Stark beeinflusst vom Loft hatte Brody zunächst David Mancusos (lest hier Holger Kleins ausführlichen Nachruf auf den legendären DJ) Toningenieur Alex Rosner angeheuert, um ein Soundsystem in einem Vorgängerclub in der Reade Street zu installieren. Als er die Paradise Garage eröffnen wollte, kontaktiere er den jungen Ingenieur erneut. Als der DJ Larry Levan davon erfuhr, erzählte er Rosner begeistert, dass er „Klipschorn (Lautsprecher) überall stehen haben will“. Klipschorns waren die ikonischen „Class A“ Heimanlagen-Lautsprecher, die Mancuso in seinem eigenen Setup (das einen Mark-Levinson-Verstärker, Koetsu-Tonabnehmer, die von einem japanischen Schwertspezialisten angefertigt wurden, und weitere audiophile Komponenten beinhaltete) im Loft benutzte. Rosner begann die Fundamente des Loft-Systems in die Paradise Garage zu exportieren und die notwendigen Berechnungen für den Mainroom anzustellen. Doch dann änderte Levan seine Meinung.

Die Kraft der Musik

Während David Mancuso der festen Überzeugung war, dass die Tänzer den größten Level andauernder Energie erzielten, wenn er das Soundsystem so ausrichtete, dass es den Klang so akkurat wie möglich auf 100 Dezibel wiedergab, einer Lautstärke, die die Ohren der Tänzer nicht beschädigte, war der Garage-DJ Levan mit Long einer Meinung, dass die ideale Lautstärke bei 130 Dezibel oder höher liegen sollte, damit die Tänzer von der Kraft der Musik überwältigt werden würden.

Long hatte zwar Mancuso das erste Paar Klipschorns verkauft, aber seine Experimente im Soho Place ließen ihn zu dem Schluss kommen, dass ein Soundsystem sowohl die Kraft eines Livekonzerts generieren als auch die Wärme, Details und Nuancen einer Heimanlage abbilden sollte – und diese Theorie ergab für die Paradise Garage einen zwingenden Sinn. „Jeder hatte das Gefühl, dass das Loft ein wunderbares Soundsystem besaß“, erklärt Kenny Powers, der 1980 anfing, für Long zu arbeiten. „Es war wirklich sweet und klang sehr nett in Davids Raum. Aber die Garage war größer als das Loft und es war auch ein intensiverer Raum.“

Levan war besonders angezogen von einem Sub-Bass-Horn, der Bertha, die Long entworfen hatte und die die Klipschorn herausforderte, wenn es um Bassabdeckung und Effizienz ging. Also bedrängte er Brody, Long anzustellen, um sich von ihm ein System bauen zu lassen, das Präzision mit Kraft kombinierte. Der Eigentümer willigte ein. „Michael wusste nicht allzu viel über Audio“, fügt Powers hinzu. „Diese Dinge überließ er Levan. Und die Änderungen wurden gemacht, weil Levan sie wollte.“

Nachdem er die Anlage im Studio 54 installiert hatte, beharrte Long in Gesprächen mit Levan darauf, dass die Klipschorns „nicht in der Lage sein würden, Bässe sauber wiederzugeben,
vor allem nicht die tiefen Bässe auf dem druckvollen Level, der für die Garage nötig war“ (wie er es Billboard im Dezember 1980 erzählt). Während die Bauarbeiten in der Garage vorangingen, ersetzte er vier der Ecklautsprecher durch modifizierte Waldorf-Basslautsprecher und JBLs für die Hochtöner. Als die Bauarbeiten sich dem Ende zuneigten, fügte er noch vier veränderte Sub-Bass-Berthas und vier 3-Wege-Ultimas in die Ecken des Hauptraumes, positionierte die Waldorfs und weitere kleinere Subwoofer entlang der Seiten und verteilte sechs Hochtöner-Gruppen an der Decke. Die modifizierten Berthas galten als das Herzstück der Anlage und bestanden aus einem gefalteten Horn in W-Form, zwei maßgefertigten Treibern und einer ausgestellten Erweiterung, die am Mund des Horns befestigt war.