MCR-T über Bluetooth speaker culture: „Wir wollen die Leute daran erinnern, dass sie zusammenkommen sollen und keiner ausgeschlossen wird” 

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Unser tiefgreifendes Interview mit MCR-T liegt nun schon eineinhalb Jahre zurück – Zeit für einen Check-in mit DJ, Produzenten und Rapper, den wir kurz vor einem Warschau-Gig im Hotel erwischen.  

Ausgangspunkt für unser Gespräch ist die auf dich zugeschnittene Soundboks-Box, die jüngst erschienen ist. Was interessiert dich an dem Thema?   
Ich bin die Person im Freundeskreis, die immer jegliche Größen von Boxen in petto hat. Überall verwandele ich mein Umfeld in einen Dancefloor, in einen Club – oder einfach nur in ein Gelage. 

Wie hat das angefangen? 

In der Corona-Zeit haben wir uns jeden Tag draußen zum Trainieren getroffen. Irgendwann haben wir uns mit Soundboks in Verbindung gesetzt, ob die uns nicht supporten möchten. Schließlich konnten wir im Lockdown nur draußen zusammenkommen – auch bei Schnee und Eiseskälte.

Wie haben sie reagiert? 

Die Soundboks hat sich als absolutes Highlight erwiesen. Auch bei Minustemperaturen mit Clubsound draußen zu sein, das hat unser Leben bereichert. Der Gedanke, dass man überall eine mobile PA dabei hat, die in kleinen Räumen einen relativ clubähnlichen Sound erzeugen kann, das ist für mich das Arsch-auf-Einer-Prinzip. Damit kann ich mich identifizieren. 

Wie bist du mit Soundboks in Kontakt gekommen? 

Im Zuge dessen lag ich denen sechs Jahre in den Ohren, habe die immer wieder freundlich bedrängt und meinte: Oh mein Gott, ey, ich brauche das. Und ich nehme sie überall hin mit. Dabei habe ich schon Hausverbot im Gleisdreieckpark. Wenn ich mit meiner Box auftauche, dann kommen die Bullen. 

Tatsächlich? 

Ich saß mal am Schlachtensee, bin live gegangen auf Instagram und meinte so: Folgt dem Sound und: Wir brauchen Bier. Neben Supportern mit Bier kam dann auch das Ordnungsamt. Ich kann es nur wiederholen: Diese Box und ich sind eins, meine Nachbarn hassen diesen Trick. Sie ist Teil von mir – und damit auch Teil unserer gemeinsamen Experience als Raver und DJs. 

Nun ist tatsächlich eine Limited Edition mit Soundboks entstanden, die in kürzester Zeit ausverkauft war – was war da die Idee? 

Wir wollen die Leute daran erinnern, dass sie zusammenkommen sollen, dass keiner ausgeschlossen wird, dass niemand vereinsamt und in Depressionen verfällt. Dieses Gerät bringt diese Essenz des eigentlichen Zusammenkommens zum Ausdruck. Big Room, ja, toll, Festival, geil. Angefangen hat es aber beim Atzen im Wohnzimmer und in der Schulzeit auf der Parkbank. 

Was hast du da für Erinnerungen? 

Man kannte sich nicht, aber irgendjemand hatte Musik dabei. Weil man sich jeden Tag sieht, wurden aus Fremden auf einmal Bekannte. Diese Gedanken fand ich sehr extrem aufbauend und fitting. 

Darin steckt auch das klassische US-HipHop-Moment aus den 1980ern und 90ern.   

Das ist das Mit-wenig-viel-machen-wollen. Ja, Vorbild ist tatsächlich der HipHopper, der mit dem Tape-Recorder in New York an der Corner chillt. Das war der Spirit, das ist geil, man chillt an der Ecke. Man braucht bloß zu sitzen, man kann auch liegen, was auch immer. Die Soundboks ist Stellvertreter des Tapecorder – bloß, dass sie zu stark ist für das Umfeld. 

Was hast du seit unserem letzten Interview zum Album-Release von Not The Same≠  gemacht? 

Nach Not the Same ≠  hat sich die Formel nicht geändert. Wir waren weiterhin einfach im Studio und saßen schon am nächsten Release. Danach kamen neue Gedanken, wir haben analysiert, was gut lief und was weniger gut lief. Und da haben wir uns eigentlich schon aufs nächste Projekt konzentriert, auf Club Erotica. Und ja, seitdem schweben wir frei im Gig-Bereich – und bereiten uns für das Release des neuen Projekts vor, was gestern abgegeben wurde. 

Wow, Glückwunsch. In was für eine Richtung geht der? 

Es ist das erste Album mit einem Studio-Mindset im Sinn von kürzere Tracks. Wir erzählen die Sachen eher kürzer als länger, raus aus dem Gedanken, Alben zu lesen wie DJ-Sets und rein in den Gedanken, Alben zu lesen wie ein Energieaustausch, bei dem Geschwindigkeit keine Rolle spielt, sondern die Track-Reihenfolge.

