Mausi-Pop und fotziger Rap an einem letzten warmen Spätsommertag – ein perfekter Moment, um den Sommer ausklingen zu lassen.

Mein erstes Mal Lunchbox Candy (20.09.2025)
Schon seit Ewigkeiten wollte ich Lunchbox besuchen, im September diesen Jahres habe ich es endlich geschafft – seitdem ist sie eine meiner Lieblingspartyreihen.

Das erste RE:SET Festival (26.11-01.12.2025)
Tanzen zu guter Musik in einer atemberaubenden Kulisse – für mich das perfekte Ende der diesjährigen Festivalsaison.

Mathias Schaffhäuser 

Mathias Schaffhäuser (Foto: privat)

Top 5: Sprachspaß, Denkstoff und Futter für die Zuversicht in Buchform (und alphabetischer Reihenfolge):

Alida Bremer –Tesla oder die Vollendung der Kreise
Arthur Koestler – Mit dem Rücken zur Wand – Israel im Sommer 1948
Dietmar Dath – Skyrmionen oder: A Fucking Army
Fatin Abbas – Zeit der Geister
Jo Lendle – Die Himmelsrichtungen
Bonustrack: Victor Klemperer – Tagebücher 1918–1919

Leon Schuck

Leon Schuck (Foto: Privat)

Top 5 Probleme des Jahres, die, mit der Gesamtsituation im Hinterkopf, dann doch keine waren

1. Der zurückgelassene Schlüssel im verriegelten PKW
2. Der Piercer und die erneut aufgerissene Wunde
3. Die selbst angemischte Naturwandfarbe, die wegen fehlender Beratung auf dem Wertstoffhof landete (zweimal)
4. Der missglückte Versuch einer eigenen Cannabis-Ernte
5. Die (fast, aber dafür ziemlich lange) verschollene Schallplatte aus Irland

Pia Senkel 

Pia Senkel (r.) (Foto: Privat)

Meine liebsten Festival-Sets 2025
Kaum ein Jahr ist so schnell verflogen wie 2025. In kaum einem anderen Jahr kann ich auf so viele Clubnächte, Festivals, Reisen, Besuche, Hochzeiten und Sportwettkämpfe zurückblicken. Dementsprechend war es gar nicht so einfach, mir eine Top 5 zu überlegen. Für diesen Rewind habe ich versucht, mich zu den besten Sets auf den von mir besuchten Festivals zurückzufühlen.

Grace Thompson auf dem An der frischen Luft
An der frischen Luft ist ein kleines Tagesfestival im Strandbad Erkner, auf dem man zu einem supergünstigen Preis viele tolle Techno- und Psytrance-DJs sehen kann. Was die Veranstaltung für uns so besonders gemacht hat: Es war einer der ersten warmen Tage im Mai, die Bühnen stehen direkt am See und man hatte automatisch das Gefühl, dass das der offizielle Start der Festivalsaison sein muss. Ein Highlight war das Set von Grace Thompson, die übrigens auch schon für das nächste Jahr zum zehnjährigen Jubiläum des Open Airs angekündigt wurde.

Cloudy auf dem HIVE
Ich war dieses Jahr zum dritten Jahr in Folge auf dem HIVE, und ich kann wirklich gut verstehen, dass einigen Besucher:innen die ganzen TikTok-Raver:innen auf dem Festival auf die Nerven gehen. Nichtsdestotrotz hat das HIVE für verschiedene Genres einfach ein unvergleichbares Line-up, das ich mir auch im nächsten Jahr nicht entgehen lassen werde. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir das Set von Cloudy. Am Ende ihres anderthalbstündigen Schranz-Sets voller Energie spielte sie den Contec-Edit von „Als du gingst” von Lina Maly, den ich seit Anfang des Jahres rauf und runter hörte – bis der Originalsong im März bei der Beerdigung eines guten Freundes lief. Immer wieder sehr emotional, trotzdem sehr schön, den Track auf der riesigen Techno-Castle-Stage gehört zu haben.

Alien Art auf dem Boom
Dieses Jahr war mal wieder Zeit für ein Psytrance-Festival – deshalb ging es nach Portugal zum Boom. Dort haben wir nicht nur Menschen wiedergetroffen, die wir vor ein paar Jahren auf dem Ozora in Ungarn kennengelernt haben, sondern auch viele neue DJs entdeckt. Ein Set, an das ich immer wieder denken muss, ist das von Alien Art. Ich bin ein großer Fan von Ace Ventura und Captain Hook, aber ihr gemeinsames Projekt kannte ich bis zum siebten und letzten Abend des Festivals noch nicht. Was ich beim Gedanken an das Set aber vor allem vor Augen habe, ist eine Gruppe junger Männer, die gefühlt jeden Track und jeden Drop in- und auswendig kannten, ihre Moves komplett an die Musik angepasst haben und wirklich nicht glücklicher hätten aussehen können.

Jan Blomqvist auf dem Bucht der Träumer
Bucht der Träumer war sowohl dieses als auch letztes Jahr das perfekte Festivalsaisonende. Anders als beispielsweise auf HIVE haben wir uns hier von der Musik treiben lassen, uns weniger mit dem Timetable beschäftigt und sind einfach von Bühne zu Bühne gelaufen, wie es uns gepasst hat. Das Closing von Jan Blomqvist auf der Atlantis Stage war der krönende Abschluss: ein verträumtes Set, bei dem man die Welt um sich herum für einen Moment vergessen konnte.

Héctor Oaks auf dem Dalma Festival
Im Dezember ging es noch zum Dalma Festival nach Malta: zwei Bühnen in einer Messehalle, starkes Line-up. Weil ich Héctor Oaks schon lange nicht mehr live gesehen habe, habe ich mich ganz besonders auf sein Set gefreut – und wurde nicht enttäuscht. Eine tolle Mischung zwischen düsteren, dumpfen Bässen und Gute-Laune-Sounds.

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