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Tamaa (Schlegel Kultur Club) – Groove Resident Podcast 40

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Foto: Jonas Domrath (Tamaa)

„Auf die Residents kann man sich verlassen, persönlich und inhaltlich. Sie kennen den Club, die Gäste, die Anlage, und sie sind ein Grundpfeiler der musikalischen Identität eines Clubs, also ebenso wichtig wie die Architektur, der Raumklang oder die Gestaltung“, sagte einst Nick Höppner in der Groove. Mit unserem monatlichen Resident Podcast wollen wir ihnen den gebührenden Respekt zukommen lassen.

Lukas Stalter prägt die Bochumer Szene schon seit Jahren auf verschiedene Arten und ist als Booker sowie unter dem Namen Tamaa Resident-DJ ebenfalls Teil des Teams hinter dem Schlegel Kultur Club. Der im August 2022 eröffnete Club will aus der Innenstadt heraus einem in der Gegend eher randständigen Genre eine Heimat bieten: House. Doch bietet das Programm der Clubnächte, darunter der Serie Gay Habits, natürlich noch mehr, wie Stalter selbst im Interview betont. Mehr noch nimmt der Schlegel den Mittelteil seines Namens ernst und will auch darüber hinaus zu einem kulturellen Anlaufpunkt werden.

Als Booker und Resident prägt der DJ und Produzent das Geschehen auf gleich doppelte Art und sein Beitrag zu unserem Resident Podcast spiegelt das wider: Neben Produktionen früherer und zukünftiger Gäste ist darin sogar ein bisher unveröffentlichtes Stück von ihm selbst zu hören – ein ganz spezieller Fingerabdruck auf einem Mix, der von vorne bis hinten auf ein geschmackvolles, abwechslungsreiches Miteinander setzt.


Die Idee einer Cluberöffnung kam noch vor der Pandemie auf, du bist etwas später zum Team dazugestoßen. Wie war es, in dieser prekären Situation ein solches Projekt auf die Beine zu stellen?

Die Idee der Cluberöffnung selbst kam von den drei Betreibern, Felix, Jakob und Jakob. Ich bin nach dem Umbau in die glückliche Situation gekommen, gemeinsam mit den anderen die Location beziehungsweise das Programm mit Leben zu füllen. Das barg nach der Pandemie natürlich erst mal viele Unsicherheiten. Viele Faktoren wie Zielpublikum, Gagen und allgemeines Ausgehverhalten waren nach so einer langen Pause nur noch schwer bis gar nicht einzuschätzen und mussten zudem für eine neue Location gänzlich neu gedacht werden.

Euer Name verweist auf die vorige Nutzung des Gebäudes, die Schlegel-Brauerei im Herzen Bochums. Wie seid ihr auf den Ort gestoßen und inwiefern eignen sich die Räumlichkeiten für den Clubbetrieb?

Felix bekam die Möglichkeit, im Rohzustand der Räumlichkeiten einen privaten Geburtstag dort zu feiern. Der war dann so schön, dass die Idee eines Clubs langsam Gestalt annahm. Die Räumlichkeiten befinden sich im Keller des alten Verwaltungsgebäudes der Brauerei und beherbergten früher die Kantinenküche. Neben dem Hauptraum mit der Tanzfläche bieten zwei Nebenräume und eine zweite kleine Bar die Möglichkeit des Rückzuges. Da diese jedoch zur Tanzfläche hin recht offen sind bleibt man trotz gesprächsfreundlicherer Geräuschkulisse recht nah am Geschehen.

Wie würdest du das durchschnittliche Publikum des Schlegels beschreiben, welche Menschen möchtet ihr mit eurem Angebot anziehen?

Wir möchten durch verschiedene Programmpunkte ein breites Spektrum ansprechen und freuen uns sehr, dass der Laden bisher bei allen gut ankommt. Wir haben neben unseren Clubnächten mit Schwerpunkt auf House eine monatliche Techno-Reihe namens Spark, unsere queere Nacht Gay Habits, die Insel der Jugend als Anlaufpunkt für Menschen jenseits der 50 und Reihen wie„Essence und Radio Zaman mit musikalischem Fokus außerhalb der westlich geprägten Bubble. Dabei gilt natürlich, dass alle auf allen Veranstaltungen erwünscht sind und wir ein grundsätzlich diverse, offene Mischung an Gästen anstreben.

Wie bist du überhaupt zu elektronischer Musik und letztlich zum Auflegen gekommen?

Ich war schon immer ziemlich Musik interessiert und habe in der Jugend gerne Konzerte und meine ersten Festivals besucht. Auf Festivals wie dem Melt oder dem Open Source in Düsseldorf bin ich dann mit dem Thema Clubkultur in Berührung gekommen und war  schnell fast jedes Wochenende in Clubs wie dem Goethebunker in Essen, der alten Rotunde in Bochum oder der Oma Doris in Dortmund. Irgendwann hab ich dann angefangen die ersten Platten zu kaufen, mir ein Set-up vom Ausbildungsgeld zusammengespart und bald gemeinsam mit meinen ebenfalls musikbegeistertem Freunden die ersten eigenen Veranstaltungen organisiert. Zusammenfassend würde ich sagen: Once you got in, you’ll never get out again! (lacht)

Als Resident und obendrein Booker prägst du den Sound des Clubs auf zwei verschiedene Arten. Ist da nicht auch Vorsicht geboten, dem Programm nicht allzu sehr deinen eigenen Stempel aufzudrücken?

