Foto: Press (Murcof)

Neben seiner angestammten Funktion als Vermittler wissenschaftlicher Inhalte in einem visuell besonders ansprechenden Kontext fungiert das Planetarium Bochum logischerweise auch als Bühne für Veranstaltungen musikalischer Couleur. Besonders die Brücke zwischen den Gestirnen und der elektronischen Musik ist traditionell schnell geschlagen. So findet am 25. und 26. Oktober nicht nur das Klangsphäre Festival statt, das sich ambienten Tönen von renommierten Acts wie Murcof oder Stefan Gubatz widmet. Im September (Marc Romboy), Januar (Klaus Fiehe) und März (Dr. Motte) gastiert außerdem die simpel wie effektiv betitelte DJ&SPACE-Reihe im Zeiss Planetarium.

Im Vorfeld haben uns Planetariumsleiterin Prof. Dr. Susanne Hüttemeister und Festivalkurator und Ambientmusiker Martin Juhls einige Fragen zur Beziehung zwischen Planetarien und Musik, den Eigenheiten der beiden Veranstaltunskonzepte und den Künstlern selbst beantwortet.

Herr Juhls, die Verzahnung von elektronischer Musik mit dem Weltall hat eine lange Tradition. Wie nehmen Sie diese Kombination wahr und wie entstand die Idee, dieser Thematik ein Festival zu widmen?

Wie viele Menschen im Ruhrgebiet kenne ich das Planetarium Bochum bereits seit meiner Kindheit. Es ist ein eindrucksvoller Ort, der die Besucher mit 360-Grad Projektionen und Surround-Sound vom Lehnstuhl aus in die Weiten des Universums eintauchen lässt. Dort einmal eine Veranstaltung mit elektronischer Musik zu organisieren, war für mich ein langgehegter Traum. Ich habe mich sehr gefreut, als dies 2016 erstmals möglich wurde und freue mich umso mehr nun mit einer neuen Festivalausgabe daran anknüpfen zu können. In kaum einer anderen Musikgattung findet sich ein so kontinuierlicher Bezug zu den Themen Weltraum und Science Fiction wie in der elektronischen Musik. Das beginnt bei Klassikern wie Brian Eno, Klaus Schulze und Tangerine Dream und setzt sich fort bis zu aktuellen Technoproduzenten wie Richie Hawtin, Jeff Mills und Marc Romboy. Umso mehr freue ich mich, dass das Klangsphäre Festival das erste Festival weltweit ist, das dieser Liaison ein eigenes Forum bietet.

Neben dem Ambient-Festival Ende Oktober beehren das Planetarium Bochum im Rahmen der DJ&Space-Reihe in den nächsten Monaten außerdem noch Marc Romboy, Klaus Fiehe und Dr. Motte. Wie passen diese Künstler in das Setting des Planetariums?

Während wir uns beim Festival sehr auf das musikalische Live-Erlebnis konzentrieren und dieses nicht zu sehr mit visuellen Eindrücken überlagern wollen, haben wir beim Format DJ&Space einen eher spielerischen Ansatz. Hier laden wir DJs und Produzenten ein, die oftmals eher aus dem Clubkontext bekannt sind aber schon lange einen thematischen und musikalischen Bezug zum Thema Weltall haben, den sie bei uns dann voll ausleben können. Marc Romboy zum Beispiel hat sich ja bei seinem Album Voyage de La Planète vom Sci-Fi Author Jules Verne inspirieren lassen. Klaus Fiehe wiederum ist vielen noch mit seiner thematisch passenden Kultsendung „Raum und Zeit” auf 1Live ein Begriff und auch bei Dr. Motte findet sich dieser Bezug schon in seiner ersten Single Chill Out Planet Earth auf seinem eigenen Label Space Teddy.

Was erwarten Sie sich vom Festival Ende Oktober und für welches Publikum ist es primär gedacht?

