Beate, du und Chrislo Haas wurdet dann ein Paar. Ihr seid zusammen nach Düsseldorf gegangen, wo ihr vier Kassetten als CHBB aufgenommen, also eure Initialen als Titel, und dann mit Liaisons Dangereuses 1981 quasi technoiden EBM veröffentlicht habt, der heute noch allseits bewundert wird. Aber im Rheinland bist du als Berlinerin nicht glücklich geworden, oder?
Bartel: Damals gab es ja noch die Mauer und Düsseldorf war sehr zentral, von da kam man sehr schnell überall hin. Aber ich hatte so meine Probleme mit den Rheinländern. Ich war richtig heimatlos da und bin erst nach Paris geflüchtet und dann zurück nach Berlin.

Gudrun, du hast derweil mit Bettina Köster, Christine Hahn, Susanne Kuhnke und Manon Duursma Malaria! gegründet. Köster war zuvor in New York gewesen und hat quasi von dort New Wave mitgebracht.
Gut: Zwischen 1979 und 1981 gab es unheimlich viele Konstellationen und Projekte. Man musste sich ja irgendwie vor der Langeweile retten, das war auch Selbst-Entertainment, irgendwas machen, Aktion. Und dann gab es für Beate und mich diese Konzentrationsphase, sie bei Liaisons, ich bei Malaria!. Das war sehr intensiv für mich, wir haben Platten aufgenommen und unheimlich viel live gespielt.


Stream: Malaria! – Kaltes klares Wasser

Ihr seid zum Beispiel mit Nina Hagen im New Yorker Studio 54 aufgetreten, komplett in Rot und Schwarz gekleidet. Die Village Voice meinte damals, ihr saht aus wie Nazis, und das ausgerechnet am höchsten jüdischen Feiertag, Jom Kippur.
Gut: Das war ein unheimlicher Skandal. Mir war nicht klar, an welchem Tag das war. Ich dachte nur: Toll, Studio 54, das machen wir natürlich. Nina hatte keine Backingband und hat uns gefragt. Es war dann ein superguter Chaosabend. Und wir dachten, für den Laden müssen wir uns schon ein bisschen chic machen. Wir haben dann alle Schwarz getragen und eine rote Nelke im Knopfloch. Wir wollten nicht die Flöte spielenden, strickenden Girls sein, sondern natürlich starke Frauen repräsentieren. Die Haare mussten kurz sein. Das war schon ein militantes Auftreten, und das als Deutsche, das haben viele dort überhaupt nicht verstanden.