Foto: Sam Müller (Marie Montexier)

Marie Montexier hat sich in kurzer Zeit einen Ruf als vielseitige DJ erspielt und ist auch jenseits den Decks mehr als aktiv. Erst letztes Jahr gründete die mittlerweile nach Leipzig übergesiedelte Kölnerin das Label Paryìa und half mit, in der alten Homebase die Veranstaltungsreihe Précey aus der Taufe zu heben. Nebenbei ist sie allerdings auch Resident bei den Events des Berliner Kollektivs Warning und mischt derweil schon langsam in der Szene ihrer neuen Heimat mit. Ziemlich viele Betätigungsfelder, ziemlich gute Aussichten. Montexiers Mix für unseren Groove-Podcast allerdings wirft einen Blick zurück in ihre eigene Vergangenheit.


Wie liefen die letzten zwei Jahre für dich?

Sehr durchwachsen würde ich sagen! Ich habe viel Arbeit in meine Musikkarriere als DJ gesteckt und jetzt sehe ich, dass sich diese Arbeit gelohnt hat und vieles vorankommt. Das freut mich sehr, trotz Pandemie und immer wieder Öffnungen und Schließungen der Clubs. Zudem studiere ich seit dem ersten Lockdown, was auch ein großer Schritt und eine positive Veränderung in meinem Leben war.

Du bist während der Pandemie von Köln, wo du deine ersten Schritte als DJ gegangen bist, nach Leipzig gezogen und hast dich sehr positiv über die Clubszene dort geäußert. Wie hast du dort Anschluss gefunden und welche Aspekte haben dir besonders zugesagt?

Da ich zuvor schon ein paar andere Künstler*innen aus der elektronischen Musikszene hier kannte, fiel es mir leicht, Anschluss zu finden. Ich konnte mich trotzdem aktiv vernetzen und hatte das Gefühl, mit offenen Armen empfangen zu werden. Demnächst werde ich in Leipzig mit der Künstler*in ttyfal eine Nacht in einem neuen Club namens Neue Welt kuratieren. Darauf freue ich mich sehr. Denn seitdem ich hier wohnhaft bin, konnte ich noch keine Cluberfahrungen in Leipzig sammeln, da aufgrund von Corona die Clubs hier gänzlich geschlossen geblieben sind.

Du bist auch Resident der Partyreihe Warning. Wie kam es dazu und was hat dich an dem Konzept des Kollektivs gereizt?

Mit Warning hat mich damals ein Freund des Kollektives vernetzt. Ziemlich schnell wurde ich Resident bei der Partyreihe – yay! Mir gefielen die Line-ups, die Warning in Berlin gestaltet hat, schon immer gut. Daher war ich als großer Fan sehr glücklich darüber, nun Teil davon sein zu können.

Mit Précey hast du eine Partyreihe mitbegründet, die in deiner alten Heimat Frauen und nicht-binäre DJs an die Decks bringen soll. Aus welcher Motivation heraus habt ihr die Serie ins Leben gerufen – und warum ausgerechnet in Köln?

Unsere Motivation besteht darin Frauen und nicht-binäre Künstler*innen eine Platform zu geben und sie in ihrem Schaffen zu untersützten. In Köln gibt es immernoch zu wenige Line-ups, auf denen Frauen und nicht-binäre Künstler*innen vertreten sind. Wir möchten aktiv was daran ändern und als junges Kollektiv progressivere Sichtweisen in der Szene voranbringen. Wir möchten junge Künstler*innen motivieren und als Vorbilder fungieren, um sichtbar zu machen, dass Veränderung möglich ist. Als Flinta*-Kollektiv möchten wir Empowerment für die Generation jetzt und danach zeigen.

Letzten Herbst hast du das Label Paryìa gegründet. Welches Konzept verfolgst du damit?

Mein Label soll ähnlich wie meine Veranstaltungen Frauen und nicht-binäre Künstler*innen eine Platform bieten, auf der sie sich entfalten können. Denn auch in der Produktion gibt es immernoch zu wenig Flinta*-Künstler*innen. Das möchte ich ändern! Zudem hat das Label keinen Genrefokus, was mein Interesse und meine Offenheit an unterschiedlichen Genres widerspiegelt und Künstler*innen dazu einladen soll, sich frei zu entfalten.

Neben ästhetischen Gesichtspunkten interessierst du dich auch für die Kontexte, in denen die jeweilige Musik entstanden ist. Würdest du sagen, dass auch die Art und Weise beeinflusst, in der du auflegst?

In meinen Sets versuche ich, thematisch und dramaturgisch eine Geschichte zu erzählen. Dadurch, dass ich mich mit dem Kontext, in dem die jeweilige Musik entstanden ist, auseinandersetze, beeinflusst das erheblich die Art, wie ich Musik aussuche und wie ich an meine Sets herangehe. Vor allem ist aber auch nicht-elektronische Musik, die ich kaufe, oft eine Inspiration für meine Mixe. Ich mag es, die Geschichte der Künstler*innen zu recherchieren um sie besser verstehen zu können.

Was war die Idee hinter deinem Mix für unseren Groove-Podcast?

Der Mix ist ein Hommage an mein altes Ich und wo ich musikalisch begonnen habe. Auch fließen unterschiedliche musikalische Elemente ein, die ich damals mit meinem Freund Jonny alias a.b.u.303 entdeckt habe. Er veröffentlichte das erste Release auf meinem Label. Der Mix zeigt ein breites Spektrum an Genres und unterschiedlichen Tempi. Genau das beschreibt mich musikalisch auch sehr gut, denn ich bewege mich gerne in unterschiedlichen Genres. Es ist alles dabei, was das Herz begehrt.

Last but not least: Was sind deine Pläne für die Zukunft?

Ich möchte versuchen, mein Studium und meine Musikkarriere gleichzeitig voranzubringen. Ein Fokus auf mein Label zu haben und alle zukünftigen Projekte, die ich in Leipzig und Köln habe, zu realisieren.

Stream: Marie Montexier – Groove Podcast 330

01. J-Zbel – Bertrand Au Mont D’Or (Brothers From Different Mothers)
02. Ongaku – Mihou #2 (Pod Communication)
03. Suvatne – Vitamin D (Sunlab)
04. J-Zbel – Le Riddim Du Bardouin (Brothers From Different Mothers)
05. Henzo – For Your Consideration (Sauna Mix) (Worldwide Unlimited)
06. Esa – Blast (Featuring Pendo Hukwe Zawose) (Dekmantel)
07. Szare – Miner (Polity Records)
08. Caravan – Siciliano (Planet Trip)
09. Source – Eclipse (R&S Records)
10. Winks – Meditation will manifest (R&S Records)
11. Emmanuel Top – Static (Triangle)
12. Dark Lites – Friends in High Places (Red Weed)
13. Phil Merall – Libertine (Traditions 09)
14. Source – Squeeze (R&S Records)
15. Plural – R.Y.S. (Tetsuo)
16. Alien Rain – Alien Rain III (Alien Rain)
17. Interstate – Payback (Bonzai Limited)
18. J-Zbel – Tunnel Vision (Brothers from Different Mothers)

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