DMX Krew feat. Blak Tony – Night Creatures (Breakin’)

DMX Krew feat. Tony Black - Night Creatures Breakin Harry

Für seine aktuelle EP auf seinem Label Breakin’ Records hat Edward Upton alias DMX Krew sich mit dem Ex-Aux-88-Mitglied Anthony Horton alias Blak Tony zusammengetan. Mit dessen Spoken-Word-Vocal wird der Titeltrack zum veritablen Underground-Hit. Dass der Text auf den Tuxedomoon-Klassiker „No Tears” anspielt, liegt mehr im Bereich des Wahrscheinlichen als des Möglichen, doch „Night Creatures” ist weder Cover noch Zitat (oder gar Sample), sondern ein Detroit-Electro-Tune, der mit Acid und Synthesizer-Flächen das Zeug zum Dancefloor-Magnet hat. Folgerichtig liefert die EP ein Instrumental und einen Acapella-Mix mit. „Bounce Your Body” punktet dagegen mit reichlich Rave-Appeal, während „Dynamic Jit” wohl als Uptempo-Hommage an Hortons Aux-88-Vergangenheit aufgefasst werden darf. Ein Formtief von Upton ist weit und breit nicht in Sicht. Harry Schmidt

Hörbeispiele findet ihr in den einschlägigen Shops.

Evil Fred – The Unknown Evil EP (Unknown To The Unknown)

Evil Fred - The Unknown Evil EP

„Ich find es geil, wenn es untenrum poltert”, sagt his Shedness René Pawlowitz im Groove-Interview. Der Mann mit den Koma-Kicks hat für seine neueste Veröffentlichung auf Unknown To The Unknown eine seiner wohlgehüteten Geheimwaffen ausgepackt. Als Evil Fred polterte der Gute das letzte Mal vor knapp zehn Jahren. Andere Zeiten, anderer Vibe, anderer Sound. Nur die Roundhouse-Kick mit fortfolgender Lendenwirbelfraktur ist geblieben. Für The Unknown Evil pulverisieren sich Snare-Rolls unter Head-High-Piano-Chords, in denen mehr Funk steckt als in den gesamten Beatport-Charts für Baller-Techno. Wenn „You” der Sound für die Tränen nach dem ersten Closing-Set ist, stellt man sich auf „The Evil Dance” eine Palette Capri-Sonne rein. Auf der After, am Sonnendeck, in einem Hauch aus neongrünem Nichts um die Hüften. Eh klar, dass man danach mindestens zwei Pivos zur Abkühlung braucht. Das Erste auf den Durst, das Zweite, um den Leuten klarzumachen, dass die Party fix noch nicht vorbei ist. Dabei muss dem Pawlowitz jetzt nur mal jemand klarmachen, dass er das Jungle-Geballer bleiben und den Mephisto Fred ein bisserl öfter auspacken sollte. Damit es untenrum poltert, bis es obenrum scheppert! Christoph Benkeser

Ludwig A.F. – Velocity (Exo Recordings International)

