J-ZBEL – Dog’s Fart Is So Bad The Cat Throws Up (Brothers From Different Mothers)

Die beiden bisher erschienenen EPs von J-Zbel tragen Titel, die von Videos auf YouTube oder Pornhub stammen könnten: How I Made My Mom & Sis My Sexbot Slaves und Hyena Sticks Head In Elephant’s Butt. Die erste LP des französischen Trios setzt da nun noch einen drauf: Dog’s Fart Is So Bad The Cat Throws Up. J-Zbel bringen zurück, was Techno lange gefehlt hat: Humor und ein bisschen Anarchie. J-Zbel kommen aus der südfranzösischen 500.000-Einwohner-Stadt Lyon mit ihrer umtriebigen Clubszene. Auch ihr Heimatlabel Brothers From Different Mothers, gerne als BFDM abgekürzt, ist in Lyon ansässig. Man hat großen Spaß am Krawall und am Fleddern der Vergangenheit. Ambient Party Turns Into Orgy heißt eine BFDM-Compilation. Das beschreibt die Ausrichtung des Labels ganz gut. Bei J-Zbel sind es Rave-Signale, die eine niemals enden wollende Orgie zwischen Hardcore, Breakbeat, Gabber und Trance feiern. Von belgischen Hoover-Sounds bis zum Emulator II-Perlentaucher-Vogel-Sample, hier tummelt sich einfach alles.

In der Öffentlichkeit geben sich J-Zbel gesichtsvermummt. Rein äußerlich haben die drei die Welt der Rave-Crews sicherlich nicht neu erfunden, man könnte zum Beispiel an Altern-8 und ihre Schutzmasken denken. Auf der Bühne treten J-Zbel, von der Vermummung abgesehen, schlicht sympathisch und hochkonzentriert auf, es bleibt nicht mal Zeit für seltsame DJ-Handbewegungen. Live kommt das Trio dabei überraschend linear, etwas abgespeckter und deutlich weniger rave-krawallig rüber. Auf Platte erinnern J-Zbel mehr an den UK-Hardcore-Sound der Jahre 1991 bis 1993. Force Mass Motion und das Label Rabbit City könnte man an dieser Stelle namedroppen. Oder Edge Records sowie das Phil Wells-Label Basement Records. Die Kombination aus straightem Techno und Breakbeats steht auch bei den drei Vermummten aus Lyon hoch im Kurs. Weitere Referenzen: Trance aus Mailand oder Rave-Romantik im Sinne von Future Sound of Londons „Accelerator”. Im J-Zbel-Stück „Tunnel Vision” treffen Breakbeats auf extrem gut gelaunten Trance. Das ist schon ziemlich Kid Paul-Dubmission-Style, eine Zeitreise in den Berliner Planet des Sommers 1992.

Wenn J-Zbel retro sind, dann stets mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Doch im Mittelteil von Dog’s Fart Is So Bad The Cat Throws Up zeigt das Trio, dass es mehr ist als ein Novelty-90s-Rave-Act. Nun tauchen Stücke auf wie „Rustie Le Clown”, eine Hommage an den Glasgower Produzenten Rustie und seine Crunk-Tracks. Es gibt sie also, die subtileren, weniger plakativen Momente. Das darke „Bertrand au mont d’or ist einer von ihnen, so wie auch das großartige „Sebulba“, eine Kollabo mit dem BFDM-Labelmate Simo Cell. Der Track klingt wie eine bekiffte Trap-Coverversion von Kenny Dopes Voguing-Klassiker „The Ha Dance”. Gegen Ende der LP regiert dann wieder das Referenzsystem aus den Rave-90s. „Diablo Verde Part II” pendelt sich irgendwo ein zwischen Marc Spoon an einem Sonntagmittag im Frankfurter Dorian Gray und jener UK-Breakbeat-Spielart, die einem grenzenlose Euphorie als Melancholie verkauft. Den Schlusspunkt markiert der im Hardcore-Stil fröhlich hüpfende Signature-Tune des Trios aus Lyon, er trägt den schlichten Titel „The J-ZBEL Anthem”. Nach 50 Minuten fragt man sich, wann man zuletzt so viel Spaß an einem Techno-Album hatte. Holger Klein