In den letzten Jahren hätte man mit Nicolas Godin und Jean-Benoît Dunckel nicht wirklich tauschen wollen. Die Alben nach Moon Safari wirkten wie bewusste Abgrenzungen, Experimente oder eine Expedition in Gefilde, die ihnen eher fremd schienen. Den Tracks fehlte es oft an Wärme oder an dieser Entspanntheit, die noch in den ersten EPs und den Soundtracks steckte und eben auch ihr Debütalbum auszeichnete. Und nun die Pocket Symphony, auf deren Cover von Xavier Veilhan die beiden als durchsichtige Renderstatuen zu sehen sind. Dreizehn Stücke, die wie eine Moon Safari 2.0 wirken und einen wieder ganz an diese unterträgliche Leichtigkeit des Seins heranführen. Allen voran „One Hell Of A Party“, in der Jarvis Cocker (Pulp) über den Morgen nach einer Party singt und diesen perfekt in Worte fast. Oder „Mer Du Japon“, bei dem man sofort aufstehen will und zu einer Weltreise aufbrechen möchte. Dabei pflegen sie dann auch wieder ihren Bombastsound, der trotzdem warm und organisch klingt. Dazu tragen besonders die beiden japanischen Instrumente Koto und Shamisen (Versionen von Harfe und Banjo) bei, die Godin in Japan spielen lernte und auf dem Album wohldosiert einsetzt. Air schaffen es auf ihrem fünften Album auch sich zu wiederholen, ohne sich selbst zu kopieren. So erscheint „Left Bank“ wie ein Fortsetzungsroman von „All I Need“ und allein für dieses Liebeslied würde ich Air bei allem Kitsch und Schmerz ewig dankbar sein. Fast schon schade bleibt, dass Air nie den Mut haben, auch mal einen längeren Exkurs zu wagen. Immer bleiben sie auf Radiolänge und ehe man sich fallen lassen kann, ist alles vorbei. Aber vielleicht liegt darin das Geheimnis.