Der Hauptsitz von Native Instruments in Berlin-Kreuzberg. Foto: Jörg Zägel, Lizenz: CC30.

Das Berliner Musiksoftwareunternehmen Native Instruments hat am Donnerstag, den 29. August 2019, kurzfristig etwa 20 Prozent seiner Belegschaft in allen Standorten entlassen. Anfang des Jahres waren bereits etwa 50 Mitarbeiter*innen entlassen worden.

In einer Pressemitteilung gab das Unternehmen als Grund zunehmende innerbetriebliche Kosten an, trotz gestiegener Einnahmen 2018 und in der ersten Jahreshälfte von 2019. Hinter den Entlassungen steht eine fundamentale Neuorganisation der Produkte von NI, die ab 2020 auf einer einzigen Plattform erhältlich sein sollen. Der Support von Komplete, Machine & Traktor läuft aber weiter.

Die meisten der entlassenen Mitarbeiter*innen waren in Berlin in den Abteilungen Vertrieb & Distribution, Marketing & Produktmanagement, in der Verwaltung und dem Engineering tätig. 

„Das war ein sehr emotionaler Tag für die Native Community. Wir haben seit den 1990ern Innovation in der Musikproduktion vorangetrieben. Zuerst durch Softwareinstrumente, dann durch ergänzende Hardware und jetzt durch die Schaffung einer einheitlichen Plattform für modernen Musikproduzent*innen“, erklärt Daniel Haver, CEO des Unternehmens und Mitbegründer in der genannten Pressemitteilung. 

Weiter heißt es dort: „Um diesen Wandel erfolgreich zu gestalten, mussten wir unsere Strategie anpassen, einschließlich eines zentralen, funktionalen Setup, das unsere Vision von ‘One Native’ unterstützt. Dies bedeutet leider auch, dass wir mit einer Reihe von Mitarbeitern harte Entscheidungen treffen und uns von ihnen trennen mussten. Dies war der schwierigste Teil dieser Transformation.“

Das Unternehmen bedauere die Auswirkungen, die die Kündigung für die Mitarbeiter, ihre Familien und die Szene habe. Zusätzlich zu Abfindungspaketen und Outplacement-Diensten stellt Native Instruments Kontakte zu anderen Berliner Unternehmen her, die derzeit hochqualifizierte Mitarbeiter suchen. 

„Dies war die schwierigste Entscheidung, die wir in unserer gesamten Geschichte treffen mussten, denn durch unser qualifizierten und leidenschaftlichen Mitarbeiter wurden unsere Erfolge in der Vergangenheit erst möglich. Wir danken allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihren Einsatz, ihre harte Arbeit und ihre große Loyalität zu Native Instruments. Wir sind fest entschlossen, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um für unsere Mitarbeiter in dieser schwierigen Zeit zu sorgen“, sagte Daniel Haver weiter. 

Bekannt wurde Native Instruments Anfang der 2000er mit dem Programm Reaktor, bis heute Industriestandard für die freie Erzeugung, Bearbeitung und Montage von Klängen. Wenig später begann die Firma Standardgeräte wie die Hammond Orgel oder den Yamaha DX7 Synthesizer als Software zu emulieren. Der Clou lag darin, dass die Programme keine Samples benutzen und deshalb vergleichsweise schlank sind. 

Mit Traktor ermöglicht NI den Usern DJ-Mixe am Laptop und verwischte so die Grenze zwischen Profi- und Hobby-DJs. Zum einen waren von nun an keine Mixing-Skills mehr notwendig, zum anderen lässt sich mit Samples und Effekten in die Musik eingreifen. Zu den neueren Produkten gehören Maschine, das sich an Beatproduzenten richtet und Komplete, eine Sammlung von virtuellen Instrumenten und Effekten. In diesem Jahr war der Synthesizer Massive X erschienen.

Bei dem neuen, ab 2020 zugänglichen Produkt, geht es nun darum, sich auf eine einheitliche Plattform zu konzentrieren, über die sämtliche Kernprodukte und -dienstleistungen von NI, sowie Angebote von Dritten erhältlich sein sollen. In einem Zusatz zur Presseerklärung heißt es: „Unsere Neuorganisation zielt darauf ab, Funktions- und Markensilos aufzubrechen, die im Lauf der Zeit durch die kontinuierliche Erweiterung unseres Portfolios entstanden sind. Angesichts unseres breiten Produktspektrums und der Überschneidung von Aufgaben bedeutet das, dass bestimmte Bereiche der Produktentwicklung von den Entlassungen stärker betroffen sind als andere. In der Vergangenheit haben wir zuviel gleichzeitig getan.“

Die bisherige Abteilungs- und Markenstruktur des Unternehmens erlaubte bisher keine Umsetzung dieser Strategie, heißt es in der Pressemitteilung: „Kunden erwarten heute bei digitalen Produktionsumgebungen eine nahtlos integrierte User Experience. Wir sind zuversichtlich, Musikproduzenten ein weltweit einzigartiges und erstklassiges Erlebnis durch die Verbindung unseres bestehenden Ökosystems von preisgekrönter Software und Hardware in einem zentralen Onlinedienst bieten zu können“, sagte Mate Galic, Native Chief Innovation Officer und Co-Geschäftsführer von NI. „In der Vergangenheit hatten wir unterschiedlich gewachsene Produktlinien, was sich auch in unserer Organisationsstruktur widerspiegelte. Unsere Plattformvision erfordert jedoch einen viel kooperativen Ansatz. Alle Teile des Unternehmens müssen gemeinsam auf ein Ziel hinarbeiten.“