Die Redaktion nach überstandener Heftproduktion zu ausgelaugt, der Online-Redakteur im Urlaub: Letzte Woche fielen die Office Charts leider flach – wir hoffen, ihr verzeiht es uns. Die Kalenderwoche 15 beginnen und überstehen wir dank der stets feinsinnigen Auswahl unseres Review-Redakteurs Thilo Schneider mit feinstem House von Bass Clef, Dresvn und Willie Burns & DJ Overdose, Lucys Zen-Techno-Eskapaden sowie Bjarkis neuesten Streichen.

5. Bass Clef – Interform (Trilogy Tapes)


Seit gut zehn Jahren veröffentlicht der Brite Ralph Cumbers bereits Musik unter seinem Alias Bass Clef und trotzdem sei er immer noch total unterbewertet, so wird zumindest der Trilogy Tapes-Macher und anerkannte Geschmacks-Instanz Will Bankhead zitiert. Bankhead sogleich merkt an, dass die zwei auf seinem Label veröffentlichten Bass Clef Maxis zu den besten des zweifellos beeindruckenden Labelkatalogs gehören. Doch kann Nummer 2, also „Interform / Untunnel“ diesen Vorschusslorbeeren gerecht werden? Durchaus, beide Nummern zeigen warum Cumbers den Bassschlüssel im Namen hat: Es sind mild euphorisierende, Synth-geladene House-Tracks, die nicht umsonst in den Sets von Ben UFO und Joy Orbison zu hören sind.

4. Lucy – The Hermit (Zehnin)


Der Zen-Buddhist unter den Techno-Producern mit einer Auswärts-EP auf dem neuen Label Zehnin. Der italienische DJ und Stroboscopic Artefacts-Macher Lucy bietet in einem Berliner Yogastudio seit längerem jeden Mittwoch eine Klangschalen/Gong-Meditation an, und auch bei „The Hermit“ ertönt gleich am Anfang das weiche Aufschlaggeräusch eines Gongs, der sich dann auch durch den ganzen perkussiv und konzentriert gehaltenen Track zieht. Noch minimalistischer ist „The High Priestess“, durch das sich die ersten vier Minunten lediglich ein Drone-Sound um eine stichnadel-artige Percussions windet, bevor eine Bassdrum dann alles wieder grade zurrt. Eine weitere Episode in Sachen Meditationstechno.

3. Dresvn – Acido 25 (Acido)


Auch der lange A-Seitentrack der neuen Dresvn, dem Joint Venture von Dynamo Dreesen und Sven Rieger, nimmt sich erst einmal ziemlich viel Zeit, um mit ein paar zärtlich dahin getupften Akkorden und knisternden Sounds eine wunderbare Late Night-/Early Morning-Stimmung auszubreiten, bevor sich langsam ein Beat einschleicht und man sich schließlich in einem warmen, verschwitzten House-Club der Extraklasse bewegt. Für den B1-Track haben sie sich mit dem Produzent SW zusammen getan, der bisher regelmäßig auf Riegers Label SUED veröffentlicht hat: Rauschen, Weite, milde Euphorie. Das beatlose Mix-Tool B2 schließt diese bemerkenswerte EP ab.

2. Willie Burns & DJ Overdose – Sonny and Ricardo Give Good Advice (UTTU)


Was kommt dabei heraus, wenn sich zwei Produzenten, die bisher auf Labels wie Crème Organization, L.I.E.S., The Trilogy Tapes, Berceuse Heroique und Viewlexx veröffentlicht haben, zusammenschließen? Richtig, ein ziemlich geil knallendes Stück House im Spät-80er Stil mit offenen „Work That Motherfucker“-Hi-Hats, einer korrekten Acid-Line und einer Vocal-Collage, die einem am Anfang gleich einen wertvollen Ratschlag erteilt: „Excuse me everybody, I’ve got a little advice for you. Next time, you feel like going out und you feel like going to a party, you better take drugs“. Das „take drugs“ wird, bevor man’s vergisst, von Willie Burns & DJ Overdose dann durch den gesamten Track geloopt. Schon spaßig, wir prognostizieren aber eine eher geringe Halbwertszeit. Für DJs interessant dann auch die B-Seite mit 15 nützlichen Locked Grooves.

1. Cucumb45 – Something Weirdcore (BBBBBB)


Das vierte Release auf dem Label von Bjarki und Johnny Chrome Silver kommt von dem neuen Cucumb45-Alias von Bjarki selbst. „Something Weirdcore“ ist dann auch genau eben dies: eine rasend schnelle, irre schlagfertige und ziemlich spaßbringende EP, die sich auf fünf Tracks an diversen Breakcore-, Hardcore- und und frühen IDM-Standarts abarbeitet. Wie er bei dem Titeltrack Amen-Breaks, lang gedehnte Vocals und Aphex Twin-artige Ambient-Clouds auf völlig unberechenbare Rhythmuswechsel kollidieren lässt, ist schon ziemlich toll. Aber auch die anderen Tracks wie das Big Beat-/Dub-beeinflusste „Music For Advertising“ oder das mit mit komplexen Bassfiguren und weitschweifenden Detroit-Strings arbeitende „Karate Latte (Heep Mix4“) sind überaus gelungen.