Fotos: Neustadt-Ticker (Sabotage)

Im Dresdner Club Sabotage ist ganz schön was los und das leider nicht nur im positiven Sinne. Nachdem seitens der Anwohnerschaft regelmäßig Beschwerden wegen unzumutbarer Lärmbelästigung vorgebracht wurden, hat das Dresdener Umweltamt das Sabotage nach einer Probemessung in unmittelbarer Umgebung nun dazu aufgefordert, bis zum 25. Juni ein Konzept zur Senkung des Geräuschpegels vorzulegen. Sollte der bereits seit 15 Jahren in der Bautzner Straße ansässige Club mit diesem Konzept nicht durchkommen, würde dies dies ein existenzielles Risiko bedeuten. Wir sprachen mit den Betreibern.

 


 

Die bei euch durchgeführte Messung ergab einen Wert von 41db, der Maximalpegel beträgt 35db. Wie realistisch ist ein solcher Wert in der dicht besiedelten Dresdener Neustadt überhaupt?
Die Äußere Neustadt ist nicht nur dicht besiedelt, sondern auch das subkulturelle Zentrum der Stadt mit unzähligen Bars und etlichen kulturellen Einrichtungen. Sozusagen der „place-to-be“ am Wochenende. In diesem Umfeld die gleichen Grenzwerte wie in ruhigen Wohnvierteln am Rande der Stadt anzulegen, erscheint uns gleichwohl unangemessen und lebensfern. Absurd wird es, wenn man bedenkt, dass eben jenes Viertel im Stadtmarketing eine zentrale Rolle einnimmt und als Szene- und Ausgehviertel beworben wird, gleichzeitig die politische Rückendeckung aber ausbleibt.

Welche Maßnahmen eurerseits wurden ergriffen, um die geforderten Werte zu erreichen und welche könnten noch in Betracht gezogen werden?
Wir haben in der Vergangenheit schon einige Anpassungen vorgenommen, um eine friedliche Koexistenz mit den Nachbarn zu erreichen. Zum einen haben wir unsere Anlage stark reguliert und zum anderen steht permanent ein Mitarbeiter vor der Tür, der für Ruhe sorgt und Gäste von dem Teil des Hofes, für den wir das Hausrecht ausüben können, herunterbittet. Nicht gerade optimal für einen Club, aber es zeigt, wie bemüht wir bei der ganzen Problematik sind. Dagegen, dass sich Gäste, die zu uns kommen oder wieder nach Hause gehen, auf ihrem Weg unterhalten, kann man allerdings nur wenig tun. Offensichtlich reicht das aber schon aus, um uns in ernsthafte Schwierigkeiten zu bringen.

Im Bericht in den Dresdner Neuste Nachrichten kommt auch die Nachbarschaft zu Wort. Wie steht ihr zu Aussagen wie „Nur, weil das schon immer so war, akzeptieren wir den Lärm nicht.“, wie sie laut einem Zeitungsbericht aus der Nachbarschaft zu hören waren?
Vermutlich könnte man den Geist der Gentrifizierung nicht besser in Worte fassen als mit dieser Aussage. Sie zeugt von einer tief sitzenden Ignoranz gegen das, was hier in den letzten Jahrzehnten geschaffen wurde. Nicht nur von uns, sondern von allen Kulturschaffenden, Gastronomen und Freigeistern, die aus der Dresdner Neustadt eines der lebendigsten Vierteln ganz Europas gemacht haben.

Bis zum 25. Juni sollt ihr dem Umweltamt ein Konzept darüber vorlegen, wie der Geräuschpegel gesenkt werden könnte. Was würde es bedeuten, wenn dies nicht gelingt?
Wenn dies nicht gelingt, dürfen wir nach 22:00 keine Veranstaltungen mehr ausrichten, was letztlich das Aus bedeutet, da wir im Normalfall erst eine Stunde später aufmachen.

Ihr versucht es nun auf dem politischen Weg in dem ihr versucht die Einrichtung einer „Kulturschutzzone“ in der Dresdner Neustadt einzuführen. Wie würde diese aussehen und was würde das für das Sabotage bedeuten?
In erster Linie geht es bei diesem Vorschlag darum, etablierten Kultureinrichtungen eine gewisse Sicherheit zu geben und sie vor den Mechanismen der Gentrifizierung zu schützen. In der Praxis würde es vor allem bedeuten, dass in den entsprechenden Gebieten realistischere Schallemissionsgrenzwerte gelten, beispielsweise die eines Misch- oder Gewerbegebietes. Somit würde man den Beschwerdeführern die rechtliche Grundlage entziehen, die ihnen den Rücken stärkt. Letztlich handelt es sich hierbei aus unserer Sicht um ein politisches Problem, dass man auch auf dieser Ebene lösen muss. Es ist ein Unding, dass man in ein Viertel ziehen kann, sich über die kleine Eckkneipe oder den Kellerclub, die es seit jeher an dieser Stelle gibt, beschweren kann und diese dann schließen müssen. Dass individuelle Kapitalinteressen oder das Bedürfnis einzelner nach Friedhofsruhe schwerer wiegen sollen, als das Recht der Allgemeinheit auf Kultur ist für uns weder nachvollziehbar noch akzeptabel.

Am 10. Juni findet im TBA Dresden eine Soli-Veranstaltung mit u.a. Credit 00 zugunsten des Sabotage statt.