Berliner Holzmarkt: Viva con Agua baut Gästehaus

- Advertisement -
- Advertisement -

Viva con Agua initiert den Bau eines Gästehauses auf dem Gelände des Holzmarkt, das Villa Viva. Das Gästehaus, das bewußt kein Hotel sein soll, wird 155 Zimmer haben und 2027 eröffnen, es knüpft an ein weiteres Villa-Viva-„Gasthaus” in Hamburg an.

Es wird vom Holzmarkt gemeinsam mit sozialen Investor:innen und der Villa Viva gebaut. Die günstigsten Übernachtungen im Camping Ground sollen unter 20 Euro pro Nacht kosten.

Der Gesellschafter Viva con Agua de Sankt  Pauli e.V., so der vollständige Name, ist ein gemeinnütziger Verein, der Menschen mit sauberem Trinkwasser und Sanitäranlagen versorgen will. Er wurde 2006 von Ex-St.-Pauli-Spieler Benjamin Adrion gegründet. Ihm geht es primär darum, den Sinn von Viva con Agua zu vermitteln und zu unterstreichen, dass es sich nicht etwa um einen Mineralwasserherrsteller handelt, wie manche Menschen glauben, erklärt er heute morgen auf der Pressekonferenz im Holzmarkt.

„Wir kommen aus der Partyszene, wir freuen uns, das Thema der sozialen Verantwortung mit in unser Projekt zu kriegen. Dazu gehört nicht nur, für sauberes Wasser zu spenden, sondern auch sich auszutauschen und gemeinsam zu feiern”, beschreibt Christoph Klenzendorf, Geschäftsführer des Holzmarkt die Motivation für die Zusammenarbeit mit dem Verein.

Die Pressekonferenz am 17. Juli 2025 – ganz rechts Viva-con-Agua-Gründer Benjamin Adrion (Foto: Alexis Waltz)

Der Holzmarkt arbeitet schon seit 2016 an einem Hotelbau, war mit einem anderen Partner aber gescheitert. Die Stiftung Abendrot, Eigentümer des Geländes, drohte, die Fläche einem Holzmarkt-fremden Investor zur Verfügung zu stellen.

Die Konstruktion ist dabei nicht so leicht zu verstehen: Viva con Agua tritt ausdrücklich nicht als Betreiber des Hauses auf. Investoren sind eingeladen, Geld in das Projekt zu schießen – aber nur um das Kapital zu erhalten, nicht um Rendite zu erwirtschaften.

„Als libertären Ort in einem ganz anderen Umfeld”, sieht Architekt Christopher Pätzold den Holzmarkt. Diese Sichtweise fließt in das Hotelkonzept mit ein. „Unsere Planung geht zurück auf die Idee des Hotels im 19. Jahrhundert als sozialer Knotenpunkt, auch für Menschen, die nicht hier übernachten, sondern sich treffen und austauschen.”

Hotelprojekte sind in einer Stadt, die unter extremem Mangel an Wohnraum leidet, umstritten. Das als Social Business konzipierte Gästehaus grenzt man sich von diesen Entwicklungen ab. Für das Hamburger Haus haben Kapitalgeber wie Jan Delay oder Bela B. 5,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, in Berlin hat sich eine „Shareholdergang” zusammengefunden. Dass es sich bei dem Haus ohne Profitinteresse um ein Experiment mit offenem Ausgang handelt, unterstreicht auch Benjamin Adrion, der ausdrücklich nicht als Betreiber des Hauses auftritt, sondern nur als Initator von Viva con Aqua.

„2003 ging es hier mit der Bar 25 los”, sagt Christoph Klenzendorf am Ende der Pressekonferenz zusammenfassend. „Wir sind gegangen, aber wir wussten, dass wir wieder zurückkehren wollen.”

So entstand zwischen 2013 und 2017 das Quartier zwischen Holzmarktstraße und Spreeufer als Zusammenarbeit der Genossenschaftsmitglieder, der Schweizer Stiftung Abendrot und der Umweltbank. Dort sind Kulturschaffende tätig, es gibt einen Kindergarten und verschiedene gastronomische Betriebe, etwa den Technoclub Kater Blau. Und ab 2027 auch ein Gästehaus.

In diesem Text

Weiterlesen

Features

Aena Spitz von der Nation of Gondwana: „Ein beschwingter soft start, aber mit Partycharakter”

Dem ein oder anderen Unkenruf zum Trotz findet die Nation of Gondwana auch 2026 statt. Alle Neuerungen erfahrt ihr hier.

Fritz Dyckerhoff und Christoph Klenzendorf verabschieden sich von Hari: „Hari hatte die Ruhe in sich, er hat Menschen und Clubs miteinander verbunden”

In unserem Beitrag erinnern sich zwei Freunde an Hari, der Feierzirkel auf der ganzen Welt zusammengebracht hat.

MCR-T über Bluetooth speaker culture: „Wir wollen die Leute daran erinnern, dass sie zusammenkommen sollen und keiner ausgeschlossen wird” 

Der Berliner Rapper, Producer und DJ erklärt, warum er im Gleisdreieckpark Hausverbot hat, welche Schlüsse er aus dem Film „The Truman Show” zieht – und was in der Clubkultur heute manchmal falsch läuft.