Wie viel ist beim neuen Album „from scratch“ geschrieben und wie viel ist über die Jahre hängen geblieben?
Szary: Ne, das ist alles in einem Zeitraum ab September 2014 entstanden.
Ring: Aber wir denken jedes Mal, wir haben von den vorherigen Platten noch was über und freuen uns: „Fett, da können wir dann gleich wieder ansetzen mit der nächsten Platte“ – und dann machen wir es doch nicht.
Szary: Diesmal haben wir allerdings tatsächlich ziemlich viel Material, das wir nicht verwendet haben, weil wir viel live gespielt und das dann aufgenommen haben. Das bin ich auch alles nochmal durchgegangen. Das war eine sehr meditative Arbeit: Ich bin Rechner für Rechner durchgegangen und hab mir diese Schrott-Folder angesehen, um einfach zu hören was da ist.

Beim ersten Moderat-Album hat Sascha nur auf zwei Tracks gesungen, beim letzten waren es vier und jetzt singst du auf sieben von neun Stücken. Dazu gehört ja auch irgendwie Selbstbewusstsein.
Ring: Das hat schon was mit einem gewissen Selbstbewusstsein zu tun. Ich hab mich irgendwann auch als Sänger akzeptiert. Das liegt auch daran, das man irgendwie mit dem Flow geht. Das war gar nicht so geplant, sondern das ist die Art wie wir jetzt gerade am leichtesten Musik produzieren können. Es gibt erst eine Skizze, da fällt mir was zu ein, ich sing etwas und das bringt dann den Track auf das nächste Level. So war der Arbeitsprozess bei den meisten unserer neuen Songs.
Bronsert: Man muss die Songs auch in der für Saschas Stimme richtigen Tonlage beginnen. Das haben wir bei der ersten Platte kaum gemacht. Das ist etwas, das wir erst lernen mussten.
Ring: Du bist ja klassisch ausgebildet, oder? Hast du meist ein konkrete Vorstellung wie deine Musik klingen soll oder ergeben sich Sachen meist erst, indem du drauflos spielst?

Das ist ganz unterschiedlich. Manchmal versuche ich eine Vision umzusetzen, manchmal hab ich erstmal Lust einen Beat zu machen und dann inspiriert mich der Beat den nächsten Schritt zu gehen.
Ring: Bei uns ist es so, dass es immer weiter weg vom verspielten, jammigen Ausprobieren hin zum relativ geplanten Musikmachen geht.

Moderat_Flavien_Prioreau_B-W_Square

Ich habe das Gefühl, dass immer mehr Inspiration aus der Vergangenheit kommt, als aus der Gegenwart. Das klingt ein bisschen nach dieser Floskel „früher war alles besser“, aber irgendwo kommen ja solche Gedanken her…
Bronsert: Wir schauen schon auch nach vorne, gucken was die anderen machen und wo das hingeht. Es gibt immer wieder Sachen, die von vorne in dich reinbrutzeln, aber trotzdem guckst du auch zurück.
Szary: Ich bin nach wie vor beeindruckt, wenn ich etwas neues entdecke. Dann denke ich: „Geil, das sowas mal ausprobiert wurde“, wenn Musiker zum Beispiel die Taktarten wechseln oder überhaupt sich an mutigen Songstrukturen versuchen.
Bronsert: Bei der Produktion zu unserem neuen Album haben sich Sascha und Szary viel mit Modularsystemen befasst, das ist ja auch eine Art Beschäftigung mit der Vergangenheit. Plötzlich war da so ein riesiger Berg von Material. Teilweise gab es bescheuerte Fehler bei den Aufnahmen, aber du konntest sie nicht mehr wegmachen – das Material war halt so wie es ist.
Szary: Sascha und ich sind immer in diesem kleinen Raucherraum in unser Studio gegangen, obwohl Sascha nicht raucht, und wir friemelten an diesem Modularsystem rum und benutzten den Computer nur als Aufnahmegerät. Deshalb gab es diesmal auch ziemlich viele Outtakes, Material das wir nicht verwenden konnten.

1
2
3
4
Vorheriger ArtikelKim Brown
Nächster ArtikelBerlin Community Radio