Münchens Clubkultur hat es traditionell nicht leicht: Hohe Mieten, Schikanen durch die Exekutive und die fortschreitende Gentrifizierung sind drei Faktoren, die in der bayerischen Landeshauptstadt besonders schwer wiegen. Umso größer war die Freude in der dortigen Szene, als 2023 mit dem LEGAL ein neuer Club eröffnete. Verantwortlich dafür waren neben Philipp Fritz und David Schmied Oliver Schmitt und Almedina Hadzic, die den Club nicht nur mitbetreiben, sondern immer wieder auch als Residents bespielen.
Uns haben sie im Interview erzählt, was sie sich bei ihrem gemeinsamen Mix für den GROOVE Resident Podcast gedacht haben, wie sich die Münchner Clublandschaft seit der Eröffnung des LEGAL entwickelt hat und welchen Problemen sich das House-Refugium in der Thalkirchner Straße gegenübersieht.
GROOVE: Ihr spielt eigentlich nicht zusammen. Wie seid ihr euer gemeinsames Set angegangen?
Olli: Das war für uns eine spannende Geschichte. Wir kommen aus leicht verschiedenen Richtungen, die aber gut miteinander kombinierbar sind. Wir wollten sie so zusammenführen, dass es Sinn macht.
Wie habt ihr es mit dieser Aufgabe obendrein noch hinbekommen, den Sound des LEGAL zu treffen?
Almedina: So grundverschieden klingen wir nun auch nicht, verschieden ist eher unsere jeweilige Energie. Musikalisch repräsentieren wir den Club aber beide gut. Es geht aber nicht nur darum, was Olli und ich spielen. Das LEGAL ist stilistisch breit gefächert. Außerdem haben wir uns überlegt, ein Set aufzunehmen das man gut im Auto, bei der Arbeit und mit Freunden Zuhause beim Abhängen hören kann. Deshalb ist es etwas entspannter und weniger clubbig, als wenn wir einen Dancefloor bespielen.
Hattet ihr eine bestimmte musikalische Vision, als ihr den Club aufgemacht habt?
Olli: Nicht auf dem Papier. Sie entstand dadurch, dass wir mehrere Betreiber sind: Philipp Fritz und David Schmied haben das LEGAL im März 2023 mit uns eröffnet. Wir kommen alle aus der Szene und hatten deshalb alle eine gewisse Vorstellung davon, wo wir mit dem LEGAL hinwollen. Tatsächlich hat sich alles aber erst konkretisiert, als wir den Raum gebaut und schließlich aufgemacht haben. Dann wurde relativ klar, was zum Laden, was zu unserer Gaststruktur passt und was nicht. Das Schöne ist, dass wir als Betreiber unsere Pläne gar nicht so sehr anpassen mussten, weil die ursprüngliche Stoßrichtung sehr gut angenommen wurde.
Almedina: Um das Kind beim Namen zu nennen: Von Anfang war der Plan, einen House-Club zu eröffnen, keinen Techno-Club. Mit dem Bau hat sich das noch stärker herauskristallisiert: Das ist ein warmer Raum, kein Warehouse. Weder sind wir das, noch wollen wir, überspitzt formuliert, seelenlosen, stumpfen Techno. Uns ist wichtig, dass die Musik hier warm ist. Wir haben natürlich Abende, an denen Techno gespielt wird, aber es ist immer grooviger, minimalistischer Techno, nicht superhart.

Wie hat sich die Gaststruktur, von der Olli sprach, entwickelt?
Olli: Sehr organisch. Eine gewisse Struktur hat sich dadurch ergeben, was wir alle vorher gemacht haben. Durchs Auflegen, durchs Veranstalten, durch vorherige Projekte.
Ihr habt beide bereits in der Münchner Szene Erfahrungen gesammelt. Wie?
Almedina: Ich hatte davor bereits eine Off-Location, eine Art illegalen Club, ohne Konzessionen oder Ausschankgenehmigung. Deswegen ist übrigens der Name „LEGAL” entstanden. Das habe ich mit den anderen beiden Jungs gemacht, mit denen wir jetzt das LEGAL machen. Olli kam zum Schluss dazu, hat aber davor schon diverse Veranstaltungsreihen gemacht. Er legt schon ewig auf, ich jetzt seit etwa sechs Jahren.
Ihr habt im Frühling 2023 eröffnet. Wie hat sich die Clublandschaft in München seitdem entwickelt? Was hat euch damals gefehlt?
Almedina: Ein House-Club.
Olli: Die Betonung liegt auf dem Wort „Club”. Es gab Läden, die eher Tanzbars waren, auch was die Anlage und die Ausstattung betrifft. Aber ein klassischer Club, wo Setup und Anlage ein Erlebnis ermöglichen wie in einschlägigen Münchner Techno-Clubs, existierte nicht wirklich. Retroperspektivisch hat sich in der Clublandschaft nicht viel verändert. Es sind zwei Sachen dazugekommen, das DNA und das lieberscholli. Die haben aber nicht wirklich was mit unserer Szene zu tun. Wir haben vor allem gemerkt, dass in der Veranstalter-Landschaft, die nicht fest an Clubs gebunden ist, sehr viel Gutes passiert ist. Die Qualität ist definitiv gestiegen. Wir merken als Club auch, wie spannend für Gäste Party-Konzepte anstelle von klassischen Club-Konzepten sind. An gewissen Wochenenden, an denen diese Partys stattfinden, merkt man als Clubbetreiber auf jeden Fall, dass sie ein großes Publikum ziehen. Das ist aber sicherlich kein bloßes Münchner Phänomen.

