April 2019: Das Album des Monats

HVL – Rhythmic Sonatas (Bassiani)

Der in Tiflis beheimatete Club Bassiani gehört seit seiner Gründung im Jahre 2014 zu einem der wichtigsten Clubs der internationalen Technoszene und ist eine Pilgerstätte für Raver*innen aus aller Welt geworden. Gründe dafür gibt es viele. Zum einen ist da die gewaltige Location, verortet im Fussballstadion der Georgischen Nationalmannschaft, mit einer Tanzfläche in einem stillgelegten Pool, auf der 1200 Menschen Platz finden. Zum anderen bietet das Bassiani im ultrakonservativen Georgien einen einzigartigen Ort, in dem Werte der Freiheit, des Liberalismus und der Toleranz konkret gelebt werden. Schließlich ist da noch das Booking, welches international renommierte Headliner aus dem Leftfield-Spektrum mit den grandiosen Residents des Clubs paart. Einer dieser Resident-DJs heißt Gigi Jikia, der seit 2013 unter dem Namen HVL produziert und auflegt. HVL ist mittlerweile einer der Botschafter der georgischen Underground-Szene und hat den Sound des Clubs und des Labels zu dem gemacht, wofür es heute bekannt ist und geschätzt wird.

Mit seiner zweiten LP Rhythmic Sonatas ist ihm ein Album voller Dancefloor-Schätze gelungen, das die Essenz des Clubs in zehn Songs treffend einfängt. Mit dem Eröffnungstrack „Eyes In The Sky“ geht’s direkt zur Sache: Die immer dringlicher werdende Kick stampft über verzerrte Acid Basslines bis in der zweiten Minute haarscharfe Breaks einsetzen. Im tanzbaren Tempo von 130BPM geht es auch weiter auf den nächsten Tracks, die jeweils mitreißende Anteile von Acid, starken Kicks und Breaks verbinden. „Badskit“ sticht hierbei mit seinem kurzen Vocalsample und dem gebrochenen Rhythmus heraus. Auf der B-Seite hüpft „Satovlia“ zwei Minuten lang zu beschleunigtem, außerirdischem Electro, bis „Repeated Eye Contact“ das Tempo wieder auf Null bringt.

Schlussendlich landet die Platte auf einer ravigen Stimmung mit dem acid-breakigem Sechsminüter „Bilateral Symmetry“, und „Dabalsikhshiruli Rkheva“, welches einen klassischen Elektro Groove mit himmlischen Melodien verknüpft. Auch der Nachfolger „Noboru’s Arp“ baut wieder einen astreinen Spannungsbogen mit schimmernden Synth-Arpeggierungen und HVLs charakteristischen Acidsounds auf.

Die Platte endet mit einem musikalischen Highlight, „Nabolara“, das mit seiner magischen Kombination aus gefühlsbetonten Melodien, berauschenden Effekten und geradlinigem Beat perfekt eine Afterhour wie auch die emotional aufgeladenen letzten Minuten eines Raves beschallen könnte. Innerhalb knapp einer Stunde bündelt Rhythmic Sonatas immer wieder gekonnt experimentierfreudige Technorhythmen und klassische Ravesounds und verleiht ihnen mit präziser Klanggestaltung gekonnt einen futuristischen Twist. Rhythmic Sonatas bietet den Hörer*innen eine akustische Reise in die Technoszene von Tiflis, was es schon jetzt zu einem der prägnantesten Alben des Jahres macht. Caroline Whiteley

Lest hier unser Feature über HVL und das Bassiani.