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Zeitgeschichten: Squarepusher

Squarepusher bei einem Konzert 1996 (Foto: Rob Hann) Squarepusher – das ist der Mann mit der Bassgitarre, der seit mehr als zwei Jahrzehnten bei Warp unter Vertrag ist. Im kollektive Gedächtnis angekommen sind Tracks wie „Do You Know Squarepusher”, „My Red Hot Car” oder „Come On Selector”. Das große Album des 46-jährigen Engländers, der eigentlich Tom Jenkinson heißt, trägt aber den schönen Titel Feed Me Weird Things. Diese Platte war sein erster Longplayer, erschienen vor ziemlich genau 25 Jahren auf Rephlex, dem inzwischen eingestellten Label von Richard D. James und Grant Wilson-Claridge. Anfang Juni hat Warp eine luxuriös mit Linernotes und Fotos ausgestattete Neuauflage präsentiert. Unser Autor Holger Klein hat sich mit Jenkinson über die Entstehung des Albums unterhalten, das einen ganz eigenen Drum’n’Bass-Entwurf aus Jazz-Perspektive entwickelt und damit eine der eigenständigsten Karrieren in der Szene losgetreten hat. Chelmsford, Essex in den frühen Neunzigern. Ein Teenager namens Tom Jenkinson hat sich selbst beigebracht, eine bundlose Bassgitarre auf virtuose Art und Weise zu spielen, und zwar in Jazz-Manier. Der Junge ist begeistert von Jazz, geht ansonsten aber mit seinen Kumpels gerne raven. Es ist die Zeit von Rave, UK-Hardcore und Breakbeats. Er teilt seine musikalische Begeisterung gleichermaßen zwischen Shut Up And Dance, Moving Shadow, D-Zone, Aphex Twin, Carl Craig, Weather Report, Miles Davis und John Coltrane auf. Dass Drum’n’Bass und Jazz irgendwann mal eine innige Beziehung eingehen würden, war damals noch nicht zu abzusehen. Wie denn auch, bei Drum’n’Bass ist der so naive wie überbordende UK-Breakbeat-Rave-Sound ja noch lange nicht angekommen. Ein paar Jahre später, im Juni 1996, erscheint das erste Album von Squarepusher, so nennt sich Tom Jenkinson inzwischen als Produzent. Inzwischen ist aus dem Hardcore-Sound der frühen Neunziger-Jahre Drum’n’Bass geworden. Dass Jazz und Drum’n’Bass gut miteinander können, hat der mittlerweile in London lebende Tom Jenkinson unter anderem bei seinen Besuchen der Speed-Clubnächte von Fabio und Grooverider gehört. Oder auf dem Track „Military Jazz” von Plug (alias Luke Vibert). Tatsächlich hat es der damalige Kunststudent geschafft, seine beiden Leidenschaften in seiner Musik miteinander zu kombinieren – Jazz und seine Bassgitarre auf der einen Seite, auf der anderen seine Begeisterung fürs Raven und für Aphex Twin. Squarepusher 2019 (Foto: Donald Mine) Als Feed Me Weird Things herauskam, war Drum’n’Bass in gewisser Weise schon ein gutes Stück weiter als Squarepusher mit seinen fliegenden Amen-Breaks. Doch Jenkinson hatte nie die Absicht, sich im Drum’n’Bass-Geschäft einen Namen zu machen. Feed Me Weird Things war mit seiner Kombination aus unfassbar schönen Melodien, hartem Acid, Old School-Hardcore-Elementen, Ambient, Amen-Breaks, Fusion Jazz und musikalischem Chaos an einem ganz anderen Ort. Ziemlich bekannt wurde Squarepusher dann mit dem Album Hard Normal Daddy, das mit seiner doch eher muckerhaften Kombination aus Breakbeats, Herbie Hancock und 70s-TV-Serien-Funk nicht allzu gut gealtert ist. Später sollte Jenkinson dann noch eine ganze Menge anderer Alben aufnehmen, mal mit Bassgitarre, mal ohne, einmal sogar nur mit Bassgitarre (auf der Platte Solo Electric Bass 1). So viel guter und naiver Instinkt wie auf Feed Me Weird Things war jedoch nie mehr. Wie ist es für dich, ein Album zu promoten, das bereits 25 Jahre alt ist? Das ist nicht mein Modus Operandi. Zurückblicken zu müssen ist für mich keine so angenehme Sache. In diesem speziellen Fall gibt es aber ein paar Argumente, die dafür sprechen. Zum einen war Feed Me Weird Things zehn Jahre lang […]

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