Eigentlich hätte es zum siebten Album vom Brasilianer Amon Tobin gepasst, wenn er auf dem Cover seinen vollen Namen abgedruckt hätte. Denn Amon Adonai Santos de Aravjo Tobin hätte ihm dem Auftritt eines Künstlers im Stil von gefeierten Opernstars oder Hollywoodgrößen garantiert. Ähnlich auftrumpfend geben sich die zwölf Tracks, die geradezu nach Aufmerksamkeit schreien. Mal wegen ihrer klanglichen Gewaltigkeit wie bei „Esther´s“, mal wegen ihrer Vielschichtigkeit wie bei „Kitchen Sink“. Die vorherige Arbeit am Videospielsoundtrack zum Action-Adventure Splinter Cell oder der Albumtitel Foley Room (so heißen Klangaufnahmeräume für Soundeffekte) lassen erahnen, dass Amon Tobin den Hörer jetzt auch auf eine Klangreise schicken will, die mit jedem Kinoepos in Sourroundsound mithalten kann. So stammen viele Samples nun von eben solchen Foley-Artists und auf einer beigelegten DVD sind diese Aufnahmen und die Reise über Montreal, San Fransisko bis Seattle dokumentiert. Doch dieses umfangreiche Klangmaterial hat Tobin über gute Strecken arg strapaziert. Bei früheren Alben wie Bricolage wirkten seine Tracks noch graziler und dabei trotzdem noch aufregend und wie eine spannendes Bauwerk, dessen Architektur unbegreiflich bleibt. Jetzt sieht man dicke Stützpfeiler, die zwar imposant wirken, aber das Gebäude doch auch träge wirken lassen. Selten die Momente wie bei „Horsefish“, wo Töne und Strukturen noch klar erkennbar sind. Weniger wäre eindeutig mehr gewesen.