Foto: Presse (Pablo Mateo)

Pablo Mateo kann mit allen, oder zumindest hat es mit Hinblick auf den Backkatalog des Berliner Produzenten den Anschein. Vor fünf Jahren debütierte er im Umkreis des Labels Lackrec., dockte schnell bei Traditionslabels wie Curle oder unter seinem Wrong Copy-Alias bei MDR an und veröffentlichte eine Reihe von EPs auf Die Orakel, DRED, Uncage und wurde zuletzt von Len Faki auf Figure unter Vertrag genommen. Auf seinem 2016 gestarteten Label Artful Rifle passierte in dieser Zeit noch recht wenig, die Pläne dafür aber sind da, wie Pablo Mateo im Interview zu seinem Groove-Podcast-Beitrag erzählt.

 


 

Es dürfe „keinen Plan B“ geben, hast du vor zwei Jahren in einem Interview bezüglich deiner Entscheidung gesagt, deine Nebenjobs an den Nagel zu hängen und die Musik zu deinem Beruf zu machen. Wie genau sieht aber dein Plan A eigentlich aus?
Das was hier sehr ausschließlich klingt, ist eigentlich sehr vielschichtig. Mit Plan A meine ich nicht einen konkreten Lebensweg mit einem bestimmten Ziel am Ende. Vielmehr bedeutet dieser Plan A für mich, dass ich mich beruflich im Feld Musik bewegen möchte. Dabei ist der Club und Club-Techno eine Facette. Musik ist Bestandteil so vieler kultureller Ausdrucksformen: Tanz, Theater, Kunst, Film. Im Hinblick auf die technische Dimension sind da die verschiedenen Schritte der Musik-Produktion: Mischen, Mastern, Engineering. Und natürlich geht es auch um die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Instrumenten. Die Umstellung meines Studios mit der Ausrichtung auf ein Modularsystem hat für mich einiges verändert. All diese Genres, Bereiche und Prozesse finde ich interessant. Abgesehen davon ist ein fester Bestandteil dieses Plans die Zusammenarbeit mit anderen Künstler*innen.

2017 hast du dein eigenes Label Artful Rifle an den Start gebracht, dort bisher aber nur eine einzige EP veröffentlicht. Welchen Plan verfolgst du mit dem Label?
Als ich das Label gelaunched habe, befand ich mich in einem großen Veränderungsprozess. Da ist ja immer ein bisschen das Problem mit der zeitlichen Verschiebung zwischen Produktion und Veröffentlichung. In dem Fall ergab sich dort ein Umbruch. Nächstes Jahr wird auf dem Label einiges passieren. Artful Rifle möchte ich als Plattform für Techno-, aber nicht zwangsläufig Clubmusik etablieren.

Als Inspiration für deine Tentlover-EP auf Artful Rifle hast du Octavia E. Butlers Sci-Fi-Trilogie Xenogenesis genannt. Was reizt dich generell an Science Fiction und im Speziellen im Kontext von Techno?
Im Genre Science Fiction wird ein Bild unserer gesellschaftlichen und technischen Möglichkeiten gezeichnet. Es ermöglicht eine Auseinandersetzung mit den Entwicklungen und Konsequenzen dieser Potenziale, die in der Gegenwart bereits vorhanden sind, aber in der Form noch nicht eingetreten sind. Dabei entstehen andere Räume, was ich sehr aufregend finde. Hier würde ich auch die Verbindung zu Techno ziehen: Mit den vorhandenen Instrumenten und klanglichen Erfahrungen andere rhythmische Strukturen und Klänge zu finden, was wiederum andere Sound-Räume ermöglicht. Das befriedigt auch meine Neugier.

Den Plan für eine LP, die sich an den bahnbrechenden Anime Ghost In The Shell anlehnte, hast du nach dem Remake mit Scarlett Johansson fallen lassen. Wieso eigentlich – und ist die LP immer noch in Arbeit?
Das Original ist ein großartiger Film, der seiner Zeit weit voraus war. Er nimmt vieles vorweg, was heute diskutiert wird und erscheint im Hinblick auf viele Fragen noch aktuell zu sein. Dabei berührt Ghost in the Shell für mich unter anderem das Thema der Identität, in dem speziellen Sinne die Auseinandersetzung mit einer Suche nach einer musikalischen Identität. So gesehen war ich nicht sonderlich glücklich darüber, als das Remake erschien: Die LP sollte nicht auf einer Marketingwelle des Remakes schwimmen beziehungsweise wollte ich nicht, dass die Musik mit dem Remake assoziiert wird oder gar als Reaktion darauf verstanden wird. Die musikalische Auseinandersetzung hat deswegen aber nicht aufgehört. Verwerfungen und Veränderungen gehören zum Prozess. In dem Sinne ist nicht diese LP noch in Arbeit, aber vielleicht eine andere.

Ghost In The Shell ist auch in deinem Beitrag zu unserem Groove-Podcast ein Thema: Ungefähr zur Mitte markiert der ikonische „Making of Cyborg“-Chant einen abrupten Break. Was war die Idee hinter dem Mix?
Es ist ein Club-Mix und markiert, auf welcher musikalischen Reise ich mich gerade befinde. Alle Tracks sind synthetisch, 90% der Tracks sind in ihrem Klangdesign und Struktur einmalig – das finde ich aufregend. Sie besetzen einen eigenen Raum mit den Möglichkeiten, die zur Verfügung stehen. Es geht mir dabei auch um eine sinnliche Erfahrung: die Begegnung mit Strukturen und Gebilden, einem Mikrokosmos. Dabei ist egal, ob es sich um Tools oder klassische Songs handelt. In dem Mix habe ich sie arrangiert, wie ich sie im Club spielen würde.

Last but not least: Wann können wir dich in nächster Zeit hinter den Decks erleben und wie sehen deine Pläne als Produzent und Labelbetreiber aus?
Den nächsten Gig spiele ich im PAL in Hamburg. In Berlin könnt ihr mich als Resident fast immer bei Grounded Theory-Nächten antreffen. Den zweiten Teil der Frage habe ich glaube ich schon beantwortet, auf Genaueres möchte ich mich da nicht festlegen. Einfach überraschen lassen…



Stream: Pablo Mateo – Groove Podcast 183

01. DJ Shadow, Chino Amobi, Dedekind Cut – Conversations With Angels
02. Daniel Avery – Diminuendo (Original Mix)
03. Xhin – Fixing The Error
04. Wata Igarashi – Lost
05. Acronym – Purity
06. Sigha – Stabbing
07. Architectural – Cubismo 8.3
08. Peter Van Hoesen – Expected Utility
09. M01 Chant I: Making of Cyborg
10. Banke – Simenon
11. G-Man aka Gez Varley – Graphite
12. Rødhåd – Kinder der Ringwelt (Donato Dozzy Remix)
13. Anthony Linell – Layers of Reality
14. 400ppm – Metabolic Grift
15. Jonas Kopp – Aile
16. Repitch – Walker (Mike Parker Remix)
17. Neel – Renio
18. Korridor – The Fall

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