Bei Not the Same hast du einen narrativen Ansatz verfolgt, du erzählst eine Geschichte.  

Das neue Album wird IRL heißen, in real life. Ich hab’ ganz viele Filme geguckt und irgendwann auch The Truman Show nachgeschaut. Und hab’ mir darüber Gedanken gemacht, wie schwer das ist, präsent zu sein im Moment, wenn wir Musik konsumieren, wenn wir im Club sind, etc. Da hab’ ich so meine Parallelen gefunden. Jeder schaut sensationsgeil auf Truman und belustigt sich. Er steht immer unter Beobachtung – aber er im Narrativ kontrolliert gar nichts. 

Der Jim-Carrey-Charakter versucht auszubrechen.  

Das ist jetzt der Ansatz mit IRL. Wir möchten anders als er unsere eigenen Narrative kontrollieren und im Moment sein. Dann bauen wir halt unsere Tracks hinter diesem Narrativ. 

Was ist die Truman Show, in der du steckt? 

In Real Life ist das aktuell der Tanz mit dem Teufel, dass man Möglichkeiten hat, Türen öffnen sich. Und je mehr Türen sich öffnen, desto mehr möchte man alle Optionen wahrnehmen und denkt, man tut sich damit einen Gefallen. 

Das ist aber ein Irrtum? 

Vorne scheint alles zu laufen, weil es im Internet gut aussieht. Auch wenn jetzt die persönlichen Probleme aus dem letzten Album besiegt sind, stehen jetzt Alltagsprobleme und Touring-Artist-Probleme an der Tagesordnung. 

Mit was hast du da zu kämpfen? 

Mit zwei, drei Tourdates pro Woche, Travel und Ping-Pong-Reisen über den Atlantik oder God knows where ist man immer gefordert, maximale Energie zu liefern mit gefüllter Social Battery. Was ich gerne mache und gut mache, aber die Leute unterschätzen das. Die gehen rein, um Party zu machen. Für uns ist das aus der Performer-Perspektive halt nicht nur Leben, auch nicht nur Job. Das kostet immens viel Energie. Und Leute denken, dass das ein glamouröses Leben ist. Das ist es aber nicht. Auch das zeigen wir In Real Life

Was für Schlüsse ziehst du daraus? 

Wir gehen in mehrere Ebenen rein. Eins, wir schießen gegen die Szene, weil die Szene in so einer Idiokratie verfällt, in der die unwichtigsten und die dümmsten belohnt werden und diejenigen, die am lautesten schreien und nicht die, die am meisten drauf haben. Das nervt, das stellen wir in Frage. Zwei, dass auch das Konsumverhalten von Musik und wie wir uns Verhalten in Clubs extrem maßgeblich ist für die in Punkt 1 dargestellte Verblödung. 

MCR-T (Foto: MCR-T)

Wie hast du diese Statements zu Songs verarbeitet? 

Meine Aufgabe war dann wieder, Conscious Music in einer unconscious Verpackung zu machen, zu gucken und zu hoffen, dass man Sachen so im Unterbewusstsein wahrnimmt, die dann doch deeper sind als sie zunächst erscheinen. 

Du hast ein trojanisches Pferd eingebaut. 

Ja, es ist Entertainment, am Ende des Tages. Musik, bei der man zuerst abgeht und dann genau hinhört und sich denkt: Oh, darum geht’s. Die Leute denken: das ist ein Star mit einem Starleben, bei dem alles geleckt ist. Du musst nichts machen und verdienst dir die Nase lang und krumm. 

Was ist anders? 

Dabei ist der Verfall deiner sozialen Kontakte ständig präsent. Du verpasst jeden Geburtstag deiner Freunde, verpasst jedes Gathering, Familientreffen, wichtige Geburtstage. Das ist der Trade-off. Du kannst kaum romantische Beziehungen pflegen, auch, weil auch du in einem besonderen Licht stehst. Es bestehen viele Vorurteile darüber, wie du menschlich bist als DJ. Es gibt Erwartungshaltungen innerhalb Beziehungen, gerade weil das Image vom tourenden Künstler so verkorkst ist. 

Und wie klingen die Songs? 

Im Endeffekt wollen sie Entertainment machen. Es gibt Lieder, die kritisieren ein bisschen. Es gibt Lieder, die flexen ein bisschen: Hey, wir sind tough und wir sind gemacht für den Scheiß. Wir sagen: Hör zu und guck, das ist das, was es kostet. Und das ist nicht für jedermann. Und die Leute, die du vielleicht jetzt oben siehst, weil sie ganz schnell aufgestiegen sind, das sind vielleicht auch Leute, die dann trotzdem nicht gemacht sind dafür. Die auch genauso schnell wieder fallen. 

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