Das Booking bei uns wird natürlich nicht durch mich allein entschieden, sondern gemeinsam
mit unseren Residents gestaltet, die alle ihrerseits Erfahrungen im Veranstaltungs- und Booking-Bereich haben. Ergänzt wird das ganze dann noch durch ein paar externe Akteur:innen der lokalen Szene wie der Baby Love Party aus Dortmund oder den bereits erwähnten Reihen Essence von Rubimental oder Radio Zaman von Guy Dermosessian. Meine Arbeit beim Booking liegt neben der Reihe Gay Habits hauptsächlich bei der Realisierung verschiedener Wünsche von Residents und Stammgästen und der Verwirklichung unseres Diversitätsanspruches.

Wie würdest du allgemein das musikalische Konzept beschreiben, das ihr mit dem Schlegel verfolgt?

Unser Fokus liegt definitiv auf House-Musik. Die ist hier im Pott aktuell leider sehr unterrepräsentiert. Dabei versuchen wir eine Mischung aus alten Hasen und neuen spannenden Künstler:innen einzuladen und verschiedene Schwerpunkte zu präsentieren. Einmal im Monat gibt es wie gesagt die Techno-Reihe Spark, bei der wir bisher Acts wie Irakli, Stikdorn oder Dr. Rubinstein gebucht haben. Zusätzlich finden an Sonderterminen auch immer wieder mal Italo- oder Disco-Nächte statt.

Vor allem die Reihe Gay Habits scheint eine tragende Säule des Betriebs zu sein. Welches Konzept verfolgt ihr damit?

Im Ruhrpott gibt es leider abseits des Mainstreams kaum queere Partyreihen, obwohl elektronische Musik und LGBT-Bewegung eigentlich so eng miteinander verknüpft sind. Ich selbst bin am liebsten, wenn ich in Berlin feiern gehe, auf Partys wie Cocktail d’Amore und Co. und habe schon immer gerne DJs aus dem Umfeld gebucht. Die Gay Habits ist für mich nun der nächste logische Schritt, um der Community in Bochum einen regelmäßigen Treffpunkt zu geben.

Das Programm umfasst neben den Clubnächten noch weitere Angebote. Was wollt ihr über die reine Party hinaus anbieten?

Wir haben bisher ein paar Konzerte und Ausstellungen veranstaltet und planen aktuell einen Schlegel-Flohmarkt und ein Sommerfest für die Nachbarschaft. Außerdem findet bald das erste Mal ein Yoga-Kurs und der Designmarkt Blend Bazar aus unserer Nachbarstadt Dortmund im Club statt. Darüber hinaus sind wir immer offen für neue Ideen, die gemeinsam im Clubkontext umgesetzt werden können!

Was war die Idee hinter deinem Beitrag für unseren Resident-Podcast?

Ich hab lange überlegt, welche Idee ich dem Mix zu Grunde legen will. Letztendlich hab ich mich dafür entschieden, ausschließlich Musik von Artists zu präsentieren, die entweder bereits bei uns im Club gespielt haben oder in nächster bei uns spielen werden. Das repräsentiert zum einen meinen Musikgeschmack und ist außerdem eine schöne Rückschau auf die vergangenen Clubmonate und Ausblick auf die kommenden Wochenenden. Zu hören sind unter anderem Stücke von Gallegos, Maruwa, Eden Burns, Johannes Albert, D. Tiffany, Fantastic Man und ein unreleaster Track von mir.

Last but not least: Was sind deine Pläne für die Zukunft und was steht im Schlegel in nächster Zeit an?

In den kommenden Wochen freue ich mich im Schlegel vor allem auf die gemeinsamen Partys mit D. Tiffany, Dr. Rubinstein und die Gay Habits mit AGY3NA. Außerdem freue ich mich Ende Juni mal wieder in Berlin zu spielen und im August mal ein Monat Pause vom Clubprogramm zu machen, um dann Anfang September mit neuer Power und unserem ersten Club-Geburtstag in die neue Saison zu starten.

Stream: Tamaa – Groove Resident Podcast 40

01. Gallegos – Lushed Out
02. Johannes Albert – 118 bpm
03. Vanessa Worm – Heaven and Hell (Eden Burns Baked Beans in the Basement Mix)
04. D. Tiffany & Roza Terenzi – Liquorice Skritch
05. Fantastic Man – Beyond Control
06. Maruwa – 5 AM Tool
07. Bliss Inc. – Transitions
08. Michal Zietara & Voe – Supersonic Blackout
09. Tamaa – Shy Riot
10. Hot Coins – Freestyle Lover (Iron Curtis Remix)
11. Christian S. – Passant
12. Altin Gün – Goca Dünya (Lion’s Drums Remix)
13. Sam Goku – Far Far Fantastic (Lauer Remix)

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