Ludwig AF Roehrscheid - Velocity

Beim ersten Hören von Velocity kann es passieren, die EP zu Beginn von Track zwei für eine Compilation zu halten, so verschieden startet „Xenon” gegenüber dem Opener. Ist gute zehn Minuten später das Ende von Velocity erreicht, erschließt sich jedoch die Zusammengehörigkeit der Stücke – aber der Reihe nach: Der Titelsong startet mit einem Breakbeat, der auch einem Jungle-Track gut stehen würde, allerdings auf housigem Tempo. Dazu kommen nach und nach sanfte Akkorde und andere spacige Sounds. Und dann ab der dritten Minute eine ravige Stakkato-Chord-Sequenz – ein perfekter Aufbau, um eine Beachparty-Crowd im Morgengrauen so richtig fliegen zu lassen. „Xenon” startet dann mit Delay-getriebenen Synth-Chords in Chez-Damier-Manier, die zwar direkt an die Stimmung des ersten Tracks anknüpfen, allerdings über einem fetten House-Groove auf Funky-Bass-Basis. Diese rhythmische Deepness setzt sich auf „Helium” fort, vor allem aber auch die mittlerweile als thematische Klammer der EP erkannte softe, im guten Sinne trancige Stimmung der Tracks, hier vor allem durch Synthie-Flöten erzeugt. „Exoplanet” verzichtet dann komplett auf Beats und überführt die sich auch auf diesem finalen Stück zuerst wieder andeutende Milde in eine unerwartete Kratzigkeit, die den Grundtenor der Platte über knappe drei Minuten unerwartet dekonstruktivistisch und abgeklärt aushebelt. Die EP erschien übrigens bereits 2018 zum ersten Mal, wird aber mittlerweile gebraucht ab 50 Euro aufwärts gehandelt und erfährt deswegen ihre verdiente Wiederveröffentlichung. Mathias Schaffhäuser

Marcel Dettmann – Command EP (Seilscheibenpfeiler)

Marcel Dettmann - Command EP

Marcel Dettmann befiehlt, und man folgt ihm gerne. Seine neue EP erscheint auf Seilscheibenpfeiler, was manch jemand vielleicht überrascht, doch durchaus einer Logik folgt: Seit mehr als 20 Jahren kennt man sich und hat auch in der Vergangenheit miteinander gearbeitet. Die Arbeit an der Musik datiert zum Teil zurück bis ins Jahr 2008 und ist bewusst für den Dancefloor konzipiert. Die Musik macht demnach auch unmissverständlich klar, was zu tun ist. In üblicher Brutalismus-Ästhetik fordert der Titeltrack auf, sich geschwind aufs Tanzen zu konzentrieren. Mit stampfender Kick beginnt er, und spätestens wenn die sich darüber hinweg schlängelnde Melodie einsetzt, ist man im gewünschten Modus. In ähnlicher Manier und Geschwindigkeit zieht er mit „Enter” weiter. Vocals wie aus dem Maul eines Roboter-Bären, hinterlegt mit sägenden Synths, erhöhen den Blutdruck. „Return” als stabiler Banger bringt die mittlerweile zuhauf aus den Poren schießenden Schweißperlen zum Hüpfen. Und wer beim Supersmasher „Control” noch nicht sämtliche Kontrolle über den Körper verloren hat, schwingt anerkennend die Faust im Takt, während der DJ mit dem Sound einer Laserpistole sämtliche Fäden zerschießt, mit denen er zuvor die Crowd nach seiner Nase hat tanzen lassen. Lutz Vössing

V.A. – I can’t complain but sometimes I still do (Regelbau)

VA - I cant complain but sometimes I still do

Extrem vielseitige EP mit vier Stücken von vier Künstler*innen von Regelbau aus Dänemarks zweitgrößter Stadt Aarhus. Schön jackt „I Feel Like It” von Mandee & Central, das Haus steht deep und kriegt noch ein paar leicht Grime-Wiggles mit rein. Bisschen Bongo-, bisschen Mitternacht-House gibt es dazu von SPCE. „Lightness” wiegt und wogt, jedoch mehr auf blauen Schwaden denn auf Wellen, und ab und zu säuselt eine Stimme und singt die Tanzfläche in den Stehblues. „The Future” von Maizena hingegen reiht seine Module auf wie Perlen an der Schnur und will geradlinig nach vorne; es bearbeitet ingenieurskünstlerisch so einen New-York-Sound und klingt wie die DFA-Veröffentlichungen ohne Punk. Ist zumindest einbaubar, etwa bei Kursänderungen in Mixen, ebenso wie die Downbeats von Hi Mount auf „U N Me”. Die ultracheesigen Voreinstellungsklänge der Keyboards treffen auf die 303 und das Ergebnis ist LL Cool Js „I Need Love” mal „The Lady In Red” von Chris de Burgh mal sieben Uhr morgens an einem Sommersonntag. Christoph Braun

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