Für Menschen, die sich bereits für elektronische Klangwelten und Ambientmusik interessieren, ist das Event natürlich ein besonderes Highlight, denn das Planetarium ist ein perfekter Ort um diese Musik aufzuführen. Durch die besondere Kombination mit den Weltraumprojektionen begeistert das Event aber auch Menschen jenseits von musikalischen Vorlieben, denn das was musikalisch geboten wird, ist ja nicht fern von dem, was man heutzutage ohnehin aus aktuellen Film -und Serienproduktionen als Soundtrack oder Sounddesign kennt. Besucher können sich bequem im Lehnstuhl zurücklehnen, in neue musikalische Welten eintauchen, sich in den Weiten des Kosmos verlieren oder auch mal entspannt die Augen schließen und in eigene Traumwelten abdriften.

Frau Prof. Dr. Hüttemeister, Planetarien stehen wie nur wenige andere Institutionen dafür, wissenschaftliche Inhalte auf zugängliche wie unterhaltsame Weise zu vermitteln und eine besondere Atmosphäre zu schaffen. Wie naheliegend ist die Wahl des Bochumer Planetariums als Festival- respektive Konzertschauplatz?

Das in den Anfängen traditionell vorwiegend auf den Sternenhimmel ausgerichtete Programmangebot des Bochumer Planetariums hat über die Jahre eine Auffächerung erfahren. Heute bietet das Planetarium neben dem astronomischen Show- und Vortragsprogramm ein ebenso vielfältiges und lebendiges kulturelles Angebot, das neben Musikshows und Hörspielen auch regelmäßig Live-Aufführungen wie Konzerte, Lesungen und Performances umfasst. Dies entspricht einer modernen Interpretation des Planetariums als Begegnungsort von Wissenschaft und Kunst. Perspektivisch gedacht, befindet sich das Planetarium zudem immer mehr in der Entwicklung hin zum immersiven Medienraum, wo die vorwiegend kulturellen Veranstaltungen unter den Gesichtspunkten künstlerischer medialer Immersion und gemeinschaftlich erlebbarer virtueller Realität genutzt werden. Die 360 Grad-Kuppel mit 20 Meter Durchmesser bindet auf eine einzigartige Art die Live-Visuals und den Sternenhimmel ein und macht so das Festival zu einem Erlebnis, bei dem sich Sound und Visuals organisch verbinden.

Auch die DJ&Space-Reihe scheint sich konzeptuell am Weltall zu orientieren. Wie wird das visuell umgesetzt werden?

In enger Zusammenarbeit mit Martin Juhls und den Künstlern mit ihren geplanten (Live-)Sets konzeptionieren wir damit harmonierende und sich ergänzende visuelle Welten für die Kuppel. So können z.B. minimalistischere DJ-Sets von einem ruhig-besinnlichen und brillanten Sternenhimmel durch unseren Zeiss-Projektor genauso begleitet werden wie ein schneller digitaler Wechsel von Space-Motiven oder abstrakteren Design-Elementen. Die Visualisierung wird immer auch ein bisschen spontan umgesetzt und kann flexibel und sensibel auf die Sounds der Künstler eingehen. Das Besondere daran ist, dass wir keine vorprogrammierte Show einfahren, sondern das Geschehen auf der Bühne sozusagen mit dem visuellen Spiegel auf der Kuppel live begleiten und so in einen sichtbaren Dialog mit den Sounds treten.

Groove präsentiert: Klangsphäre Festival 2019 / DJ&SPACE
25. und 26. Oktober 2019

Line-Up: Hior Chronik, Murcof, Sky H1,Stefan Gubatz, Stephan Mathieu, Vitor Joaquim

Tickets: 20€ pro Festivaltag

DJ&SPACE:

25. Januar 2019: Klaus Fiehe (Tickets)

14. März 2019: Dr. Motte (Tickets)

Klangsphäre Festival 2019 / DJ&SPACE
Zeiss Planetarium Bochum