Dass Leute lieber auf bestimmte Party-Formate gehen und sich nicht von vornherein für einen Club entscheiden?
Olli: Dass es leichter ist, für einen Partyveranstalter 600, 700 Leute in eine Off-Location zu kriegen.
Almedina: Alles hat sich noch mehr in die Richtung entwickelt, dass Leute schauen, wann welche Party wo ist. Leute gehen nicht mehr jedes Wochenende in ihren Stammclub und sonst nirgends hin. Es wird mehr geplant.
Da ließe sich fragen, was Residents noch bringen.
Olli: Sie stehen nach wie vor für einen gewissen Sound, der den Club prägt, und repräsentieren die Stadt, auch gegenüber geladenen Künstler:innen.
Almedina: Unsere Residents kennen den Laden gut und bringen die nötige Erfahrung mit, um den musikalischen wie atmosphärischen Bogen zu spannen. Sie schlagen oft die Brücke zwischen dem Club-Charakter, ihrem eigenen Sound und dem Main-Act – genau deshalb haben wir großes Vertrauen in sie. Wir wissen, was wir bekommen.

Zuletzt hattet ihr mit dem LEGAL ein paar Probleme, eine Schließung stand zumindest im Raum. Wie ist die Lage? Und wie blickt ihr in die Zukunft?
Olli: Wir hatten bis zu diesem Tag X keine Probleme, den Laden über Wasser zu halten. Nur das Problem, dass hintenraus nicht mehr viel übrig bleibt. Eine Schließung drohte aber nicht. Das Problem entstand durch schlechtes Timing: Wir haben einen Indexmietvertrag, in dem eine etwas kryptisch formulierte Klausel verankert ist. Diese erlaubt es, eine Mieterhöhung rückwirkend einzufordern.
Almedina: In unserem Fall ab 2023.
Olli: Wir mussten fast 900 Euro pro Monat mehr zahlen, rückwirkend für die letzten zweieinhalb Jahre.
Almedina: Das waren fast 24.000 Euro.
Olli: Dann kamen noch Nebenkostenvorauszahlungen für 2023 und 2024 hinzu, sodass wir schließlich Rechnungsstellungen von etwa 44.000 Euro auf dem Tisch liegen hatten. Hätten wir das aus eigener Tasche bezahlen müssen, hätten wir ein riesiges finanzielles Problem bekommen. Vor allem vor dem Sommer, in dem grundsätzlich weniger los ist.
Almedina: Wir hätten schließen müssen, weil wir nicht weiter hätten wirtschaften können. Allerdings haben wir das große Glück, dass wir dank unserer Community durch unsere Spendenaktion von den 44.000 Euro schon fast 33.000 sammeln konnten. Was man bei der Aktion nicht sehen kann: Viele DJs sind auf uns zugekommen und meinten, dass wir ihnen die letzte Rechnung nicht überweisen müssen. Oder dass sie gerne mal umsonst spielen wollen. Dafür sind wir sehr dankbar, und so haben wir noch ein paar Tausend Euro gespart. Am 23. August veranstalten wir ein Fundraiser-Open-Air im Live Evil, von dem die kompletten Eintritte netterweise an uns gehen. Das wird uns nochmal einen guten Push geben, sodass wir das Geld bald beisammen haben werden. Dementsprechend blicken wir positiv in die Zukunft, obwohl es ein schwieriges Business bleiben wird. Wir werden mit Sicherheit nicht reich werden, aber es ist unsere Leidenschaft. Solange wir eines Tages hoffentlich unsere Miete und unser Essen damit bezahlen können, sind wir happy. Und wir wollen ab 2026 weitermachen und sind deshalb in Gesprächen mit unserem Vermieter. Wenn die glatt laufen, geht es ab Januar 2026 fünf Jahre weiter.
Tracklist:
Dub Taylor – Finger Two (Original 12“ Version)
Diego Krause – Special Treatment
Terry Francis – Rhythm Spirit
Phonique – Hypno Dub
Eddie Richards – KODE 1
Eddie Richards – Be Still
Iteration X – Timecheck
Monkey B – Land and Water Show
Active Nature – Pukka
Electronic Data Processing – Studio 3:00 AM
Arnaud Le Texier, James Warren – Brothers
Eloi Brunelle – Re-Grouve
Omar Akhrif, Lucretio – Orlu Pensilvania
Elia Nafzger – Mise En Abyme
Samo DJ – Lazy Moon